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Drei Briefe an einen Knaben

Drei Briefe an einen Knaben

von: Lou Andreas-Salomé

MedienEdition Welsch, 2006

ISBN: 9783937211039, 119 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 9,80 EUR

  • Mein buntes Spielebuch - 111 Spiele für die ganze Familie
    Zu Besuch bei den wilden Tieren - Ein Naturbuch für Kinder
    Ruth - Eine Erzählung
    Schnittmuster - Thriller
    Narzissmus und Objektbeziehungen, 4. Auflage
    Das große Buch der Kinderspiele - Klassische und neue Spiele für jede Gelegenheit und jede Altersgruppe
    Republikanismus und Kosmopolitismus - Eine ideengeschichtliche Studie
    Meine 80 schönsten Kinderlieder - Mit Noten und Gitarrengriffen
  • Kartierte Nationalgeschichte - Geschichtsatlanten im internationalen Vergleich 1860-1960
    Mein erster Zeichenkurs - Mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen
    Erdbeerflecken
    Feengeschichten - So macht Lesenlernen einfach Freude!
    Zieh! Mich! Aus!
    Zu Besuch bei den Kindern der Welt - Mein erster Bildatlas
    Zu Besuch bei den Tierbabys in aller Welt - Ein Naturbuch für Kinder

     

     

 

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Drei Briefe an einen Knaben


 

WEIHNACHTSMÄRCHEN (S. 6-7)

Göttingen, im Dezember 1907.

Lieber Bubi, liebe Schnuppi!

> S. 7 Seitdem ich gehört habe, daß Mutts jetzt manchmal noch nach Eurem Schlafengehen zwischen Euren Betten sitzt und Euch was vorliest, läßt es mir gar keine Ruhe mehr, bis ich Euch auch was erzählt habe, und zwar, was mir gestern geschehen ist: am Goldenen Sonntag, nach vier Uhr. Ich war von unserer Höhe in die Stadt hinunter gestiegen, um Kerzen zu besorgen für den Weihnachtsbaum. Da unten gab es keinen solchen Trubel von Wagen und Pferden und sich abhetzenden Menschen wie vor Festtagen bei Euch in der Hauptstadt. Aber in diesen stillen, engen Straßen und am winkeligen Marktplatz beim Rathaus, dessen schwache Beleuchtung jetzt nur etwas verbessert wird durch den vielen hellen Christbaumschein hinter den Ladenfenstern, könnte man sich dafür um so eher vorstellen, daß ein Knecht Ruprecht heimlich auftaucht zwischen den herumstehenden Kindern, sich Kinderwünsche notiert, hier oder dort verstohlen

> S. 8 sich was aus den Schaufenstern langt, es in seinen großen Sack tut und irgendwo hinter den Verkaufsständen von Tannenbäumen ebenso unbemerkt wieder verschwindet. Mit meinen Kerzen in der Tasche ging ich aus der Stadt hinaus und bergan; denn ich wollte längs den Waldungen auf dem Hügelland zurückkehren. Nach blauen und sonnigen Tagen war es seit Mittag wolkig und windig geworden, manchmal sprühte ein feiner Regen herunter. Mir fiel es deshalb durchaus nicht auf, als ich Jemanden sah, der sich seine Mantelkapuze tief über den Kopf gezogen hatte; einen großen, alten Mann mit viel weißem Haar und buschigen, weißen Augbrauen, seinen Knotenstock in der Hand und einen grünen Rucksack über dem faltigen grauen Mantel, dessen Taschen, vollgestopft, weit abstanden.

Was mich wunderte, war auch nur, daß der Kapuzenmann in einiger Entfernung von mir da auf einer Bank zu sitzen schien, wo ich mich nicht erinnern konnte, je eine Bank gesehen zu haben.