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#26 Lerne, Fehler richtig einzuordnen und zuzugeben (S. 107-108)
„Nur weil du einen Fehler machst, bedeutet das nicht, dass du ein Versager bist."
Georgette Mosbacher
Keiner von uns ist perfekt. Jeder von uns macht Fehler. Täglich. Fehler aufgrund von Unwissen und Fehleinschätzungen, Fehler mangels Erfahrung. Doch heutzutage möchte jeder perfekt sein und sich fehlerfrei präsentieren. Warum geben so wenige von uns einen Fehler zu? Fehler gehören zur persönlichen Entwicklung, sie sind ein unvermeidbarer Teil des Lebens.
Nur durch Fehler lernen wir und kommen im Leben voran. Die wichtigste Hilfe für den Umgang mit Fehlern: Mache Fehler, lerne daraus und begehe den gleichen Fehler nicht wieder. Es ist hilfreich, die Fehlerbehandlung in vier Schritte einzuteilen:
Fehler bemerken. Das Wichtigste ist, dass man bemerkt, einen Fehler gemacht zu haben. Wer das schafft, hat schon halb gewonnen.
Fehler zugeben. Dies ist ein zentraler Bestandteil, denn in unserer heutigen Gesellschaft zeigen wir gerne mit unserem Finger auf andere und versuchen, unsere Fehltaten anderen in die Schuhe zu schieben. Sei ehrlich und stehe zu deinen Fehlern!
Aus Fehlern lernen. Der wichtigste Teil des Prozesses. Was kann ich daraus lernen, wie vermeide ich diesen Fehler in Zukunft?
Fehler abhaken und vergessen. Vergiss deine Fehler, nimm sie abends nicht mit ins Bett, du wirst nicht gut schlafen.
Der zweite Schritt ist sicherlich der Schwerste. Die Fähigkeit, Fehler zuzugeben, zeugt jedoch von einer wichtigen charakterlichen Eigenschaft - persönlicher Größe. Nichts macht dich sympathischer, als dich vor deine Freunde, Spieler oder Mitarbeiter zu stellen und offen und ehrlich einen Fehler einzugestehen. Das bedeutet nicht, persönliche Schwäche zu zeigen. Es zeigt, dass du einen starken und stabilen Charakter verbunden mit einer vertrauenswürdigen Persönlichkeit hast.
Als Führungsperson Fehler zuzugeben, kann Wunder bewirken.
In meinem ersten Jahr als Trainer hatte meine Mannschaft bis weit in die Rückrunde hinein große Probleme. Wir hatten von den ersten elf Saisonspielen zehn verloren und standen auf dem letzten Tabellenplatz. Der Abstieg drohte und die Unsicherheit im Team wurde von Woche zu Woche größer.
Am elften Spieltag hatten wir Heimrecht gegen den Tabellenvorletzten. Ein Sieg war Pflicht, um nicht in noch größere Abstiegsgefahr zu geraten! Die Jungs kämpften in diesem Spiel so gut sie konnten. Zehn Sekunden vor Ende hatten wir eine Zwei-Punkte-Führung und Ballbesitz, als mir ein fataler Coaching-Fehler unterlief. Die gegnerische Mannschaft bestrafte dies sofort, hatte einen Ballgewinn und machte zwei einfache Punkte! Das Spiel ging in die Verlängerung, in der mein konsterniertes Team seinem Gegner nichts mehr entgegen zu setzen hatte.
Ich konnte zwei Nächte kaum schlafen, so hart ging ich mit mir selbst ins Gericht. Im ersten Training nach dieser so schmerzlichen Niederlage stellte ich mich im Besprechungsraum vor die Mannschaft und sagte: »Jungs, ihr habt toll gekämpft und alles gegeben. Ich bin stolz auf euch. Und wenn ihr noch einen Trainer hättet, der besser coachen könnte, hättet ihr auch den verdienten Lohn für eure Arbeit bekommen. Ich habe am Ende des Spiels einen großen Fehler gemacht. Ich nehme die Niederlage voll und ganz auf meine Kappe!«
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