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3 Hintergrund zum Thema Pflegebedürftigkeit und Pflegebedarfe (S. 21-22)
Hintergrund des Gutachtens ist der demographische, soziale und gesundheitspolitische Wandel, der die gesundheitliche und pflegerische Versorgung in NRW vor große Herausforderungen stellt. Gemeinsam mit fast allen Industrieländern befindet sich die bundesdeutsche Gesellschaft in einem strukturellen Umwandlungsprozess. Gutachten und Prognosen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, prognostizieren einen Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen und einen erhöhten Versorgungsbedarf in der ambulanten und stationären Versorgung in den nächsten Jahrzehnten (Hasseler 2004). Gründe, Ursachen, Art und Ausmaß, die zu Hilfe- und Pflegebedürftigkeit in Nordrhein-Westfalen führen, entsprechen bundesweiten Trends (Reichert 1998). Es besteht allgemeiner Konsens, dass diese Entwicklungen und Veränderungsprozesse Auswirkungen auf die pflegerischen Infrastrukturen und Versorgungsprozesse haben werden (Heinze/Naegele/Strünck 1996, Enquetekommission »Demographischer Wandel« Schlussbericht 2002).
3.1 Demographischer, sozialer und gesundheitspolitischer Wandel
3.1.1 Demographischer und sozialer Wandel
In den nächsten Jahrzehnten wird sich die Altersstruktur aufgrund demographischer Entwicklungen verändern. Es wird ein deutlicher Strukturwandel in Richtung eines steigenden Anteils älterer und hochbetagter Menschen zu verzeichnen sein (Birg/ Flöthmann 2002; Enquetekommission »Demographischer Wandel« Schlussbericht 2002; Statistisches Bundesamt 2003). Der Anteil von über 65-Jährigen wird demnach von derzeit 16 % auf 22 % im Jahre 2020 steigen. Berechnungen gehen davon aus, dass vor allem die Zahl Hochaltriger (Menschen über 80 Jahre) überproportional zunehmen wird. So werden für das Jahr 2010 bundesweit vier Millionen Hochaltrige vorausberechnet, für das Jahr 2020 eine Zahl von 5,3 Millionen (Robert Koch Institut 2002). Die Anzahl der 80-jährigen und älteren Bevölkerung soll sich bis zum 2050 auf acht bis zehn Millionen erhöhen (Birg/Flöthmann 2002). Für NRW wird für das Jahr 2020 prognostiziert, dass die Anzahl der über 60-Jährigen bei über fünf Millionen liegen wird. Im Jahr 2032 soll ein Maximum von über 5,7 Millionen erreicht werden (LDS NRW 2004). Der Anteil der über 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung NRWs soll Prognosen folgend von derzeit 3,6 % auf 4,8 % steigen (Naegele/Heinze 1999). Rothgang konstatiert, dass das Wachstum der
Altenbevölkerung nicht linear verlaufen wird. Bis zum Jahr 2040 werden zwei Stagnationsphasen zu erwarten sein (Rothgang 2004).1 Insbesondere ist in NRW zu beachten, dass zwischen den einzelnen Kommunen große Unterschiede in der Entwicklung der Altenbevölkerung zu erwarten sind (Rothgang 2004).
Nicht nur die Hochaltrigen sind von hoher Relevanz für künftige Bedarfskonstellationen pflegebedürftiger Menschen, sondern auch andere gesellschaftliche Teilpopulationen (Enquetekommission »Demographischer Wandel« Schlussbericht 2002). Die demographische Entwicklung wird zu einer Zunahme im Bereich der psychischen Erkrankungen bzw. gerontopsychiatrischen Erkrankungen (Demenz, Depression) führen. Aktuelle Daten gehen davon aus, dass etwa ein Viertel der über 65-Jährigen an einer psychischen Störung leidet (Robert Koch Institut 2002). Die Demenz ist dabei eine der häufigsten Störungen, die vor allem überwiegend im Alter auftritt. Während von der 65- bis 68-jährigen Bevölkerung zwischen einem und vier Prozent an einer schweren bis mäßig schweren Demenz leidet, beträgt dieser Anteil bei den 80- bis 84-Jährigen schätzungsweise 15 % und bei den über 90-Jährigen 30 bis 40 % (Vierter Bericht zur Lage der älteren Generation 2002). Demgemäß ist zu erwarten, dass zukünftig mehr hochaltrige Patienten zu versorgen sind, die an einer demenziellen Erkrankung leiden. Wenn ein Durchbruch in der Prävention und Therapie dieser Erkrankungsform ausbleibt, wird mit einem Anstieg der Patientenzahl auf knapp unter 1,4 Millionen bis zum Jahr 2020, bis zum Jahr 2030 auf 1,56 Millionen und auf mehr als zwei Millionen bis zum Jahr 2050 gerechnet (ebd.; Bickel 2001). Für Nordrhein-Westfalen liegen keine genauen Angaben vor, bundesweite Trends können jedoch auf NRW übertragen werden, so dass auch in pflegerischer Hinsicht hier ein Anstieg demenziell Erkrankter zu erwarten ist (Naegele/ Heinze 1999).
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