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Kapitel 7
Geschäftsprozessmanagement (S. 241-242)
Für die Erhaltung bzw. Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Organisationen ist eine ständige Bereitschaft zur Innovation und Reorganisation unerlässlich. Die Informations- und Kommunikationstechnologie ist dabei zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel geworden. Das Naheverhältnis und die wechselseitige Beeinflussung von Organisationslehre und Wirtschaftsinformatik werden hier besonders deutlich sichtbar.Wesentliche Methoden und Ansätze werden unter Begriffen wie Business Process Reengineering (BPR), Business Engineering (BE), Business Modeling (BM) u.a. diskutiert. Im Mittelpunkt steht dabei ein Denken in Prozessen, das als modernes Organisationsparadigma verstanden wird. Die Idee der Neugestaltung von Geschäftsprozessen ist als wirtschaftliche Auswirkungen des Einsatzes von Informationssystemen (siehe Kapitel 5.4.1) zu betrachten.
Informationssysteme bewirken jedoch nicht nur eine Änderung von Geschäftsprozessen, sondern unterstützen zudem das Geschäftsprozessmanagement. Bei der Gestaltung von Informationssystemen in Organisationen erfolgt die Entwicklung und Einführung dieser Systeme anhand der Geschäftsprozesse der jeweiligen Organisation. Die Wirtschaftsinformatik beschäftigt sich, wie in Kapitel 2 herausgearbeitet, mit der Gestaltung und Erklärung von Informationssystemen in Organisationen. Da die Gestaltung dieser Systeme in Abhängigkeit der Geschäftsprozesse erfolgt und die Informationssysteme die Ausführung und oftmals auch die Überwachung der Geschäftsprozesse unterstützen sollen, ist das Geschäftsprozessmanagement als Teilgebiet der Wirtschaftsinformatik zu betrachten.
In diesem Kapitel sollen zunächst die grundlegenden Begriffe des Geschäftsprozessmanagements erläutert werden (Kapitel 7.1). Ausgehend von diesen Definitionen wird die Prozessorientierung als Notwendigkeit des Geschäftsprozessmanagements erläutert (Kapitel 7.2). Anschließend erfolgt eine Betrachtung der Prozessmodellierung (Kapitel 7.3) als Instrument der Prozessplanung und Prozessanalyse. Die Prozessmodellierung kann durch Softwaresysteme unterstützt werden. Sie werden in Kapitel 7.4 vorgestellt. Die Prozessanalyse und das Benchmarking von Prozessen (Kapitel 7.5) bilden die Grundlage der Bewertung des Gesch¨aftsprozessmanagements.
7.1 Grundlagen
Der Begriff Geschäftsprozessmanagement setzt sich aus den beiden Begriffen Geschäftsprozess und Management zusammen. Der Begriff Management wurde in Kapitel 3.2.4 bereits als Zyklus, bestehend aus Planung, Organisation, Führung und Kontrolle, definiert. Somit kann das Geschäftsprozessmanagement als Planung, Organisation und Kontrolle von Geschäftsprozessen verstanden werden. Geschäftsprozesse stellen spezielle Prozesse dar. Daher ist zunächst der Begriff Prozess zu definieren. Anhand einiger ausgewählter Beispiele zu Prozessdefinitionen soll ein Verständnis f ür das Wesen und die wesentlichen Merkmale eines Prozesses geschaffen werden. Dabei wird deutlich, dass die jeweils hervorgehobenen Merkmale oder Eigenschaften nicht einheitlich gesehen werden, sondern zum Teil vom Kontext und dem spezi.schen Zweck, der in Bezug auf die Organisation verfolgt wird, abhängen.
"Ein Prozess bezeichnet eine Abfolge von Tätigkeiten, Aktivitäten und Verrichtungen. Dieser dynamischen Perspektive kann nicht im Rahmen einer starren Organisation, sondern nur mittels einer Prozessorganisation Rechnung getragen werden. Diese ist in Anlehnung an Gaitanides als Organisationsgestaltung zu verstehen, in der die Stellen- und Abteilungsbildung unter Berücksichtigung spezifischer Erfordernisse des Ablaufs betrieblicher Prozesse im Rahmen der Leistungserstellung und -verwertung konzipiert wird." [BG92].
Eine ähnliche Definition findet sich auch in [BKR02]: "Ein Prozess ist die inhaltlich abgeschlossene, zeitliche und sachlogische Folge von Aktivitäten, die zur Bearbeitung eines prozessprägenden betriebswirtschaftlichen Objektes notwendig sind."Unter einem prozessprägenden betriebswirtschaftlichen Objekt wird dabei eine Ressource der Organisation verstanden, die durch den Prozess eine Bearbeitung erfährt (z.B. Rechnung, Auftrag). Fischer liefert folgende Erklärung: "Als Prozesse werden hier repetitive Tätigkeiten erfaßt, die in den verschiedenen Kostenstellen oder Abteilungen eines Unternehmens bei der Ausführung der übertragenen Aufgaben anfallen. Präziser sind Prozesse zu definieren als sich wiederholende Folge einzelner Tätigkeiten mit
- messbarer Eingabe,
- messbarerWertschöpfung und
- messbarer Ausgabe." [Fis93, nach [Str88]]
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