dummies
 
 

Suchen und Finden

Titel

Autor/Verlag

Inhaltsverzeichnis

Nur ebooks mit Firmenlizenz anzeigen:

 

Colours of Love - Verführt - Roman

von: Kathryn Taylor

Bastei Lübbe AG, 2014

ISBN: 9783838746852 , 288 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 8,99 EUR

Exemplaranzahl:


Mehr zum Inhalt

Colours of Love - Verführt - Roman


 

1


»Sophie?«

Matteos Stimme reißt mich aus dem leichten Schlaf, in den mich das monotone Geräusch des Automotors gelullt hat, lässt mich erschrocken hochfahren. Ich brauche einen Moment, bis ich mich orientiert habe, und stelle verwundert fest, dass wir uns schon mitten im dichten Stadtverkehr befinden. Als ich die Augen schloss, fuhren wir noch auf der M20 von Dover in Richtung London – ich muss also ziemlich lange weg gewesen sein, was mich irritiert. Auf Reisen kann ich so etwas sonst sehr selten, und ich hätte geschworen, dass ich auf dieser ganz sicher zu nervös dafür bin. Aber offensichtlich fordert die lange Strecke, die hinter uns liegt, jetzt doch ihren Tribut.

»Entschuldige, ich …«, meine Stimme ist belegt, deshalb muss ich mich erst räuspern, bevor ich weiterreden kann. »Ich wollte nicht schlafen.« Hastig richte ich mich auf, weil ich ganz schön tief in den Sitz gerutscht war, und schiebe eine Hand in meine langen schwarzen Haare, um sie wenigstens halbwegs zu richten, zupfe auch mein Kleid wieder zurecht. Aber ich fühle mich trotzdem zerknittert und ein bisschen aus der Fassung. Hoffentlich habe ich wenigstens nicht geschnarcht, denke ich ein bisschen entsetzt. »Warum hast du mich denn nicht geweckt?«

Matteo lächelt amüsiert, und mein Herz zieht sich sehnsuchtsvoll zusammen. Was es nicht soll. Doch ich kann einfach nichts dagegen tun.

»Das tue ich doch gerade«, sagt er, und ich verfluche mein verschlafenes Gehirn dafür, dass es mich nicht etwas Intelligenteres hat fragen lassen. »Laut Navi ist es jetzt nicht mehr weit bis zu euerm Auktionshaus. Und du wolltest deinem Vater Bescheid sagen, wenn wir da sind.«

»Oh.« Erst jetzt achte ich wirklich darauf, wo genau wir uns eigentlich befinden, und stelle erstaunt fest, dass wir tatsächlich schon auf der südlichen Umgehung fahren. Von hier aus sind es bis Kensington höchstens noch zwanzig Minuten. Also ist es vermutlich wirklich eine gute Idee, Dad vorzuwarnen, er wird nämlich sehr überrascht sein. So früh rechnet er sicher noch nicht mit uns.

Es sind immerhin über tausendzweihundert Meilen von Rom bis nach London, und ich hätte auch nicht erwartet, dass wir diesen sehr langen Weg mit dem Auto in gerade mal anderthalb Tagen hinter uns bringen würden. Aber Matteos Fahrstil ist immer sehr schnell und dazu noch erstaunlich effizient, deshalb haben wir es am Montagabend, nachdem er mich am Flughafen in Rom aufgehalten und mir mitgeteilt hat, dass er mich doch nach London begleitet, immerhin noch bis nach Florenz geschafft. Nach einer kurzen Übernachtung im Hotel ging es dann gestern früh weiter durch die Schweiz und Frankreich bis nach Lille. Heute Morgen sind wir zeitig weiter und waren schnell an der Fähre in Calais, sodass wir jetzt, um kurz nach eins, tatsächlich London schon erreicht haben.

Was gut ist. Schließlich haben wir durch die Tatsache, dass wir nicht fliegen konnten, schon ziemlich viel Zeit verloren. Und jede Minute ist kostbar.

