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Joachim Machate
5 Von der Idee zum Produkt – mit Benutzern gestalten (S. 83-84)
Voraussetzung für den erfolgreichen Entwurf einer Benutzungsschnittstelle ist, wie im vorherigen Kapitel beschrieben, eine sorgfältige Analyse des Nutzungskontextes. Ausgehend davon, dass die Anforderungen der zukünftigen Benutzer, deren Aufgaben und das Umfeld für den Produkteinsatz erhoben und modelliert worden sind, beschreibt dieses Kapitel Möglichkeiten und Vorgehensweisen für den Benutzungsschnittstellenentwurf, wie sie im Rahmen eines benutzerzentrierten Gestaltungsprozesses zur Verfügung gestellt werden können. Kernpunkt dabei ist ein iterativer Designprozess, in dessen Verlauf das Nutzungskonzept schrittweise verfeinert wird. Zur Unterstützung des kreativen Prozesses bei der Umsetzung von Benutzeranforderungen in konkrete Entwürfe für die zukünftigen Benutzungsschnittstellen kommen je nach Zielsetzung verschiedene Methoden zum Einsatz.
Hierbei bietet die Verwendung von Szenarios eine Möglichkeit, gemeinsam mit den Nutzern und anderen am Produktentwicklungsprozess beteiligten Interessengruppen Vor- und Nachteile bestimmter Designlösungen herauszuarbeiten und zu diskutieren. Dem Einsatz von Prototypen kommt vom Beginn bis zum Ende der Entwurfsphase eine zentrale Bedeutung zu.
5.1 Das „Wie?"
In den vorhergehenden Kapiteln haben Sie erfahren, wie Sie einen Produktentwicklungsprozess auf die zukünftigen Nutzer Ihres Produkts ausrichten können. Sie haben gesehen, wie Sie sich mit den Methoden der Nutzungskontextanalyse ein Bild machen können von Ihren Produktnutzern, den Aufgaben oder Tätigkeiten, die Produktnutzer mit Ihrem Produkt durchführen werden, und der Umgebung, in der Ihr Produkt eingesetzt werden sollte. Sie haben also jede Menge Daten gesammelt, die Auskunft geben über die drei wesentlichen Aspekte des „Wer – Was – Wo" im Sinne der gebräuchlichen Definition des Nutzungskontextbegriffs. Was offen bleibt, ist die Frage nach dem „Wie soll ich’s machen?", bei deren Beantwortung der technikabhängige Anteil des Produktgebrauchs eine zentrale Rolle spielt.
In der Beschreibung des „User Centred Design Process" aus Kapitel 3 konnten Sie sehen, welche Phasen die Entwicklung eines interaktiven Produkts durchlaufen sollte und wie sich dieser Entwicklungsprozess auf die Produktnutzer ausrichten lässt. Die Frage, mit der wir uns in diesem Kapitel beschäftigen wollen, ist, wie kommen wir eigentlich zu dem „Wie", und welche Möglichkeiten im Rahmen eines benutzerzentrierten Gestaltungsprozesses gibt es, zukünftige Pro duktnutzer aktiv am eigentlichen Gestaltungsprozess zu beteiligen. Dass Produktnutzer sich aktiv an der Evaluation und Bewertung von interaktiven Produkten beteiligen sollten und gerade hier eine unersetzbare Quelle auf dem Weg zu einer umfassenden Nutzungsqualität sind, wird ausführlich im nachfolgenden Kapitel 6 beschrieben. Im Folgenden werden wir uns mit dem „Wunder der Gestaltung" befassen und wie Sie die Nutzer Ihres Produkts an diesem kreativen Akt beteiligen können.
5.2 Partizipativ gestalten
Nun könnte vielleicht die Vermutung nahe liegen, wir vertreten die These, dass jeder Produktnutzer zum Designer wird. Wir bräuchten keine Konzeptionisten mehr, keine Interaktionsdesigner, Grafikdesigner, Informationsdesigner etc. – dies wird alles den Nutzern überlassen und wir haben bald das reinste Chaos, weil ein Teil der Nutzer das eine will, der andere Teil etwas Entgegengesetztes. Um dies vorwegzunehmen: „Kein Designer muss um seinen Job bangen", und um weiter klarzustellen: „Produktnutzer sind keine Produktdesigner!" (Nielsen, 1993). Aber es gibt Möglichkeiten, gemeinsam mit Produktnutzern zu gestalten, Ideen zu generieren, zu diskutieren und zu bewerten. Dazu braucht es erfahrene Leute, die im Sinne eines „User Experience Leadership" (IBM, 2002) die hierfür benötigten Methoden auswählen, ihren Einsatz steuern und dafür Sorge tragen, dass die Ergebnisse auch die Gestaltung der Produkte voranbringen.
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