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Leistungsängste - Therapieprogramm für Kinder und Jugendliche mit Angst- und Zwangsstörungen (THAZ) Bd. 1

Leistungsängste - Therapieprogramm für Kinder und Jugendliche mit Angst- und Zwangsstörungen (THAZ) Bd. 1

von: Manfred Döpfner, Lydia Suhr-Dachs

Hogrefe Verlag, 2005

ISBN: 9783840918780, 205 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 32,99 EUR

Ersparnis: 3,96 EUR

  • Inter- and intragenerational economic mobility - Germany in international comparison
    Islamisches Familienrecht - Methodologische Studien zum Recht malikitischer Schule in Vergangenheit und Gegenwart, Band 1
    Einführung in die Studiengangentwicklung
    Meer, du berührst meine Seele - Ein maritimes Lesebuch
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    Lehrerbildung in Gewerblich-Technischen Fachrichtungen
    Odem des Todes - Phantastik Anthologie
  • Lernen und Bildung Erwachsener
    Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel
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    Sherlock Holmes - Der verwunschene Schädel
    Moderne Berufsstrukturen in der Elektroindustrie - Der zweijährige Ausbildungsberuf Industrieelektriker/-in
    Beratungs- und Serviceangebote für die Nachqualifizierung - Instrumentarien, Methoden und Praxiserfahrungen
    Lokale Infrastruktur für alle Generationen - Ergebnisse aus dem Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser
    Evangelisch-Lutherische Kirchenagende - Die Konfirmation
 

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Leistungsängste - Therapieprogramm für Kinder und Jugendliche mit Angst- und Zwangsstörungen (THAZ) Bd. 1


 

Kapítel 1 Grundlagen (S. 10-11)

1.1 Symptomatik und Epidemiologie

erstellt von ciando Prüfungsangst ist eine extreme Angst vor schlechtem Abschneiden in Test- und Prüfungssituationen (Beidel et al., 1994). Der Begriff der Leistungsangst wird im vorliegenden Manual als Synonym verwendet. Diese wird von Schwarzer (1993) als „Besorgnis und Aufgeregtheit angesichts von Leistungsanforderungen, die als selbstwertbedrohlich eingeschätzt werden“ umschrieben. Beide Definitionen implizieren die auslösenden Bedingungen dieser Angstform, nämlich „(schulische) Lehr-, Lern- und Leistungssituationen im weitesten Sinne“ (Rost & Schermer, 1997). So gilt Leistungs- bzw. Prüfungsangst als eine Ereignisangst, die ausschließlich in Leistungssituationen auftritt, d. h. in solchen Situationen, „in denen Leistungsanforderungen an die Personen gestellt werden, die es zu erfüllen gilt, in denen die Person einer Bewertung seiner Leistung ausgesetzt ist“ (Weiß, 1997). Das Symptombild bleibt jedoch nicht nur auf die akute Leistungssituation beschränkt, sondern manifestiert sich in der Regel bereits im Vorfeld und kann über die Leistungssituation hinaus andauern. Angstauslösende Momente für Kinder/Jugendliche stellen die verschiedensten Bewertungssituationen in der Schule dar (z. B. Klassenarbeiten schreiben, aufgerufen werden, etwas vortragen). Die Betroffenen erleben nicht nur unangenehme emotionale Zustände (Angst bis hin zur Panik), sondern auch spezifische kognitive, behaviorale und physiologische Symptome (Knigge-Illner, 1999; Weiß, 1997). Vor der Leistungssituation können gedrückte Stimmung, Nervosität, innere Unruhe, Muskelverspannungen, Ein- und Durchschlafstörungen, Durchfallneigung, Magenschmerzen und Übelkeit vorkommen. Die Aufnahme- und Merkfähigkeit ist unter Umständen bereits während der Vorbereitungsphase beeinträchtigt. In der akuten Leistungssituation kann es zu einer Minderung der mentalen Leistungsfähigkeit kommen, wie z. B. Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsfehler, Blockierungen beim Abrufen von Gedächtnisinhalten und Sprechhemmung (Bönninghoff, 1987; Gerbert, 1989). Oftmals werden die aufgabenrelevanten Denkprozesse immer wieder durch sorgenvolle Gedanken unterbrochen.

