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Psychologie der Höchstleistung (S. 14)
Was unterscheidet den Experten vom Abbrecher? Hierzu gibt es in der Sportpsychologie einen eigenen Forschungszweig (»Expertiseforschung«), wo man bereits eine ganze Reihe an erstaunlichen Ergebnissen gefunden hat. Ganz interessant ist die Sache mit der Konzentration: Ein Champion konzentriert sich so sehr beim Training, dass im Prinzip jede Trainingseinheit für ihn neu ist.
Wenn wir eine neue sportliche Technik lernen, sind wir aufmerksam und konzentriert bei der Sache. Dadurch machen wir schnelle Lernfortschritte und schon bald beherrschen wir diese Bewegung. Unser Organismus ist nun so angelegt, dass er seine mentalen Ressourcen möglichst schonen möchte, das heißt, sobald die neue Technik einigermaßen klappt, verringert sich die benötigte Konzentration und die Bewegungen laufen zunehmend automatischer und »müheloser« ab. Das ist für das Abrufen der gelernten Techniken im Wettkampf auch genau richtig, denn wer zu viel über seine Bewegungen nachdenkt, bremst sein Verhalten. Im Wettkampf muss daher alles ganz automatisch, mühelos und wie von selbst ablaufen, auch wenn die Technik zu dem Zeitpunkt noch fehlerbehaftet ist. Nach dem Wettkampf geht es allerdings weiter und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Der Organismus ist so angelegt, dass er diese automatisch ablaufenden Bewegungen auch weiterhin ohne größere Anstrengungen produzieren möchte, sprich möglichst automatisch. Wenn wir uns also weiter verbessern wollen, müssen wir im Training extrem konzentriert arbeiten und allen natürlichen Automatisierungstendenzen widerstehen. Und das ist mit hoher Anstrengung verbunden!
Der dreifache Olympiasieger, fünffache Weltmeister und zwölffache Weltrekordler im Schwimmen, Michael Groß, bringt es auf den Punkt. Auf die Frage, ob ihm das ständige Bahnenziehen nicht langweilig werde, sagte er: Ich habe noch nie eine Bahn wiederholt.
Damit ist gemeint, dass wir im Training gar nicht aufmerksam genug arbeiten können! Es geht darum, aus jeder Bahn, jeder Runde, jedem einzelnen Versuch den maximalen Lernimpuls zu ziehen. Für den Champion ist jede Bewegung im Training neu, auch wenn sie schon tausendfach wiederholt wurde. Wer nicht mit jeder Körperfaser dabei ist, fällt zurück in seinen Bewegungsautomatismus. Dort gibt es keine oder kaum Verbesserungen, zumindest sind die Fortschritte weit weniger vorhanden als beim aufmerksamen Training. Daraus erklärt sich eine Beobachtung, die Uta Pippig (Weltrekordhalterin im Marathon mit 2:21,45 Std, Boston-Marathon) einmal über ihr Training folgendermaßen zusammenfasste: Das beste am Training ist die Dusche danach. Das eigentliche Training ist extrem hart und anstrengend, muss extrem hart und anstrengend sein, wenn man ganz nach vorne kommen will. Viele Champions berichten daher, dass sie kaum Spaß haben während einer Trainingseinheit! Aber umso mehr Spaß vor dem Training (Vorfreude) und nach dem Training (Freude darüber, richtig gut trainiert zu haben). Der Weltklasse-Athlet freut sich zwar riesig auf das Training und empfindet auch danach große Freude. Er hat aber nicht wirklich Spaß während der Trainingseinheit, sondern beschreibt seine Empfindungen dort eher mit den Begriffen hochkonzentriert, besonders aufmerksam, diszipliniert, zielorientiert, analytisch, angestrengt. Der Punkt ist sicherlich jetzt klar geworden: Trainingsernst = Wettkampfspaß! Achte mal auf deine Empfindungen vor, während und nach dem Training. Und versuche durch ein entsprechendes Verhalten (»so tun, als ob«) eine konzentrierte Grundstimmung im Training aktiv herbeizuführen.
Nachsportlicher Karriereverlauf
Was kommt nach dem Sport? Hier hilft eine solide Karriereplanung, die dir als Athlet eine Menge bringt, nach der Devise: Du weißt, dass alles geregelt ist, um es als Profi zu versuchen – und wenn die Sportlerkarriere irgendwann zu Ende ist, stehen dir danach viele Türen offen.
Mit dieser Gewissheit im Rücken, kann man während des Trainings natürlich viel besser abschalten. Nur, wer will schon während der aktiven Zeit an die nachsportliche Karriere denken? Solche Karriereplanungen kommen daher meist von außen (müssen sogar von außen kommen, weil man als Leistungssportler den Überblick nicht hat, sozusagen den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht ). Ein seriöser Mentaltrainer stellt den Sport stets in einen größeren Zusammenhang und wird rechtzeitig deine nachsportliche Karriere thematisieren, nicht zuletzt deshalb, um dadurch deine Leistungsentwicklung während der aktiven Zeit zu beschleunigen.
Desweiteren helfen mentale Übungen bei der Prävention von Sportverletzungen, bzw. wenn es doch zu Verletzungen gekommen ist beim mentalen Aufbautraining nach Sportverletzungen
Eine Sportverletzung ist in den allermeisten Fällen Ausdruck von Unstimmigkeiten im Training und/oder in anderen Lebensbereichen. Es ist eindeutig erweisen, dass Champions ihre Körpersignale viel besser verstehen können und dementsprechend darauf reagieren. Solche Übungen zur Steigerung der Körperwahrnehmung können speziell zur Prävention von Sportverletzungen eingesetzt werden.
Während einer verletzungsbedingten Trainingspause geht es inhaltlich beim Mentaltraining um die Bereiche Zielverschiebung und neue realistische Zielsetzung, Umgang mit Enttäuschungen, mentales Techniktraining, Aufbau von mentaler Stärke.
Alle Preise verstehen sich inklusive der gesetzlichen MwSt.; Ersparnis im Vergleich zur Printversion





















