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BUCH FÜNF Das Komplott Mrs. Blighs Kaffeehaus, London (S. 603-604)
SEPTEMBER 1693
»Roger, Ihr seid jetzt ein bedeutender Mann und reicher als der Großmogul.« »Das habe ich auch schon gehört, Daniel – aber das macht nichts -, ich höre es gern noch einmal.« »Außerdem seid Ihr in gewisser Weise gelehrt.« »Lernfähig zu sein ist besser – aber bitte fahrt mit Eurer Schmeichelei fort, die so untypisch für Euch ist.« »Nun denn. Welche metaphysische Bedeutung messt Ihr der Tatsache bei, dass Ihr außerstande seid, eine Tasse Kaffee zu bezahlen?«
»Aber Daniel, ich habe doch gerade bezahlt, und zwar nicht eine, sondern zwei.« »In Wirklichkeit habt Ihr das keineswegs, my Lord. Ihr habt Schulden gemacht, die in Mrs. Blighs Hauptbuch vermerkt wurden.« »Stellt Ihr meine Solvenz in Frage, Daniel?« »Ich stelle die Solvenz des ganzen Landes in Frage! Leert Eure Börse. Hier auf dem Tisch. Wir wollen einmal nachsehen.« »Seid nicht vulgär, Daniel.« »Ach, jetzt bin ich es, der vulgär ist.«
»Seit man Euch den Stein geschnitten hat, habt Ihr Euch anscheinend im Alter zurückentwickelt.« »Ich wette mit Euch um den gesamten Inhalt meiner Börse, dass Eure kein einziges Stück Metall enthält, das sich in Billingsgate gegen einen Eimer Fischköpfe eintauschen ließe.« »Wenn der Inhalt Eurer Börse so viel wert wäre, wärt Ihr längst unterwegs nach Massachusetts. Das weiß jeder.« »Seht Ihr? Ihr habt Angst, die Wette anzunehmen.«
»Warum schlagt Ihr ausgerechnet auf mich ein? Was kann ich dafür, dass England kein Geld hat?« »Weil Ihr jetzt ein bedeutender Mensch seid, umschwirren Euch Gerüchte wie Möwen einen Heringsfänger, und ich möchte, dass Ihr etwas dagegen unternehmt, damit ich nach Amerika fahren kann … also. Nun gut, my Lord, ich lasse Euch ein paar Minuten Zeit, Eurer Heiterkeit Herr zu werden. Wenn Ihr hören könnt, was ich sage, so winkt mir zu – ah, fein. Roger Comstock, es ist schön für Euch, dass Ihr Kredit habt und Kaffee oder Häuser kaufen könnt, indem Ihr einfach darum bittet.
Viele andere mächtige Menschen genießen das gleiche Privileg – darunter auch unser König, der seinen Krieg anscheinend mittels irgendeiner Art von Alchimie finanziert. Doch einige von uns müssen tatsächlich bezahlen, was sie kaufen, und wir haben im Augenblick nichts, womit wir bezahlen können. Es heißt, Amerika schwimme in Stücken von Achten, und das ist ein Anblick, den ich gern genießen würde – nur leider gewähren Schiffskapitäne keinen Kredit, jedenfalls nicht Naturphilosophen...
Aber ja, my Lord, lasst Euch nur angenehm unterhalten. Ich sitze einzig und allein als Hofnarr für Männer mit Kredit in buntscheckigen Lumpen hier in Mrs. Blighs Kaffeehaus und bitte nur darum, dass Ihr für jedes Kichern eine Silbermünze und für jedes laute Lachen eine goldene nach mir werft. Die sind gerade ausgegangen? Was, keine Münzen auf der Bank?
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