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Die Umwelt (S. 93-94)
Thais sind sehr auf körperliche Sauberkeit bedacht. Jeder ordentliche Thai duscht sich mindestens einmal am Tage gründlich vor dem Schlafengehen, die Mädchen waschen ihre schönen langen Haare häufig und jeden Tag muss ein sauber gewaschenes Hemd oder Kleid angezogen werden, egal ob das alte schon schmutzig war oder nicht. Ich habe z.B. erlebt, dass eine Lehrerin Kinder aus der Schule nach Hause geschickt hat, wenn sie nicht mit täglich sauber gewaschener Schuluniform ankamen. Wenig Verständnis haben die Thais deshalb für die Farang- Rucksacktouristen, die mit schmutzigen Sachen durch die Gegend reisen, und manchmal, da sie eben viel mehr schwitzen wie die Thais, wie die Iltisse stinken, wenn man neben ihnen im Bus sitzt.
So sehr die Thais auf alles achten, was mit körperlicher Sauberkeit zu tun hat, sowenig sind sie darauf bedacht, auch ihre Umgebung sauber zu halten oder so etwas wie Umweltbewusstsein zu entwickeln. So fliegt z.B. alles Verpackungsmaterial kurzerhand aus dem Fenster und dabei summiert sich eine ganze Menge Abfall, da in Thai-Geschäften jedes Bonbon zweimal eingewickelt wird, bevor es in eine Plastiktüte kommt. Auch leere Konservendosen, alte Batterie, gebrauchte Reifen u.s.w. werden einfach in die Prärie geworfen, wenn sie ausgedient haben.
Die Hütten in den ärmeren Vierteln und Slums sind wegen der vielen für Bangkok typischen Überschwemmungen auf Stelzen gebaut. Darunter sieht es oft aus, wie auf einer Müllkippe. Wenn dann in der Regenzeit die Überflutung kommt und das Wasser manchmal wochenlang einen halben Meter hoch unter den Hütten steht, kann man sich vorstellen, welche Duftwolken und Mücken- schwärme bei Tagestemperaturen um 40 Grad Celsius dieser Brühe entsteigen. Bangkok wurde wegen seiner vielen Wasserwege früher auch das Venedig des Ostens genannt. In den wenigen offenen Kanälen schwappt jedoch heute nur noch eine schwarze, stinkende Brühe und man wundert sich, dass sie überhaupt noch fließen kann.
Verschlimmert wird die Umweltsituation noch dadurch, dass Thailand im letzten Jahrzehnt eine rasante wirtschaftliche Entwicklung durchgemacht hat, mit jährlichen Zuwachsraten um 10 %. Davon ist zwar der größte Teil in Bangkok und ein paar Touristenzentren hängen geblieben, trotzdem zeigen sich die negativen Aspekte eines so schnellen Wachstums, auf das weder die Bevölkerung noch die ganze Infrastruktur eingerichtet ist, überall im Lande. Auch in Thailand mehren sich aber die Stimmen, die vor einem zu schnellen Fortschritt warnen und auf die negativen Aspekte, sowohl für die Umwelt als auch für die Kultur des Volkes hinweisen. Das Problem ist vor allem die „Laissez-faire-Mentalität" der Thais und die offene Hand aller für Umweltschutzmaßnahmen zuständigen Behörden.
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