Hastig tippe ich die Nummer des Auktionshauses in mein Handy. Dad nimmt fast sofort ab, hat offensichtlich auf meinen Anruf gewartet.

»Sophie! Gut, dass du dich meldest. Wo seid ihr denn jetzt?« Seine Stimme klingt oberflächlich ruhig, aber ich kenne sie gut und höre das leichte Zittern darin. Ich weiß, dass er sich große Sorgen macht, deshalb bin ich froh, ihn zumindest in einer Hinsicht beruhigen zu können.

»Wir sind gleich an der Battersea Bridge. Es dauert höchstens noch zwanzig Minuten.«

»Was, schon? Oh, sehr gut.« Erleichtert seufzt er auf. Dann ertönt ein Rascheln, und er redet gedämpft mit jemandem, offenbar mit der Hand über der Muschel.

»Dad?«

»Entschuldige«, sagt er plötzlich wieder laut und deutlich. »Nigel ist hier, wir waren zusammen beim Lunch. Er bleibt noch, bis ihr da seid. Er möchte unseren Ehrengast auch gern kennenlernen.«

Nigel, denke ich und habe plötzlich einen Kloß im Hals. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich ihm so bald schon wieder begegnen würde. Aber ich hätte mir denken können, dass er wie mein Vater auf meine Rückkehr wartet.

»Okay. Dann … bis gleich.« Ich beende den Anruf und lasse das Handy zurück in meine Tasche gleiten.

Jetzt wird es ernst, denke ich ein bisschen beklommen, während Matteo bereits schwungvoll in den nächsten Kreisverkehr biegt.

So richtig kann ich immer noch nicht begreifen, dass er wirklich mit mir hier ist, und spüre, wie mich plötzlich Nervosität erfasst. Weil ich keine Ahnung habe, was in den nächsten Tagen passieren wird. Ich weiß nur, dass von Matteo alles abhängt. Er kann uns retten oder ruinieren. Und wenn ich nicht aufpasse, dann wird er mir auch noch endgültig das Herz brechen, denke ich und betrachte ihn aus den Augenwinkeln.

Es gibt bestimmt Frauen, die Matteo Bertani nicht attraktiv finden – aber viele können das nicht sein, und ich gehöre auch definitiv nicht dazu. Mir gefällt einfach alles an ihm – seine für einen Italiener ungewöhnlich hellen, dunkelblonden Haare. Sein unwiderstehlich charmantes Lächeln, hinter dem er oft verbirgt, was er wirklich denkt und fühlt. Seine durchtrainierte Figur mit den breiten Schultern, die er durch seinen mühelos eleganten Kleidungsstil – ich kenne niemanden, der in einem Anzug so entspannt und lässig aussieht wie er – noch betont. Selbst sein einziger Makel, die breite gezackte Narbe, die am Hals beginnt und sich, wie ich jetzt weiß, bis weit über seine Brust zieht, macht ihn eigentlich nur interessanter. Und in dem ungewöhnlichen Goldton seiner bernsteinfarbenen Augen kann man sich wahnsinnig leicht verlieren. Was mir auch sofort wieder passiert, als Matteo merkt, dass ich ihn beobachte, und mich anlächelt.

»Und, was hat dein Vater gesagt?«

»Er freut sich schon darauf, dich kennenzulernen«, sage ich und bin froh, dass er wieder nach vorn auf die Straße schauen muss. Dann fällt mir jedoch siedend heiß ein, dass ich ihn noch gar nicht gefragt habe, ob ihm dieser Besuch nach der langen Fahrt überhaupt recht ist. »Aber wenn du zu müde bist und dich lieber ausruhen willst, bevor wir zu Lord Ashbury fahren, dann müssen wir auch nicht am Auktionshaus vorbei.«

Matteos Lächeln vertieft sich. »Auf die paar Minuten mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an. Oder sehe ich aus, als ob ich gleich zusammenbreche?«

Nein, wahrlich nicht, denke ich und erwidere sein Lächeln, froh darüber, dass ich Dad nicht enttäuschen muss.

