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Fünfzig Rotweine, die Sie kennen sollten

Fünfzig Rotweine, die Sie kennen sollten

von: Wolfgang Staudt

Westend Verlag, 2006

ISBN: 9783938060155, 204 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 17,70 EUR

Ersparnis: 2,20 EUR

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Fünfzig Rotweine, die Sie kennen sollten


 

Merlot (S. 45-46)

Einfach im Anbau, einfach zu verkaufen, einfach auszusprechen und einfach zu trinken! Unter allen noblen Rebsorten gilt Merlot als die freundlichste und zugänglichste. Doch ihre stilistische Vielfalt ist groß. Mal kommen Merlots so leicht und saftig-fruchtig daher wie ein Beaujolais, mal so zart wie ein Pinot Noir und mal so mächtig und eichenholzwürzig wie ein Cabernet Sauvignon. In Bestform schmecken sie nach Pfl aumen, Feigen, schwarzen Johannisbeeren, Früchtekuchen und allerlei süßen Gewürzen.

Am Gaumen brillieren sie durch eine ungemein runde und geschmeidige Textur. Meist sind sie körperreich und säurearm, haben eine samtige, sehr zarte Tanninstruktur und können trotzdem wunderbar altern. Merlot und Cabernet Sauvignon gehören beinahe so zusammen wie Pfeffer und Salz. Dabei hat Merlot in der Regel die Aufgabe, die härteren Eigenschaften des Cabernet abzurunden, die Weine weicher und geschmeidiger, fülliger und süßer, vor allem aber früher trinkbar zu machen. In unserer schnelllebigen Welt und vor dem Hintergrund begrenzter Lagerkapazitäten der meisten Weinliebhaber bieten diese Eigenschaften große Vorteile.

Gegenüber dem Cabernet Sauvignon sind die Beeren der Merlot-Traube größer und dünnhäutiger. Die Weine haben einen deutlich höheren Alkoholgehalt, dafür weniger Säure und Tannin und sind deshalb früher mit Vergnügen zu trinken. Die Trauben können etwa zwei Wochen eher als Cabernet Sauvignon geerntet werden, was vor allem in kühleren Klimazonen einen Vorteil darstellt. Merlot-Weine verfügen über eine ungeheuer weiche Textur, und in Duft und Geschmack bieten sie einen seidigen, an Blaubeeren und Marmelade erinnernden Charakter.

In Verbindung mit neuem Holz entstehen zusätzlich buttrige, cremige und würzige Noten. Auch wenn sich die Weine weniger komplex als Cabernets präsentieren – ihre Sinnlichkeit und Zugänglichkeit bieten allemal attraktive Alternativen zur fehlenden intellektuellen Herausforderung!

Merlot in Europa

Merlot ist sehr verbreitet im gesamten französischen Südwesten (Bergerac, Duras, Buzet, Cahors, Marmandais) und zunehmend in den Landweinzonen des Midi. In Bordeaux entfällt auf Merlot etwa die Hälfte der gesamten Rebfl äche und damit doppelt so viel wie auf Cabernet Sauvignon. Die große Mehrheit dieser Fläche befi ndet sich auf der „rechten Seite", also östlich von Gironde und Garonne. Hier ist Merlot der Hauptbestandteil der allermeisten Weine. Die hier entstehenden Weine sind trockener, erdiger, fester strukturiert und vor allem weniger vom Neuholz geprägt als die Vertreter aus Übersee (mehr dazu weiter unten).

Die Gewächse von St. Émilion und Pomerol gelten als die Prototypen einer merlot-geprägten Cuvée. Die Pomerol-Weine (siehe auch das nächste Kapitel) sind die verschwenderischsten, schwersten und rarsten Rotweine des gesamten Gebiets. Von der Mehrzahl der meist sehr kleinen Betriebe kommen Abfüllungen im Segment jenseits der 50-Euro-Grenze, und die Begehrtesten, aber kaum erschwinglichen Luxuscuvées liegen weit darüber. Auch die Weine von St. Èmilion zählen zum Teuersten, was die Welt der Rotweine zu bieten hat. Stilistisch präsentieren sie sich ungemein üppig und konzentriert, zugleich würzig und mit mildem, süßem Tannin ausgestattet. Im Aroma fi nden sich neben typischen Beerennoten auch Anklänge von Pfl aume, Früchtekuchen und Waldboden. Preiswerte Alternativen sind die Gewächse von Fronsac und Canon- Fronsac und die weniger bekannten, aber ebenso beachtenswerten Weine der Anbaugebiete direkt am rechten Gironde-Ufer.

Dabei sind die Weinberge der dortigen Appellation Côtes de Bourg tatsächlich älter und landschaftlich um ein vielfaches attraktiver als die des direkt benachbarten Médoc auf dem linken Gironde-Ufer. Sie erstrecken sich nördlich von Fronsac und südlich der Côte de Blaye auf unterschiedlichen Böden, meist Kalkstein mit verschieden hohem Anteil an Lehm, Kies und Sand. Diese Böden sind beträchtlich fruchtbarer als die im Médoc, und infolgedessen haben die Winzer hier vor allem mit dem Problem zu hoher Erträge zu kämpfen. Doch das Lokalklima ist eines der wärmsten im Departement, und so manche Lage verfügt über beste Voraussetzungen, um hohe Traubenqualitäten zu ermöglichen.