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Untertan, Volksgenosse, Sozialistische Persönlichkeit

Untertan, Volksgenosse, Sozialistische Persönlichkeit

von: Sabine Dengel

Campus Verlag, 2005

ISBN: 9783593378725, 535 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 49,10 EUR

Ersparnis: 5,90 EUR

  • Netzwerke und Organisationsentwicklung in der Weiterbildung
    Prüfungen und Zertifizierungen in der beruflichen Bildung - Anforderungen - Instrumente - Forschungsbedarf
    Velvet Haven - Paradies der Dunkelheit - Roman
    Die Männer-Diät - Wie Sie in Bestform kommen - Betriebsanleitung
    Die letzte Zeile des Märchens - Roman
    Classy
    Gezeiten der Begierde - Roman
    Geomatiker / Geomatikerin Vermessungstechniker / Vermessungstechnikerin - Umsetzungshilfe und Praxistipps
  • Ich will in den Himmel oder als glückliche Kuh wiedergeboren werden - Vom demütigen Versuch, ein religiöser Mensch zu werden
    Das Betriebliche Eingliederungsmanagement
    Die Bruderschaft des Schwertes - Roman
    Kompetenzorientierung in der beruflichen Bildung
    Meine besten Salate
    Migration als Chance - Der Beitrag der beruflichen Bildung
    REPORT 01/2011 Forschungsmethoden in der Erwachsenenbildungsforschung - Zeitschrift für Weiterbildungsforschung

     

     

 

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Untertan, Volksgenosse, Sozialistische Persönlichkeit


 

4. Die strukturelle Dimension der politischen Erziehung (S. 271-272)

4.1 Familienpolitik als Element der staatlichen Erziehungspolitik

Greiffenhagen (1998, S. 255) und Bergem (1993, S. 204) sind sich darüber einig, daß die Familie als bedeutendste Instanz politischer Sozialisation zu gelten hat. Sie vermittelt, so bereits in der Einleitung erörtert, sowohl latente, d.h. noch nicht-politische bzw. vorpolitische Orientierungen, die auf spätere politische Einstellungen und Verhaltensweisen der Sozialisationssubjekte einen, so der Forschungsstand, nicht unbeträchtlichen Einfluß haben dürften, als auch manifeste Überzeugungen und Grundhaltungen gegenüber Politischem. Dazu gehören beispielsweise die Entwicklung von Loyalität gegenüber dem politischen System und seinen Repräsentanten oder die Vermittlung von Parteipräferenzen sowie Identifikation mit politischen Symbolen. Der Transfer manifester politischer Orientierungen durch die Familie, liefert somit die Basis für diffuse und spezifische politische Unterstützung (Steinkamp, 2002, 422).

Gegenstand der folgenden Analyse sind die staatlichen Versuche einer Organisation der Rahmenbedingungen primärer Sozialisation in der Familie. Anders als im Falle der direkten, institutionalisierten Formen der Erziehung in Schule und Militär hat der Staat zwar keinen Einfluß auf die konkreten Inhalte politischer Sozialisation in der Familie, wohl aber strebt er eine Übereinstimmung der familialen mit den offiziellen Erziehungszielen auf der Grundlage unterschiedlicher Maßnahmen an.

Neben einer Fülle von Unterschieden, die sowohl die ›natürlichen‹, sozialen, politischen und ökonomischen Determinanten der Familienpolitik als auch die auf die Familie bezogene politische Zielkultur und vorhandene Struktur betreffen, gibt es eine Reihe von Gemeinsamkeiten der zu vergleichenden politischen Zielkulturen: Jede der politischen Führungen der der Untersuchung zugrunde gelegten politischen Systeme betrachtet die Familie unter politischen Sozialisationsgesichtspunkten, wobei Ausmaß und Stoßrichtung der staatlichen Eingriffe von den jeweiligen politischen Interessen und vorhandenen strukturellen Bedingungen abhängen. So wenig wie die sekundäre Sozialisation in den staatlichen Agenturen die autonome und je spezifische Persönlichkeitsentfaltung des Kindes im Auge hat, so wenig kann – auch wenn der Terminus in Ermangelung eines funktionalen Äquivalents im weiteren Text vielfach zur Anwendung kommt, von einer genuinen ›Familienpolitik‹ gesprochen werden, welche auf die Besonderheiten der Familie gerichtet und an deren selbsttätiger Entfaltung interessiert ist (Busch, 1972, S. 121). Familienpolitische Maßnahmen bzw. solche der Familienförderung, die rein aus den Bedürfnissen der Familie nach rechtlicher Regulierung und materieller wie immaterieller Zuwendung im Sinne von Vergünstigungen unterschiedlichster Natur abgeleitet sind, finden sich in keinem der drei Untersuchungsfälle. Familienpolitik bzw. -förderung dient jeweils übergeordneten politischen, ökonomischen und sozialen Interessen nach Systemstabilisierung, Loyalitätsbeschaffung, Reproduktion oder Vermittlung politischer Orientierungen und impliziert dabei – dies gilt bereits für die politische Zielkultur des Kaiserreichs – soziale Disziplinierung und Ausrichtung auf die Zwecke des Staates bzw. der politischen ›Gemeinschaft‹. In den politischen Zielkulturen aller drei untersuchten Fälle ergänzen stereotype Visionen von Idealfamilien, die jeweils männliche und weibliche Leitbilder beinhalten, die Konzeptionen der idealen politischen Persönlichkeiten, wodurch auch bestimmte Geschlechterrollen disponiert werden sollen.

Im Kaiserreich, dessen politischer Führung die theoretischen und praktischen Voraussetzungen einer systematischen Intervention in die familiäre Sozialisation fehlen, sind sowohl die politisch-kulturellen Ansichten über den Gegenstand als auch der rechtliche Zugriff des Staates auf die Familie offen für gesellschaftliche Einflüsse und Aushandlungsprozesse. Die folgenden Ausführungen sind daher zwangsläufig auf eine Analyse der sich in der Entwicklung befindlichen rechtlichen Situation beschränkt, insofern diese als Ausfluß der politischen Zielkultur begriffen werden kann. Der NS-Staat sowie die DDR legen jeweils sehr differenzierte familienpolitische Konzeptionen vor, die sie mittels eines immer stärker funktional ausdifferenzierten Gefüges aus Verordnungen, Gesetzen und Institutionen umzusetzen versuchen. Entsprechend der jeweiligen Couleur der politischen Ideologie ist die nationalsozialistische Familienprogrammatik auf Enkulturation, Zucht und Eugenik konzentriert, wogegen die staatssozialistische vor allem inhaltlich-kognitiv an der Schulung des ›sozialistischen Bewußtseins‹ orientiert ist.