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17 (S. 426-427)
EIN JAHR ZUVOR hatte der BOAC-Jet, in dem Suza Ashford das Dinner serviert hatte, ganz plötzlich ohne jede Erklärung über dem Atlantik an Höhe verloren. Der Pilot hatte die Sicherheitsgurtlämpchen angeknipst. Suza war von einem zum anderen gegangen, hatte erklärt: »Nur eine kleine Bö«, und Passagieren geholfen, ihre Sicherheitsgurte anzulegen. Und dabei hatte sie ständig gedacht: Wir werden sterben, wir alle werden sterben. Genauso fühlte sie sich auch jetzt. Tyrin hatte eine kurze Botschaft geschickt: Die Israelis greifen an, die Israelis greifen an – dann war er verstummt. In diesem Moment wurde Nathaniel beschossen.
Er konnte verwundet, in Gefangenschaft oder sogar schon tot sein. Aber während Suza vor Angst und nervöser Schwäche laut hätte schreien mögen, mußte sie dem Funker gegenüber das BOAC-Lächeln aufsetzen und sagen: »Das ist eine prächtige Ausrüstung, die Sie hier haben.« Der Funker der Karla war ein hochgewachsener grauhaariger Mann aus Odessa. Er hieß Alexander und sprach passabel englisch. »Hat 100 000 Dollar gekostet«, antwortete er stolz. »Sie verstehen etwas vom Funken?« »Ein bißchen ... Ich war früher Stewardeß.« Das »früher« war ihr unbewußt entschlüpft, und nun fragte sie sich, ob ihr altes Leben wirklich vorbei sei.
»Ich habe gesehen, wie die Piloten ihre Funkgeräte benutzten. Deshalb habe ich ein bißchen Ahnung.« »Eigentlich habe ich vier Geräte«, erklärte Alexander. »Eins reagiert auf den Leitstrahlsender der Stromberg, das zweite empfängt Tyrins Funksprüche von der Coparelli, das dritte belauscht die normale Wellenlänge der Coparelli, und dieses ist flexibel. Sehen Sie.« Er zeigte ihr eine Skala, deren Nadel sich langsam bewegte. »Es sucht einen Sender und bleibt stehen, wenn es einen gefunden hat«, sagte Alexander. »Das ist unglaublich. Haben Sie es erfunden?« »Ich bin leider kein Erfinder, sondern nur Funker.«
»Und Sie können mit jedem dieser Geräte Botschaften ausschicken, indem sie einfach auf SENDEN schalten?« »Ja, im Morsecode oder Sprechfunk. Aber bei dieser Operation wird der Sprechfunk natürlich von niemandem benutzt.« »Dauerte Ihre Ausbildung zum Funker lange?« »Nicht sehr lange. Es ist leicht, das Morsealphabet zu lernen. Aber als Schiffsfunker muß man wissen, wie das Gerät repariert wird.« Er senkte die Stimme. »Und als KGB-Funker muß man die Spionageschule besuchen.« Er lachte, und Suza lachte mit ihm. Doch insgeheim betete sie: Melde dich, Tyrin.
Dann erfüllte sich ihr Wunsch. Die Mitteilung begann, Alexander schrieb sie nieder und sagte gleichzeitig zu Suza: »Tyrin. Holen Sie Rostow, bitte.« Suza verließ die Brücke nur widerwillig; sie wollte den Inhalt der Botschaft erfahren. Sie eilte zur Messe, weil sie hoffte, Rostow dort vor einem starken schwarzen Kaffee zu finden, aber der Raum war leer. Nun stieg sie zum nächsten Deck hinunter und näherte sich seiner Kabine. Sie klopfte an die Tür. Seine Stimme sagte etwas auf russisch, was eine Aufforderung zum Eintreten sein konnte. Sie öffnete die Tür. Rostow stand nur mit einer Unterhose bekleidet da und wusch sich in einer Schüssel. »Tyrin meldet sich«, sagte Suza. Sie wandte sich ab. »Suza.« Sie drehte sich wieder um.
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