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Kapitel 5 (S. 58-60)
Wachenheim an der Weinstraße, Wohnung Dr. Lothar Schmitt, Im Leimen 3 Mai 2005, 19 Uhr 30
Er bewohnte eine Zweizimmer-Wohnung in einem kleinen Mehrfamilienhaus in einer ruhigen Seitenstraße, unweit der Kirche von Wachenheim. Die Wohnung war zweckmäßig eingerichtet, jedoch herrschte in ihr ein beträchtliches Durcheinander. Überall lagen Kleidungsstücke, Zeitungen und Zeitschriften, CDs und Schallplattenhüllen herum. Benutzte Wein- und Whiskygläser nebst einigen leeren Flaschen füllten den Rauchtisch in seinem Wohn-, Ess- und Arbeitszimmer. Er kam gerade aus der Dusche, als es klingelte und Sabine Freising vor seiner Wohnungstür stand. Er band sich das Handtuch um die Hüfte und öffnete die Tür.
„Lässt du mich für einen kurzen Augenblick herein?" fragte sie und lächelte ihn an. „Aber gerne. Wieviel Zeit hast du?"
Er machte eine einladende Geste und schloss, nachdem sie eingetreten war, hinter ihr die Tür. Dabei ließ er das Handtuch zu Boden gleiten und wollte Sabine sogleich in den Arm nehmen. Sie aber drängte ihn sanft zurück.
„Ich kann wirklich nur kurz bleiben", sagte sie leise.
„Ich wollte nur von dir wissen, ob du am Freitag Nachmittag Zeit für mich hast."
„Natürlich", murmelte er und griff zu einem Bleistift, der neben einer Zeitung lag.
„Um wieviel Uhr? Sechzehn Uhr, wie immer?"
Sabine Freising nickte.
„Gut. Aber bitte höre mir jetzt zu: Ich bin sicher, dass wir es bald geschafft haben werden. Die Arbeit im Institut wird bald Früchte tragen!" Dr. Lothar Schmitt griff nach seinem über der Stuhllehne achtlos hingeworfenen Bademantel, streifte ihn über und ging zu der im Wohnzimmerschrank eingebauten Hausbar. Dort goss er sich ein Glas Whisky ein.
„Möchtest du auch einen Schluck?" wandte er sich an Sabine.
Frau Freising verneinte.
„Du weißt doch, dass ich heute wenig Zeit habe."
„Wenn wir erst einmal das Ergebnis unserer Forschungsarbeit an die Großindustrie verkauft haben, können wir beide uns niederlassen, wo immer du möchtest: In Südfrankreich, in Spanien, in Mexiko, in der Karibik, oder in USA. Du hast die freie Auswahl."
Er sah sie herausfordernd an.
„Ich möchte dort leben, wo es nette Leute gibt, wo die Sonne scheint, wo es Meer und guten Wein gibt!" lachte sie. Dann wurde sie ernst.
„Ich möchte aber Peter nicht verlassen, das weißt du auch. Wir haben schließlich einen Jungen, der noch zur Schule geht."
„Dann werde ich leider versuchen müssen, ohne dich reich und berühmt zu werden", entgegnete er mit einem missglückten Lächeln.
„Das wirst du wohl müssen. Aber bedenke: Der Weg des Ruhmes ist ein einsamer Weg. Und der des Geldes ist noch einsamer!"
Mit diesen Worten stand sie auf, leerte ihr Glas und umarmte ihn flüchtig.
„Ich muss jetzt gehen", meinte sie mit einem Blick auf ihre Armbanduhr.
„Es ist schon spät. Peter wird bald zu Hause sein."
Er sah ihr durch das Fenster nach, bis sie in ihren Kleinwagen gestiegen und davongebraust war.
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