»Okay, dann …« Meine Augen weiten sich entsetzt. »Pass auf!«

Ein weißer Vauxhall hat die Vorfahrt missachtet und zieht direkt vor uns aus einer Seitenstraße auf die Fahrbahn. Es passiert so plötzlich, dass mir nicht mal Zeit bleibt zu schreien, und ich bin ganz sicher, dass uns nur noch Sekunden von einem Zusammenstoß mit dem anderen Wagen trennen.

Doch ich unterschätze Matteos Fahrkünste. Er reagiert blitzschnell, reißt sein Alfa-Sportcabrio so heftig nach rechts, dass ich mit der Schulter gegen die Tür gedrückt werde. Die Reifen kreischen protestierend und haben bei dem scharfen Bogen, den wir fahren, wahrscheinlich kaum noch Kontakt zum Boden. Es ist knapp, richtig knapp, aber irgendwie schafft Matteo es, unbeschadet an dem Vauxhall vorbeizukommen. Als er genauso scharf wieder nach links lenkt, um nicht in den Gegenverkehr zu geraten, werde ich in die andere Richtung geschleudert, und diesmal ist es seine Schulter, die meinen Fall abfängt. Für einen Moment schlingert der Wagen bedrohlich, weil so viele Fliehkräfte auf ihn wirken, dann hat Matteo ihn unter Kontrolle und fährt wieder auf der Spur.

»Cretino!«, flucht er und wirft einen wütenden Blick in den Rückspiegel, als hinter uns ein lautes Hupen ertönt – offenbar findet der andere Fahrer, dass wir den Fehler gemacht haben und nicht er.

Ich bin noch so geschockt, dass ich gar nichts sagen kann, registriere nur dankbar, dass Matteo den Wagen bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit am Straßenrand anhält, weil ich wirklich das Bedürfnis habe, kurz durchzuatmen.

Er hat sich auch erschrocken, das sehe ich an seiner linken Hand, mit der er das Steuer immer noch so fest umklammert hält, dass die Knöchel weiß unter der Haut hervortreten. Aber er hat sich viel besser im Griff als ich, meine Hände zittern nämlich, als ich mir eine Haarsträhne hinter das Ohr streiche. Was Matteos aufmerksamen Blick nicht entgeht.

»Alles in Ordnung?«, fragt er besorgt und legt die Hand an meine Wange. Es ist ganz sicher nur eine spontane Geste, etwas, über das er nicht nachdenkt. Doch als seine Finger meine Haut berühren, kann ich für einen Moment nicht atmen.

Nein, denke ich. Nichts ist in Ordnung. Gar nichts.

Weil sofort alles wieder da ist. Ich fühle nicht nur seine Hand an meiner Wange, sondern auch seine Lippen auf meinen, spüre seinen heißen, harten Körper, der sich gegen meinen presst, und schmecke ihn, atme ihn, schmelze innerlich dahin bei der Erinnerung an die Zeit in seinen Armen und will ihn sofort wieder mit einer Heftigkeit, die mich richtig schockiert.

Wahrscheinlich wird sich das nie ändern, denke ich bestürzt. Aber wir sind nicht mehr in Rom, und die Zeit, die ich mit ihm verbringen konnte, ist vorbei. Er hat es selbst gesagt. Die wenigen Wochen, die wir zusammen hatten, waren alles, was ich von ihm bekommen kann. Zu mehr ist er nicht bereit – und mehr kann ich ihm auch nicht entgegenkommen.

Ich hatte auf der Fahrt lange Zeit, über alles nachzudenken, und egal, wie ich es drehe und wende und wie weh mir das tut: Matteo passt nicht in mein Leben – und ich nicht in seins. Die Entfernung zwischen uns ist einfach zu groß, und zwar nicht nur räumlich. Es geht nicht, und deshalb muss ich...