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Kapitel 1 Szenarios (S. 15-16)
Der Begriff »Szenario« wird auf das griechische Wort »skene« zurückgeführt, mit dem der Schauplatz einer Handlung, eine Szenenfolge in einem Bühnenstück oder der Rohentwurf eines Dramas beschrieben wird. Beim Film beschreibt ein »Szenarium« eine Entwicklungsstufe zwischen Exposé und Drehbuch.
Die Nutzung von Szenarios als wirtschafts- und sozialwissenschaftliches In stru ment hat mehrere Väter. Sie geht einerseits auf das von Herman Kahn und Anthony J. Wiener bei der RAND Corporation entwickelte scenario writing zurück. Ihre Szenarios wa ren primär militärische, hypothetische Folgen von Ereignissen, durch die zu künf tige Ent wicklungsmöglichkeiten sichtbar wurden. Die 1967 veröffent lich te Studie The Year 2000. A Framework for Speculation on the next Thir ty-Three Years gilt als Geburtsstunde der Szenarienplanung. Parallel dazu entstand in Frankreich die »Prospective Analysis«. Sie wurde vor allem in der französischen Regionalplanung ange wandt und erklärt den hohen Stel len wert, den Szenarios in Frankreich noch heute haben.
In den späten sechziger und frühen siebziger Jahren begannen einzelne Unternehmen, sich für Szenarios zu interessieren. Als erster in du strieller Anwen der kann General Electric angesehen werden. Hinzu kamen neben Royal Dutch/Shell im deutschsprachigen Raum vor allem BASF, Daimler-Benz und Volkswagen. Insgesamt setzten sich Szenarios vor allem bei Unternehmen durch, die in einem instabilen po li ti schen und sozia len Umfeld operierten und insofern über eine langfristige Planung verfügten. Es ist festzustellen, dass die Nut zung von Szenarios in der strategischen Planung seit Mit te der acht ziger Jahre kontinuierlich zunimmt. Szenarios unterscheiden sich von Trends anhand von zwei unterschiedlichen Denkweisen:
• Zukunftsoffenes Denken: Aufgrund der Ungewissheit in Märkten und Branchen sowie den technologischen und allgemeinen Umfeldern wird nicht mehr versucht, die Zukunft exakt vorherzusagen. Stattdessen werden mehrere, vorstellbare Zukunftsbilder entwickelt und beschrieben.
• Vernetztes Denken: Die Vielfalt der un ternehmerischen Tätigkeit sowie die Dynamik der Änderungsprozesse in der Unterneh mens umwelt haben kontinuierlich zugenommen. Dieses Zusammentreffen von Vielfalt und Dynamik wird als Komplexität be zeichnet. Mit der Zunahme von Komplexität versagen viele her kömm liche Ma na ge ment ansätze, die auf einer getrennten Betrachtung einzelner Bereiche beruhen. Daher sind Unternehmen darauf angewiesen, die Entwicklung und das Verhalten vernetzter und komplexer Systeme zu berücksichtigen.
Die Kombination von zukunftsoffenem und vernetztem Denken führt zur Definition eines Szenarios. Darunter wird eines von mehreren Zukunftsbildern verstanden, das auf einer schlüssigen Kombinationen denkbarer Entwicklungsannahmen beruht. Die in der Praxis gebräuchlichen Formen der Szenarioentwicklung werden anhand von zwei Kriterien strukturiert:
• Konstruktion der Szenarios: Hier werden induktive und deduktive Verfahren voneinander unterschieden. Die induktiven Verfahren basieren auf einer systematischen und vollständigen Verknüpfung von möglichen Entwicklungen einzelner Schlüsselfaktoren. Bei den deduktiven Verfahren werden demgegenüber zunächst die Themen der Szenarios festgelegt und anschließend die Einzelinformationen zugeordnet.
• Umgang mit Wahrscheinlichkeiten: Während in der Mehrzahl der Szenarioansätze auf die Nutzung von Wahrscheinlichkeiten verzichtet wird, gibt es einzelne Ansätze, die auf der strategischen Ebene mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten.
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