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KAPITEL 2
Kommandozeilen bearbeiten (S. 30)
Wenn Sie am Computer etwas mit Hilfe der Tastatur eingeben, können Sie dabei immer einen Fehler machen, vielleicht sogar mehr, wenn Sie eine UNIX-Shell verwenden. Die Syntax einer UNIX-Shell ist sehr leistungsfähig, aber sehr kompakt, voll mit sonderbaren Zeichen und nicht besonders leicht zu merken. All trägt dazu bei, Kommandozeilen zu schreiben, die mindestens so kryptisch wie komplex sind. Die Bourne- und C-Shells verschlimmern diese Situation noch dadurch, dass sie Ihnen nur sehr eng begrenzte Möglichkeiten zur Bearbeitung von Kommandozeilen geben.
Vor allem gibt es keine Möglichkeit, vorherige Kommandozeilen aufzurufen, um einen Fehler darin zu korrigieren. Sollten Sie viel Erfahrung mit der Bourne-Shell haben, kennen Sie sicher den Frust beim wiederholten Eingeben langer Kommandozeilen. Zwar können Sie mit der Rückschritttaste etwas korrigieren, aber haben Sie die Eingabetaste einmal gedrückt, ist Ihre Eingabe für immer weg! Die C-Shell bot hier mit dem Mechanismus eines Befehlsspeichers (der so genannten History) eine kleine Verbesserung, wenn auch nur mit wenigen, sehr plumpen Methoden, vorherige Befehle zu bearbeiten. Und so haben sich viele leidgeprüfte Anwender gefragt: »Warum nur kann ich meine UNIX-Kommandozeilen nicht genau so bearbeiten wie normalen Text mit meinem Textverarbeitungsprogramm?«
Genau das können Sie mit bash tun, denn sie verfügt über Bearbeitungsmodi, in denen Sie Kommandozeilen mit ähnlichen Befehlen bearbeiten können, wie sie auch in den zwei beliebtesten UNIX-Editoren, vi und emacs, enthalten sind. Außerdem bietet sie ein wesentlich erweitertes Analogon zum Befehlsspeicher der C-Shell namens fc (für »fix command«). Damit können Sie unter anderem direkt Ihren Lieblingseditor zum Bearbeiten Ihrer Kommandozeilen verwenden. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass bash auch über den ursprünglichen Befehlsspeicher der C-Shell verfügt. In diesem Kapitel werden jene Merkmale vorgestellt, über die alle Kommandozeilen-Hilfsmittel von bash verfügen. Danach wird jedes Hilfsmittel einzeln detailliert vorgestellt. Wenn Sie entweder vi oder emacs benutzen, werden Sie evtl. den Abschnitt über den Emuch lationsmodus zu dem Editor lesen wollen, den Sie benutzen.
Sollten Sie weder vi noch emacs benutzen, aber trotzdem Interesse haben, einen der beiden Bearbeitungsmodi zu erlernen, empfehlen wir den emacs-Modus, weil dieser eine natürlichere Fortsetzung der minimalen Bearbeitungsmöglichkeiten darstellt, die Sie in der bloßen Shell haben. Wir sollten gleich vorweg erwähnen, dass sowohl der emacs- als auch der vi-Modus das Risiko für Konflikte bei Steuerungstasten erhöhen, die von der UNIX-Terminalschnittstelle eingestellt werden. Blättern Sie zurück zu den Steuerungstasten in Tabelle 1-7 von Kapitel 1 und zu der Beispielausgabe des stty-Befehls. Die Funktionen der Steuerungstasten, die Sie dort sehen können, werden von den Bearbeitungsmodi überschrieben. Im restlichen Kapitel werden wir Sie jeweils warnen, wenn ein Bearbeitungsbefehl mit der Voreinstellung einer Steuerungstaste der Terminalschnittstelle kollidiert.
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