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KAPITEL 6 Textdateien editieren mit JOE und Vim (S. 76-77)
6.1 Einführung
Die Beherrschung eines Texteditors stellt für jeden eine wichtige Fähigkeit dar, der ein geübter und zufriedener Linux-User werden möchte. Sich für einen bestimmten Texteditor zu entscheiden kann zu einem größeren Unterfangen werden, da die Linux-Welt geradezu von ASCII-Texteditoren überschwemmt ist. Es gibt zwei Gründe für die unablässige Entstehung neuer Texteditoren: Einen Texteditor zu schreiben ist ein angemessenes und beliebtes Projekt für Programmier-Neulinge; und die Wahl des richtigen Texteditors ist oftmals auch einfach eine Geschmacksfrage. Oftmals schreiben oder modifizieren Linux- Gurus auch extra einen Editor, so dass er ihren persönlichen Launen ... äh, Anforderungen gerecht wird.
Linux-User beteiligen sich liebend gerne an Flamewars über den besten Texteditor (besonders beliebt ist der Klassiker: »Emacs gegen Vim«). Diese Flamewars sind zwar lustig, letzten Endes aber absolut sinnlos. Das Ziel sollte es sein, den Editor zu finden, der am besten zu Ihren Anforderungen und zu Ihrem Temperament passt. Das Schöne an Linux und Free/Open Source-Software im Allgemeinen sind die vielen Wahlmöglichkeiten, die dem Benutzer offen stehen. Da ist für jeden etwas dabei, unterhaltsame Flamewars eingeschlossen.
In diesem Kapitel werden wir uns mit der Benutzung von JOE (Joe’s Own Editor) und Vim befassen. Bei Vim handelt es sich um einen Abkömmling von vi. Warum beschäftigen wir uns aber nicht mit Emacs? Emacs ist ein wunderbares Programm; Emacs ist groß, komplex und lässt sich grenzenlos anpassen und erweitern. Aber Emacs ist weit mehr als einfach nur ein Texteditor; er ist eher eine umfassende, integrierte Arbeitsumgebung. Mit Emacs kann man E-Mails und Usenet-Nachrichten lesen, Programme schreiben, Computerspiele spielen, sich sinnloserweise endlos lange mit eigenen Makros und selbst zugeordneten Tastenkombinationen beschäftigen, eine Fensterumgebung zusammenschustern, falls X Windows nicht verfügbar ist, und man kann sogar seinen Psychiater konsultieren (M-x doctor). Emacs wird beinahe alles tun, was Sie wollen, sofern Sie die entsprechenden Befehle dazu herausfinden. Für jemanden, der einfach nur Textdateien editieren möchte, ist das alles ein wenig viel. Emacs ist etwa 22 Megabyte groß, während JOE und Vim jeweils problemlos auf eine Diskette passen und dabei sogar noch Speicherplatz frei lassen.
JOE und Vim sind beide für Routineaufgaben wie das Editieren von Konfigurationsdateien gut gerüstet. Natürlich kann man mit ihnen auch jede andere Art von Textdateien, wie z.B. Artikel, Webseiten, Programmcode und was sonst noch denkbar ist, bearbeiten.
Dies bringt mich zu einer Sache, die für manche immer ein wenig unerfreulich ist: Es ist durchaus von Bedeutung, wie gut und schnell Sie tippen können. Je besser Sie tippen können, desto produktiver werden Sie sein. Am besten ist es natürlich, Sie beherrschen das Zehn-Finger-System. Wenn es um Schnelligkeit und angenehmes Arbeiten geht, dann gibt es einfach nichts Besseres, als niemals die Hände von der Tastatur nehmen und nie den Blick vom Bildschirm weg richten zu müssen.
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