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Staat und Politik Geschichte (S. 111-112)
Archäologische Grabungen zeigen, dass die Region des heutigen HongKong schon vor 8000 Jahren besiedelt wurde. Im Gegensatz zu der Region um GuangZhou (Kanton) spielten die überwiegend von Fischern bewohnten Siedlungen in der langen, ereignisreichen Geschichte Chinas nur eine untergeordnete Rolle. Die „Geburtsstunde" Hong- Kongs schlug erst, als die europäischen Handelsnationen feste Stützpunkte in Fernost errichteten. Mitte des 16. Jh. hatten nur die Portugiesen die Erlaubnis vom Kaiserhof erhalten, eine feste Basis auf chinesischem Gebiet zu errichten, namentlich Macau.
Von einigen für ihre wissenschaftlichen Kenntnisse berühmten Jesuitenpriestern abgesehen durfte kein Ausländer in China wohnen. Da sich der wechselseitige Handel aber auch für das Kaiserreich als lukrativ erwies, wurde 1685 die Stadt GuangZhou (Kanton) dem Freihandel geöffnet. Die British East India Company errichtete als erste Lagerhäuser und Faktoreien in Kanton und begründete so den schwunghaften Handel mit Tee und Seide.
Dennoch durften Ausländer nur während der Handelssaison in Kanton wohnen, ihre Familien mussten in Macau bleiben, auch durften die Ausländer kein Chinesisch lernen. Zu jener Zeit glaubte China fest daran, dass Einflüsse von außen nur schaden könnten. Dennoch wurden europäische und amerikanische Händler von den immensen Gewinnaussichten in Kanton zunehmend angelockt, um so mehr, als Anfang des 19. Jh. der Handel mit jenem Stoff aufkam, der China um 100 Jahre zurückwerfen und die Geburt HongKongs bedingen sollte – Opium.
Nach etwa 200 Jahren mehr oder weniger partnerschaftlicher Handelsbeziehungen wurde der mandschurische Kaiserhof Mitte des 19. Jh. von den europäischen Kolonialmächten, vor allem England, immer stärker bedrängt, der Errichtung von Freihäfen und Handelsstützpunkten auf chinesischem Territorium zuzustimmen. Während Holland vorwiegend mit Gewürzen handelte und daher die tropischen Regionen (Indonesien) bevorzugte, spezialisierten sich die Engländer auf den Verkauf indischer Textilien sowie Wolle, Zinn und Blei aus England nach China. Da dies nicht ausreichte, um den importierten Tee zu bezahlen, war die britische Handelsbilanz in China negativ. Silber floss ins Kaiserreich, und England brauchte eine Ersatzware, um die Bilanz auszugleichen.
So wurde Opium aus Bengalen (Hinterindien, heute Bangla-Desh) eingeführt, dieser lukrative Handel von privaten Handelshäusern, allen voran der British East India Company betrieben. Das Kaiserreich wurde durch den Opiumhandel gleich dreifach getroffen: einmal flossen erhebliche Silbermengen aus dem Land, zum zweiten führte die Opiumabhängigkeit vieler Chinesen – Schätzungen zufolge gab es 1835 bereits 2 Millionen Abhängige in China – zu erheblichen Arbeits- und Ernteausfällen, und schließlich führten die damit einhergehenden lockenden Gewinnaussichten in China selbst zu erheblicher Korruption in der Beamtenschaft. Gerade diese Korruption sollte ausschlaggebend dafür sein, dass China den Engländern im Opiumkrieg keinen Widerstand leistete: Viele hohe Beamte wollten die Engländer als „Geschäftspartner" nicht verlieren.
Vorerst wehrte sich das Kaiserreich jedoch. Chinas Mandarin von Kanton, LinZeXu, belagerte 1839 sechs Wochen lang die ausländischen Lagerhäuser und zwang die Europäer zur Herausgabe allen Opiums sowie zur Unterzeichnung einer Erklärung, dass in Zukunft nicht mehr mit Opium gehandelt werde. Der britische Außenminister Lord Palmerston nahm dies zum Anlass, ein Expeditionsheer nach China zu entsenden und so den Ersten Opiumkrieg (1840-42) zu beginnen. Englands Forderung war es, entweder einen umfassenden Freihandelsvertrag oder eine Insel als Kolonie zu erhalten. LinZeXu trat die Insel HongKong an England ab, die Captain Charles Elliot am 26. Januar 1841 offiziell für Ihre Majestät in Besitz nahm.
Doch die jeweiligen Machthaber waren unzufrieden: sowohl Lin als auch Elliot wurden abgelöst – der eine hatte China Schande bereitet, der andere England einen „wertlosen Steinhaufen im chinesischen Meer" (Palmerston) eingehandelt. Elliots Nachfolger, Sir Henry Pottinger, erhielt den Auftrag, einen guten Handelsvertrag anstelle des „nutzlosen" HongKong herauszuholen. Pottinger war 1842 vor Ort von den Fortschritten der neuen Siedlung so beeindruckt, dass er seine Anweisungen umging, bis NanJing (Nan- King) vorstieß und so den ersten Opiumkrieg mit dem Frieden von NanJing beendete. England erhielt sowohl „Steinhaufen" als auch Handelsrechte (Öffnung von fünf Freihäfen für ausländische Händler). Von „Krieg" im engeren Sinne kann dabei allerdings kaum die Rede sein. Das aus 80 Schiffen bestehende Expeditionsheer besetzte vier Städte an der Südküste, fuhr den ChangJiang (YangTse- Kiang) hinauf und hätte durchaus geschlagen werden können. Hohe Beamte aber bewegten Kaiser DaoGuang aus den genannten Gründen zum Nachgeben, so dass es lediglich zu ein paar Scharmützeln kam. Dispute über die ausgehandelten Verträge gipfelten im Zweiten Opiumkrieg, 1856-58, der mit einem erneuten Erfolg Englands im Frieden von TianJin (TienTsin) endete. England erhielt nun die Halbinsel KowLoon auf dem Festland (bis zur heutigen Boundary Street im Norden MongKoks) hinzu.
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