Rost und Schermer (1997) differenzieren zwischen mehreren gesonderten Komponenten und Teilprozessen der Leistungsangst, die sich anhand der folgenden Manifestationsebenen beschreiben lässt:

- Physiologisch: Kurzfristige körperliche Veränderungen, die akut durch das unmittelbare Bedrohungserleben ausgelöst werden (Herzklopfen, Schwitzen, Erröten etc.), und physiologische Reaktionen, die mit längerer Latenz manifest werden und eventuell chronifizieren (Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit etc.).

- Emotional: Unsicherheitsgefühle, Hilflosigkeitsaspekte, Verletzlichkeit, depressive Verstimmungen und Angstgefühle

- Kognitiv: Beeinträchtigung des aufgabenbezogenen Denkens (insbesondere Störungen der koordinierten Informationsaufnahme, -verarbeitung und -aktivierung)

Weitere typische Symptome der Leistungsangst bei Kindern und Jugendlichen werden durch die Items der Prüfungsangstskala des Angstfragebogens für Schüler von Wieczerkowski und Mitarbeitern (1981) repräsentiert (Tabelle 1).

Die beschriebenen Symptome stellen typische Angstsymptome dar, die durch die Wahrnehmung einer Bedrohung durch die Leistungssituation ausgelöst werden. Der subjektive Bedrohungscharakter entsteht durch die Antizipation von Versagen hinsichtlich der zu erbringenden Leistung. Der leistungsängstliche Schüler glaubt, nicht oder sehr schlecht abzuschneiden und den eigenen oder anderen Erwartungen nicht entsprechen zu können. Für die Entstehung der Angst ist dabei weniger die objektive Wahrscheinlichkeit des Versagens von Bedeutung als vielmehr die subjektive Misserfolgserwartung des Schülers. Obwohl die unangenehmen emotionalen Zustände und sorgenvollen Erwartungen bei den Betroffenen Fluchtmotive wecken, muss sich die leistungsängstliche Person in der Regel der Situation stellen.

Angstsituationen weisen hinsichtlich der Symptomatik bei den Betroffenen eine hohe Übereinstimmung zu Stresssituationen auf. Für Kinder und Jugendliche gilt insbesondere die Schule als Hauptquelle für belastendes Stresserleben, wobei Angst vor der Schule ein häufiges Stresssymptom darstellt (Sears & Milburn, 1990). Die Autoren fassen die vorhandenen Studien zur Untersuchung allgemeiner Stressoren im Kindes- und Jugendalter dahingehend zusammen, dass sich die meisten Stressoren in schulischen Zusammenhängen äußern, wie z. B. bei einer Arbeit zu versagen, elterlicher Leistungsdruck oder mangelnde Fähigkeiten zur Hausaufgabenerstellung. Das Leistungs- und Prüfungssituationen häufen sich zwar in der Schule und in der weiteren Ausbildung, dennoch kommen vergleichbare Situationen auch nach abgeschlossener Ausbildung im Beruf sowie im privaten Bereich vor (Präsentationen, Führerscheinprüfung, Ansprachen und Darbietungen vor einem Publikum). Frühzeitige und gezielte Interventionen erscheinen also geboten, da eine fortwährende Konfrontation mit Leistungssituationen über die Schullaufbahn hinaus stattfindet. Die Notwendigkeit therapeutischer Maßnahmen lässt sich auch aus den Katamnesen phobischer Störungen im Kindes- und Jugendalter ableiten, in denen sich eine Persistenz der sogenannten einfachen Phobien zeigt. So konnten Petersen und Lehmkuhl (1990) in einer katamnestischen Studie nachweisen, dass nach fünf Jahren lediglich 61% der ehemaligen Patienten mit einer Phobie keine Angstsymptomatik mehr hatten. Die Stichprobe der nachuntersuchten Phobiker unterschied sich signifikant von den gesunden Kontrollprobanden in den Angstbereichen: Physische Verletzung, Auftritte, Erkrankungen und ärztliche Behandlung, Abwertung und Unterlegenheit, physische und psychische Angriffe, Bewährungssituationen und globale Angstneigung. In vielen Studien wird ebenfalls eine hohe Stabilität und eine geringe Remissionsrate von Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen nachgewiesen.