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1.3 Nutzen von Corporate Governance (S. 38-39)
Was soll das Ganze? Wird hier nicht alter Wein in neuen Schläuchen verkauft? So polemisch diese Fragen auf den ersten Blick erscheinen, so wenig kann man ihre Berechtigung von vornherein abstreiten. Sollte es nicht möglich sein, den darin enthaltenen Einwänden zu begegnen, ist natürlich ein Legitimationsproblem aufgeworfen. Deshalb soll im folgenden kurzen Abschnitt der Frage nachgegangen werden, welche Erwartungen die Befürworter von Corporate-Governance- Systemen an ihre Etablierung knüpfen, und es soll untersucht werden, ob sich schon heute empirische Belege für eine Erfüllung dieser Erwartungen finden lassen.
Vermuteter Nutzen/Funktion eines Kodex
Corporate-Governance-Regeln sind gerade im Aktienrecht schon an vielen Stellen etabliert. Gleichwohl zeigen insbesondere die bei der Baums-Kommission eingegangenen Stellungnahmen von Experten und Verbänden, dass nahezu ausnahmslos die Notwendigkeit eines Corporate Governance Kodex neben dem Gesetz gesehen wurde. Dem Kodex werden eine Kommunikations- und eine Ordnungsfunktion zugesprochen. Erstere bedeutet, dass der Kodex das deutsche Verständnis guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung kompakt darstellen und verständlich machen soll61, wobei hier sicherlich der Kapitalmarktbezug des Kodex im Vordergrund steht. Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, wenn man die Kommunikationsfunktion allein in Bezug auf den Kapitalmarkt verstünde. Man kann sie auf alle Interessen- und Anspruchsgruppen eines Unternehmens beziehen.
Mit Ordnungsfunktion ist gemeint, dass der Kodex überhaupt erst Standards guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung zusätzlich zum geltenden Recht setzt. Diese Funktion des Kodex verdeutlicht seinen Geltungsanspruch über den unmittelbaren Anwendungsbereich der börsennotierten Aktiengesellschaften hinaus. Der volks- und betriebswirtschaftliche Nutzen guter Corporate Governance wird in der Literatur allgemein betont.
Ein wesentlicher Gesichtspunkt besteht unseres Erachtens auch darin, dass viele Manager/Aufsichtsräte – gerade in der Sozialwirtschaft – sich erstmals mit dem Thema beschäftigen. Damit sei nicht behauptet, dass es bei Nonprofit-Unternehmen bislang keine gute und verantwortungsvolle Unternehmensführung gegeben habe – der offensichtliche Erfolg vieler NPO zeigt natürlich das Gegenteil. Gemeint ist vielmehr eine weitere Funktion, die dem Kodex bzw. den Bemühungen um seine Umsetzung zukommen dürfte: Sie lässt sich als „Vergewisserungs-" oder auch als „Verdeutlichungsfunktion" bezeichnen. Dahinter verbirgt sich das bekannte Phänomen, dass häufig gerade solche Abläufe – auch in der Führung von Unternehmen – nachlässig gehandhabt werden, von denen man annimmt, dass man sie beherrsche. Die Beschäftigung mit dem Kodex kann dazu führen, dass scheinbar Selbstverständliches hinterfragt und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit der Führung und Überwachung von Unternehmen von neuem bedacht werden.
Es mag sich ein jeder selbstkritisch fragen, ob im eigenen Unternehmen die im Kodex angesprochenen Themen abgearbeitet sind. Die Prognose, dass dies vielfach nicht der Fall sein wird, sei an dieser Stelle gewagt.
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