Suchen und Finden
Service
Infos und Kontakt
II. Hintere Propheten (Nebiim) (Konrad Schmid) (S. 303-304)
§ 8 Die Schriftpropheten Jesaja bis Maleachi
J. Blenkinsopp, Geschichte der Prophetie. Von den Anfängen bis zum hellenistischen Zeitalter, Stuttgart u. a. 1998; K. Koch, Die Profeten I, UB 280, Stuttgart u. a. 31995, II, UB 281, Stuttgart u. a. 21988; R. G. Kratz, Die Propheten Israels, München 2003; O. H. Steck, Die Prophetenbücher und ihr theologisches Zeugnis.Wege der Nachfrage und Fährten zur Antwort, Tübingen 1996.
A Bibelkundliche Erschließung
1. Die Stellung der Prophetenbücher im Kanon: Innerhalb des dreiteiligen > Kanons des hebräischen Alten Testaments (Tora [„Gesetz"], Nebiim [„Propheten"], Ketubim [„Schriften"]) stehen die Prophetenbücher (Jes, Jer, Ez, XII [Zwölfprophetenbuch: Hos–Mal]) im Kanonteil Nebiim („Propheten"), der sich aus den Büchern Jos–2Kön und Jes–Mal zusammensetzt. Diese beiden Abteilungen werden als die „Vorderen Propheten" und die „Hinteren Propheten" voneinander unterschieden. Die auffällige Zusammenstellung der Geschichtsbücher Jos–2Kön und der Prophetenbücher Jes–Mal zu einem eigenen Kanonteil Nebiim („Propheten") ist eine Maßnahme, die nur von der Formierung der Tora (Gen–Dtn, § 5) her begreiflich wird: Die Tora präsentiert einerseitsMose als den Propheten schlechthin (Dtn 34,10), der allen anderen Propheten überlegen war, verheißt andererseits Israel eine Sukzession von Propheten, die auf Mose folgen und Israel instruieren werden (Dtn 18,15–18). Diese Sukzessionskette beginnt mit Josua, setzt sich fort über Gestalten wie die Richter (§ 7.6C3), Samuel und Ahia von Silo, von denen die Bücher Ri, Sam und Kön berichten, an die sich dann Jesaja bis Maleachi anschließen. So bilden Jos–Mal als Nebiim („Propheten") gegenüber der Tora („Gesetz") eine Einheit.
Von der Logik des hebräischen Kanons her geurteilt, sind die Propheten des Alten Testaments also durchaus das, wofür man sie jahrhundertelang hielt: Prediger und Ausleger des mosaischen Gesetzes. Historisch gesehen trifft dies allerdings nicht zu: Die Prophetenbücher sind, das war die bahnbrechende Erkenntnis von Julius Wellhausen (1844–1918), ursprünglich unabhängig von der Tora entstanden und erst nach und nach – als diese zum wichtigsten Traditionsgut der hebräischen Bibel aufstieg – in deren Gefolge eingereiht und entsprechend überarbeitet worden. Bevor sie ganz von der Tora her verstanden wurden, schlossen die Prophetenbücher an den Großzusammenhang Gen–2Kön an und boten einen in sich sachlich und historisch differenzierten Heilsausblick, der so die mit dem theologischen Nullpunkt endende Darstellung der Heils- (Gen–Jos) und Unheilsgeschichte (Ri–2Kön) in Gen–2Kön sachlich durch den Ausblick auf eine neue Heilsgeschichte fortsetzte.
Eine folgenschwere Umstellung der Prophetenbücher ist durch die¨Septuaginta (LXX), die griechische Übersetzung des Alten Testaments, vorgenommen worden, deren Anordnung allerWahrscheinlichkeit nach bereits christlich ist1: Hier stehen die Prophetenbücher ganz am Ende des alttestamentlichen Kanons, so dass daran anschließend das Neue Testament als Erfüllung der unmittelbar davor gestellten Prophetenbücher mit ihrenMessiasverheißungen (->Messias) gelesen werden kann.Unterstrichen wird diese Zuspitzung auf das Neue Testament hin durch die Einbindung von Dan in das corpus propheticum, das sachlich in der Menschensohnvision Dan 7 (§ 21) gipfelt.
Alle Preise verstehen sich inklusive der gesetzlichen MwSt.; Ersparnis im Vergleich zur Printversion






















