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Das Buch des Schwarzen Prinzen 2 - Die Melodie der Masken

Das Buch des Schwarzen Prinzen 2 - Die Melodie der Masken

von: Ralf Lehmann

PeP eBooks, 2006

ISBN: 9783894809904, 190 Seiten

Format: ePUB, PDF

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Bookeen Cybook Orizon,Ectaco Lite,Odys Media Book Scala,Aluratek Libre,eLyricon EBX-500.TFT,PocketBook 302,IREX Digital Reader,FlatReader,BeBook 'One',iRiver Story,Sony Reader PRS-3xx,Bookeen CyBook Opus,Hanvon/Hexaglot N518,PocketBook 301+,COOL-ER eReader,Inves-Book 600,eLyricon EBX-600.E-Ink, Bookeen CyBook Gen3 ab Rev: 1.9,Italica Reader,Sony Reader PRS-505, -6xx, -7xx,Pocketbook 360,Hanvon N516 Weltbild Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 5,99 EUR

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Das Buch des Schwarzen Prinzen 2 - Die Melodie der Masken


 

Die Errichtung Von SklaVa Mhor


Berngar zuckte zusammen, als er den Gifalken sah. »Der ist meinetwegen hier«, flüsterte er furchtsam.
»Ich habe zu viel geredet.« »Abwarten«, versuchte Bolgan ihn zu beruhigen.
Doch auch ihm wurde mulmig.


