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Briefe in die chinesische Vergangenheit

Briefe in die chinesische Vergangenheit

von: Herbert Rosendorfer

nymphenburger Verlag, 2005

ISBN: 9783784480121, 509 Seiten

15. Auflage

Format: ePUB, PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Bookeen Cybook Orizon,Ectaco Lite,Odys Media Book Scala,Aluratek Libre,eLyricon EBX-500.TFT,PocketBook 302,IREX Digital Reader,FlatReader,BeBook 'One',iRiver Story,Sony Reader PRS-3xx,Bookeen CyBook Opus,Hanvon/Hexaglot N518,PocketBook 301+,COOL-ER eReader,Inves-Book 600,eLyricon EBX-600.E-Ink, Bookeen CyBook Gen3 ab Rev: 1.9,Italica Reader,Sony Reader PRS-505, -6xx, -7xx,Pocketbook 360,Hanvon N516 Weltbild Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 8,00 EUR

Ersparnis: 1,95 EUR

  • Love
    Ich bin kein Berliner - Ein Reiseführer für faule Touristen
    Rom kann sehr heiß sein
    Brandstifter
    Die Reise nach Trulala
    Der dunkle Spiegel
    Infam
    Die Geisha
  • Simplify your life
    Die Herrin
    Cryptonomicon
    Der Sohn eines Menschen
    Mordserfolg
    Bestrafe mich!
    Die Kassandra Verschwörung

     

     

 

Mehr zum Inhalt

Briefe in die chinesische Vergangenheit


 

Dritter Brief (Mittwoch, 17. Juli) (S. 12-13)

Geliebter Freund Dji-gu.

Ja, ich habe einen Menschen in diesem Abgrund, in diesem schwarzen Strudel von Zukunft gefunden. Ich muß gerecht gegen unsere Enkel sein: sogar zwei Menschen, und beim zweiten scheint es mir nicht ausgeschlossen, daß er mein Freund wird, obwohl ich – wie gerade Du weißt – äußerst geizig mit dieser Bezeichnung bin. Zwar brüllt auch Herr Shi-shmi (so heißt der zweite Mensch), aber ich habe das Gefühl, von ihm trennen mich nicht 100 000 Li wie von den anderen, sondern nur 99 999. Alle außer den zweien erscheinen mir nach wie vor wie bleiche Riesenkrebse ohne Ähnlichkeit mit Dir und mir und unseresgleichen. Freilich, auch Herr Shi-shmi ist weit davon entfernt, mich zu verstehen, aber er hilft mir seine ferne Welt zu begreifen.

Kennengelernt habe ich Herrn Shi-shmi auf ziemlich unwegsame und leider auch schmerzliche Weise. Du wirst daran sehen, was ich in den wenigen Tagen, die ich nun »unterwegs« bin, alles erlebt habe. Ich schreibe an Herrn Shi-shmis Tisch, in seinem Haus. Er selber ist nicht da. Der Kontaktpunkt ist zum Glück nicht weit vom Haus entfernt. Ich könnte ihn zur Not allein finden.

Wir haben vor meiner Abreise viel über mein, wie manchem scheinen könnte, nicht ungefährliches Unternehmen gesprochen. Du, geliebter Dji-gu, der Erfinder des mathematischen Zeitsprungs, bist der einzige, der von meiner Reise weiß.Wir haben viel gesprochen, und Du erinnerst Dich, daß ich den weisen Satz des großen Meng-tzu »Wer beobachten will, darf selber nicht beobachtet werden« als einen der wichtigsten Grundsätze für mein Vorhaben betrachtete. Ich habe deshalb, wie Du selber gesehen hast, eine denkbar unauffällige Kleidung für meine Reise gewählt, habe auf alle Rangabzeichen als Kwan der Klasse »A4«* verzichtet und sogar meine Amtskette als Präfekt der kaiserlichen Dichtergilde »Neunundzwanzig moosbewachsene Felswände« – die zu tragen ich eigentlich verpflichtet bin – zurückgelassen. Ich wollte nicht auffallen,wollte unbeobachtet beobachten. Aber die ganzen weisen Sprüche nicht nur des Meng-tzu, nein, des ganzen ›Li Chi‹ helfen in dieser verrückten Zukunft nichts.Meine, wie wir meinten, unauffällige Kleidung ist für hiesige Begriffe so außer jeder Gewohnheit, daß ich genausogut in Weiberkleidung oder als bunter Palasthund verkleidet angekommen sein könnte. Das Aufsehen wäre auch dann nicht größer gewesen.

Die Reise selber verlief ganz ohne Schwierigkeiten und war das Werk eines Augenblicks. Unsere vielen Experimente haben sich gelohnt. Nachdem ich Dich auf jener kleinen Brücke über den »Kanal der blauen Glocken« – die wir als den geeignetsten Punkt ausgesucht und errechnet hatten – umarmt, alles in Gang gesetzt hatte, was notwendig war, war es mir, als höbe mich eine unsichtbare Kraft in die Höhe,wobei ich gleichzeitig wie von einem Wirbelwind gedreht wurde. Ich sah noch Dein rotes Gewand leuchten, dann wurde es Nacht. Einen Augenblick danach saß ich, natürlich etwas benommen, auf ebender Brücke über den »Kanal der blauen Glocken«; aber es war alles anders. Kein einziges Gebäude, keine Mauer, kein Stein von dem, was ich eben noch gesehen hatte, war noch vorhanden.Ungeheurer Lärm überfiel mich.