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Kapitel 14 Saufen für den Regenwald: Unternehmer als gute Mitbürger (S. 184-185)
Unternehmen tun manchmal seltsame Dinge. Da gibt ein Hersteller von Generika, also patentfreien Medikamenten, viel Geld für die medizinische Beratung und Betreuung von Menschen aus, die an Krebs erkrankt sind. Sie werden von Experten, die das Unternehmen bezahlt, kostenlos informiert und betreut. Niemand verpflichtet den Pharmaproduzenten dazu. Doch sein freiwilliges Engagement hat sich so weit herumgesprochen, dass die Firma, die anfangs einer Vielzahl anderer Hersteller von »Nachahmer«-Pharmaprodukten ähnelte, für die Kunden positiv unterscheidbar wird. 1997 stand das Unternehmen kurz vor dem Aus, inzwischen gehört es zu den größten deutschen Generika-Herstellern.
Ein Schokoladefabrikant fördert seit 15 Jahren mit mehreren Millionen Euro eine Genossenschaft in Nicaragua, die Öko-Kakao anbaut. 400 Menschen leben und arbeiten mittlerweile in der Kooperative. Der Süßwarenhersteller bezahlt die Ware mit einem Aufschlag gegenüber dem Weltmarktpreis, wie es der faire Handel will. Keine gesetzliche Norm zwingt ihn dazu.
Die beiden Beispiele aus Deutschland sind längst keine Einzelfälle mehr. Ohne große Beachtung durch die Öffentlichkeit verändern sich Verhalten und Wertmaßstäbe vieler Unternehmen. Das Motto »The business of business is business« gilt so nicht mehr. Shareholder Value ist nicht das Maß aller Dinge. Im Jahr 2005 hat die Bertelsmann- Stiftung in einer repräsentativen Untersuchung deutsche Manager gefragt, wem gegenüber sie sich besonders verantwortlich fühlen. 97 Prozent nannten die Kunden an erster Stelle, 96 Prozent die eigenen Mitarbeiter. Erst an dritter Stelle folgte mit 88 Prozent die Verantwortung gegenüber den Eigentümern oder Shareholdern. Sehr hohe Zustimmung äußern die Entscheider zu der Ansicht, dass auch soziale und ökologische Belange in der Unternehmensführung berücksichtigt werden müssen. Vor allem die Manager großer Unternehmen denken so: 93 Prozent von ihnen sagen, dass ein Engagement für die Gesellschaft integraler Bestandteil der Geschäftstätigkeit sein müsse.
Die Unternehmen in Deutschland folgen einem Trend, der in den USA begonnen hat und sich mittlerweile auch in Europa durchsetzt. Vor allem große Aktiengesellschaften nehmen gesellschaftliche Verantwortung wahr: Corporate Social Responsibility (CSR). Eine eindeutige Definition dafür gibt es nicht. Die EU-Kommission beschreibt CSR als ein »Konzept, bei dem Unternehmen soziale und umweltbezogene Anliegen freiwillig in ihre Geschäftstätigkeit und in ihre Beziehungen zu Interessengruppen (Stakeholder) integrieren. Sie sind sich zunehmend der Tatsache bewusst, dass verantwortliches Verhalten zu nachhaltigem Unternehmenserfolg führt.« Die knappe Umschreibung der EU-Institution trifft den Kern der Sache. Unternehmen, die sich mit CSR auseinander setzen und das Konzept in ihr Geschäftsgebaren integrieren, sind nicht plötzlich und uneigennützig vom »Gutmenschentum« befallen. Sie haben vielmehr verstanden, dass die Anforderungen der Märkte sich verändert haben und sie dieser Veränderung Rechnung tragen müssen.
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