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Weihnachten. Seine Bedeutung für das ganze Jahr

Weihnachten. Seine Bedeutung für das ganze Jahr

von: Walter Schmithals

Vandenhoeck & Ruprecht, 2006

ISBN: 9783525633724, 157 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 14,90 EUR

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Weihnachten. Seine Bedeutung für das ganze Jahr


 

Adventszeit – Bußzeit – Apokalyptik
Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt (S. 9-10)


Die Adventszeit ist in alter Tradition insoweit Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest, als sie Bußzeit ist. Sie sollte also eine Zeit der Einkehr und der Stille sein, während man heute eher an den Festtagen Buße für den voraufgegangenen Trubel und die geschäftige Hektik tun muss. Eine Bußzeit ist den beiden großen Festen der Christenheit vorgeschaltet, die Passionszeit vor dem Osterfest und die Adventszeit vor dem Weihnachtsfest. Die Adventslieder sind darum nicht selten auf den Ton der Buße gestimmt, und Valentin Thilo aus dem Dichterkreis um Simon Dach, Professor der Beredsamkeit in Königsberg, richtete während des dreißigjährigen Krieges die immer noch sehr lebendiges Aufforderung an seine Leser: „Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt", und: „Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem hohen Gast".

Neben diesen beiden festen Bußzeiten wurden früher, analog zu den Landestrauertagen, von Fall zu Fall von der Landesherrschaft einzelne öffentliche Bußtage ausgerufen, wenn Seuchen, Dürre, Krieg oder Naturkatastrophen das Land heimsuchten, an deren Stelle im 19. Jahrhundert in der Regel zu einem festen Termin ein jährlicher Buß- und Bettag getreten ist, der, wie wir wissen, inzwischen weichen musste, um die Pflegeversicherung zu finanzieren. Über den Sinn oder auch das Unzeitgemäße solcher öffentlichen Bußtage oder der festgelegten Bußzeiten mag man streiten, aber Aufmerksamkeit verdient ein Phänomen, das mit dem Gedanken der Buße eng verknüpft und seit alten Zeiten vor allem mit dem zweiten Sonntag der Adventszeit verbunden ist, nämlich das Phänomen der Apokalyptik, das sich trotz oder auch wegen seíner manchmal Schreck erregenden Bezeichnung für eine vorweihnachtliche Besinnung durchaus eignet.

Vier Texte

Wir nähern uns diesem Thema mit vier kurzen Texten, von denen einer aus dem Alten Testament stammt, ein anderer aus dem Judentum der Zeit zwischen den beiden Testamenten und zwei aus dem Neuen Testament.

„Über euch, Bewohner der Erde, kommt Schrecken und Grube und Netz. Wer entflieht vor dem Geschrei des Schreckens, der fällt in die Grube; und wer entkommt aus der Grube, der wird im Netz gefangen. Denn die Fenster in der Höhe sind aufgetan (wie zur Zeit der Sintflut), und die Grundfesten der Erde beben. Es wird die Erde mit Krachen zerbrechen, zerbersten und zerfallen. Die Erde wird taumeln wie ein Trunkener und wird hin und her geworfen wie eine schwankende Hütte; denn ihre Missetat drückt sie, dass sie fallen muss und nicht wieder aufstehen kann." (Jes 24, 17–20)

„Frage die Schwangere: Weshalb sind deine jüngsten Kinder ihren älteren Geschwistern nicht gleich, sondern weniger kräftig? Sie wird dir antworten: Anders sind die, die in der Blüte der Kraft erzeugt sind, anders die Kinder des Alters, als der Schoß die Kraft verloren hatte. Nun ermiss selber, dass ihr weniger kräftig seid als eure Vorfahren; so werden auch eure Nachkommen weniger kräftig sein als ihr. Denn die Schöpfung ist schon alt und ist über ihre Jugendkraft schon hinaus." (4Esr 5,51–55)