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Länder und Kulturen (S.43)
Wie wir bereits gesehen haben, kann Outsourcing in unterschiedlichen Ländern (oder Entfernungen) vom Unternehmen des Auftraggebers geschehen. Die Fachleute unterscheiden daher das „Onshore-", „Nearshore-" und „Offshore-" Outsourcing. Damit wird zwar zunächst eine amerikanische Perspektive in die Begriffe gebracht (denn für uns Europäer wäre höchstens Irland „Nearshore"), aber darum soll es hier nicht weiter gehen.
Unterschieden wird mit diesen drei Begriffen das Outsourcing in der direkten Umgebung des Auftraggebers (Onshore), solches in der gleichen (oder ähnlichen) Zeitzone (Nearshore) und schließlich jenes in sehr großer Distanz (Offshore) – selbst wenn gar keine Küste dazwischen liegt, wie es aus deutscher Sicht für Indien oder China gilt.
Onshore-Outsourcing ist eine typische Maßnahme, wenn einem Unternehmen kurzfristig Ressourcen fehlen. Man wendet sich vorzugsweise an lokale Anbieter, soweit diese die Ressourcen schnell zur Verfügung stellen können. Der große Vorteil beim Onshore-Outsourcing ist, dass es keinerlei Reibungsverluste hinsichtlich der Entfernungen, Sprachen, Zeitzonen oder Kulturen gibt (wenn wir einmal von unterschiedlichen Unternehmenskulturen abstrahieren).
Anbieter gibt es verschiedene, beispielsweise Zeitarbeitsfirmen, Beratungsunternehmen oder auch selbständige Softwareentwickler. Die Kosten sind ähnlich oder höher wie im eigenen Unternehmen, aber man bleibt flexibel und kann schnell zugreifen. Je dringender der Bedarf und je spezieller die Bedu¨rfnisse, desto höher die Kosten – bis hin zu einem Zuschlag von 100-200 Prozent im Vergleich zu eigenen, festangestellten Mitarbeitern.
Nearshore-Outsourcing ist für uns Deutsche sicherlich besonders attraktiv, denn der osteuropäische Markt wächst mit großer Geschwindigkeit und kann mit sehr viel niedrigeren Kosten aufwarten, als dies beim Auslagern innerhalb Deutschlands der Fall ist. Eine zunehmende Zahl von Agenturen oder Vermittlern bietet Dienstleistungen direkt vor Ort in Deutschland an, die nachher in Osteuropa ausgeführt werden.
Damit hat man den Effekt eines Onshore-Outsourcing zu den Kosten, die nur das Ausland bieten kann. Allerdings hängen die Preise stark von der Entfernung ab, und Länder oder Regionen, die vor einigen Jahren noch interessant waren, verlieren schnell an Bedeutung, da die Preise stark ansteigen. Ein gutes Beispiel ist die Gegend um Bratislava, die in den neunziger Jahren eine große Bedeu- tung hatte und vor allem durch Österreich erschlossen wurde, heute aber fast die gleichen Kosten wie Wien hat, da es zu nahe an der österreichischen Hauptstadt liegt.
Diese Entwicklung spielt allerdings für das taktische Outsourcing keine Rolle, denn Sie werden nach einiger Zeit die Lieferantensituation sowieso neu bewerten. Anders sieht es bei strategischer Aufgabenverlagerung aus, und da sollten Sie diejenigen Regionen wählen, die sich nicht so schnell entwickeln werden, oder die stark im Wettbewerb stehen, wie beispielsweise Russland. Die baltischen Republiken haben der Vorteil, dass dort noch deutsch gesprochen wird, aber durch ihre enge Anbindung an den skandinavischen Markt sind sie für deutsche Unternehmen bereits uninteressant und rangieren in der Bedeutung als Outsourcing-Standorte weit hinter Polen, Tschechien, der Slowakei oder Russland.
Offshore-Outsourcing schließlich wird eher für das längerfristige Outsourcing gewählt und bringt die asiatischen Länder wie Indien, Philippinen oder China ins Blickfeld. Auch Brasilien oder Mexiko könnten diese Rolle übernehmen und werden momentan bereits von den USA dafür „konditioniert".
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