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DEN EIGENEN BRUNNEN ZUM SPRUDELN BRINGEN (S. 47-48)
Was es alles gibt,
was ich nicht brauche!
Aristoteles
Womit schütten wir uns im Laufe der Zeit nicht alles zu, was häufen wir Monat für Monat, Jahr für Jahr nicht alles an, ohne es wirklich zu benötigen? Gut erhaltene, aber völlig unmoderne Kleidung, ganze Jahrgänge verschiedener Zeitschriften, die wir abonnieren, ohne sie je zu lesen, Bücher, in die wir nie wieder hineinschauen werden, elektrische Hausgeräte für den Fall der Fälle, altes Spielzeug – viel zu schade, um es wegzuwerfen – und sonstigen nutzlosen Klimbim. Wie schnell ist ein Abstellraum, ein Keller oder ein Dachboden voll gestopft mit Dingen, die wir eigentlich gar nicht brauchen. Sich davon zu trennen, fällt uns schwer.
Aber der ganze Krempel ist Ballast, den wir mit durchs Leben schleppen. Wer öfter mal umzieht, merkt dies an der zunehmenden Anzahl der Umzugskisten. Wer im eigenen Heim wohnt, kann beobachten, wie das Haus immer voller wird und Ecke um Ecke mit Regalen oder Schränken ausgefüllt wird, um noch mehr Sachen zu verstauen. Und wer genau hinschaut, merkt, dass sich auch im eigenen Inneren, in der eigenen Seele, Ballast angehäuft hat. Was sich da alles findet: Schuldgefühle, Ängste, Vorurteile, Enttäuschungen.
Wir sind auch immer noch wütend, weil wir den begehrten Job nicht bekamen, uns nicht das tolle Haus leisten konnten und der Garten des Nachbarn immer grüner ist als unserer! „Fliegen kann man nur mit wenig Gepäck." – Wer schon einmal geflogen ist, weiß das. Im Grunde gilt dieser Spruch auch für unser Leben. Wir können uns nur dann leicht und frei fühlen, wenn wir nicht ständig den Ballast der letzten Jahre oder Jahrzehnte mit uns herumschleppen. Dieser Ballast macht uns träge und unfroh. Er verstopft sozusagen unsere inneren Leitungen. Wir können gar nicht gelassen und froh sein, weil wir zugedeckt sind mit tausenden von alten morschen Gedanken und Erfahrungen.
Wir sind wie ein zugeschütteter Brunnen – all das unnütze Gerümpel verschüttet unsere Quelle, stopft unsere Lebensader zu. Es kann nichts mehr fließen, nichts wachsen. Statt uns immer weiter zu entfalten, verkümmern wir.
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