Ein überwältigender Anblick bot sich den drei Gefährten. Alsfar pfiff durch die Zähne. »Junge, Junge.«
Vor ihnen erstreckte sich eine Ebene über mindestens zwanzig Meilen, und trockenes Gras wogte im Wind. Bolgan fühlte sich an die Gegend von Khor erinnert, die er mit dem Alten Niemand durchquert hatte. Am fernen Horizont erhoben sich die Roten Berge, die das Verbotene Land umgaben wie eine unbezwingbare Mauer. Der einzige Zugang zu der Wüste, die sich wie eine Spinne hinter den verwitterten Bergen verbarg, war - Sklava Mhor.
Das furchterregende Bauwerk war bereits zu einem Viertel fertig gestellt - ein Pylon wie die Pforte von Khor, aber noch viel größer. Trotz der heißen Mittagssonne wirkte die Sklava düster und bedrohlich, ein dunkler Fleck in der hellen Südlandschaft. An diesen gottverlassenen Ort hatte man die gefangenen Araukarier also geschafft.
»Das ist das Werk eines Wahnsinnigen«, murmelte Nauru entsetzt.
»Der Schwarze Prinz dürfte das anders sehen«, erwiderte Alsfar. »Ein Menschenleben ist ihm nicht wichtig. Und Tausende auch nicht.«
»Weil er ein Ziel hat, das wir nicht verstehen«, erklärte Bolgan und betrachtete dann lange die gigantischen Fundamente. Ihn fror trotz der Hitze.
»Die Sklava wächst rasch«, hörte er Ogrok sagen. »Wie es scheint, presst unser Herr das Letzte aus den Gefangenen.«
Ormon nickte bedächtig. »Wenn alles glatt geht«, schnarrte er, »ist sie in vier Monaten fertig.«
»Vier Monate?«, staunte Ogrok. »Das ist unmöglich.«
»Alles ist möglich, wenn der Schwarze Prinz es verlangt«, erwiderte Ormon und trieb sein Pferd an.
Die unglücklichen Gefangenen hatten große Anstrengungen unternommen, das Land urbar zu machen. Schöpfwerke holten Wasser aus tiefen Brunnen, um es in Kanäle zu gießen, die es über die neu angelegten Äcker verteilten. Das erste Grün flaumte da und dort - ein Hoffnungsschimmer in der Einöde, den selbst die bedrückende Gegenwart von Sklava Mhor nicht ganz auslöschen konnte.
»Der Schwarze Prinz will die Menschen also dauerhaft hier ansiedeln«, sagte Nauru. »Als Sklaven.«
»Aber das alles kann nicht erst nach der Zerstörung Araukarias geschehen sein«, wandte Bolgan ein.
Ormon, der vorausritt, drehte sich um. »Zwei Jahre«, schnarrte er. »Zwei Jahre wurde dieses Werk vorbereitet. Seit Ankunft der Araukarier arbeiten sechzigtausend Männer an der Pforte und hundertzwanzigtausend in Sklava Firr, der Hauptstadt einer neuen Welt. Aber was rede ich! Die Größe dieses Unternehmens geht sowieso über euren Verstand.«
Bolgan hatte eine böse Antwort auf der Zunge, sagte aber nichts. Aurians Behandlung wirkte immer noch nach.
>Er muss hellsehen können<, dachte er. >Oder er hat Ohren wie ein Luchs. Aber wir haben doch ganz leise gesprochene
Als die Sonne sank, konnte Bolgan Einzelheiten der gigantischen Baustelle erkennen. Nach Osten erstreckten sich die Fundamente einer gigantischen Stadt. Das musste Sklava Firr sein.
Hunderte aus dem Boden gestampfte Dörfer zogen sich am Gebirge entlang, und in regelmäßigen Abständen thronten hölzerne Wachtürme wie Krähennester über der Ebene.
»Willkommen daheim«, knurrte Alsfar, während sie sich einem der trostlosen Weiler näherten.
»Schaut mal«, sagte Bolgan. Westlich der Sklava war eine riesige Burg in den Felsen gehauen. Sie hing dreihundert Meter über ihren Köpfen, und nur eine einzige Treppe führte empor.
Ogrok drehte sich um. »Das ist Sklava Märtolon«, grinste er. »Die Felsenzwinge des Schwarzen Prinzen. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr er sich freut, dass ihr beim Bau der Pforte helft.«
Bolgan schauderte. Der Gedanke, dass aus diesen leeren Fensterhöhlen der Zerstörer Brangwens auf sie herunterschaute, machte ihm Angst.
Erst jetzt wurde ihm klar, wie wenig der Alte Niemand über den Schwarzen Prinzen gewusst hatte. Was nützten seine Forschungen aus siebenhundert Jahren schon gegen das, was sich hier an den Pforten des Verbotenen Landes offenbarte? Kein Zweifel, der Schwarze Prinz musste in den vergangenen Jahrhunderten an Kraft und Bösartigkeit gewonnen haben - in dem Maße, wie die Macht des Alten Niemand abnahm, der sich in seiner Hütte im Land der Tanzenden Berge hinter Schriftrollen verschanzt hatte. Und er, Bolgan, hatte den Auftrag, dem Schwarzen Prinzen den Großerft zu nehmen. Schöne Aussichten.
»Morgen lernt ihr, was arbeiten heißt«, sagte Ogrok, als sie bei den ärmlichen Lehmhütten angekommen waren.
»Recht so!« Hauptmann Berngar lachte nervös. »Sie haben es nicht anders verdient.«
»Nimm den Mund nicht zu voll«, schnauzte Ogrok. »Noch weißt du nicht, was mit dir geschehen wird.«
Berngar zog den Kopf ein; um Ormons Mund spielte ein Lächeln.
Die Siedlung lag fast verlassen da. Ogrok winkte eine Frau herbei, die aus einer Hütte kam. »Gib den dreien Quartier. Morgen melden sie sich bei Fardon, dem Vorarbeiter. Er soll sie schuften lassen, bis sie schwarz werden!«
»Schuften tun hier alle.« Die Frau war sicher über sechzig und ging etwas gebeugt, als trage sie eine unsichtbare Last auf den Schultern, doch die Gefangenschaft hatte ihr die Würde nicht nehmen können. Mit prüfendem Blick musterte sie die Neuankömmlinge. »Man hat euch schon angekündigt. Wir haben drei Betten frei gemacht.«
»Das gefällt mir schon besser«, sagte Alsfar zufrieden.
»Wie heißt du?«, fragte Bolgan.
»Blinja. Aber Namen zählen nichts in Sklava Mhor.«
Ogrok und Ormon machten sich mit ihrem Trupp an den Aufstieg nach Sklava Märtolon. Es sollte lange dauern, bis die drei Gefährten sie wiedersahen.
»Wo sind die Männer?«, wandte sich Bolgan wieder an Blinja.
»Sie arbeiten an der Sklava.« Die alte Frau wandte sich zum Gehen, und die Gefährten folgten ihr.
Erst als die Sonne längst hinter den Roten Bergen versunken war, kam eine Arbeiterkolonne von der Sklava hergeschlurft. Die Gesichter der Männer waren grau und müde. Wortlos stiegen sie in ihre Betten, ohne die Gefährten zu beachten.
Die waren froh darüber. Was hätten sie auch erzählen sollen? Von ihren Abenteuern hätten die Gefangenen wahrscheinlich nichts verstanden. Nach kurzer Zeit waren sie eingeschlafen.


Am nächsten Morgen wurden sie von einem Fanfarenstoß geweckt.
Die Sonne stieg hinter der Bergkette des Verbotenen Landes auf und tauchte die staubige Ebene in ein unwirkliches Licht. Vor dem Haus stand Blinja mit einem Kessel Suppe.