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5 Das Konjunkturphänomen: Kurzfristige Betrachtung der wirtschaftlichen Entwicklung (S. 89)
5.1 Das Erscheinungsbild der Konjunktur
Die Produktion der Unternehmen schwankt von Jahr zu Jahr. Mit diesen Schwankungen in der Produktion schwanken auch andere wichtigen Grössen wie des Sparen und Investieren, die Ausgaben für den Konsum oder die Exporte und Importe. Verändern sich diese Grössen, hat das Auswirkungen auf die Wachstumsrate des BIP. Meistens bewegen sich die Schwankungen im positiven Bereich – negative Wachstumsraten kamen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges relativ selten vor (vgl. Abb. 5.2). Begleitet werden Aufschwungjahre meistens mit einem Rückgang und Abschwungjahre mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Solche Schwankungen in der wirtschaftlichen Aktivität haben einen grossen Einfluss auf den Wohlstand der Bevölkerung und es erstaunt deshalb auch nicht, dass sich die Ökonomen für die Ursachen, die Folgen und die Steuerung bzw. Beseitigung von solchen Schwankungen interessieren. Dieses Kapitel befasst sich insbesondere mit der Erfassung und den Ursachen des Auf und Ab der Wirtschaftstätigkeit, während sich das folgende Kapitel mit der Steuerung beschäftigt.
Schwankungen in der Produktion der Unternehmen führen dazu, dass die Mitarbeiter in gewissen Jahren Überstunden leisten müssen und die Produktionsmaschinen auf Hochtouren laufen, während es in anderen Jahren zu wenig Arbeit gibt und die Maschinenkapazitäten nicht ausgelastet sind. Das Produktionspotenzial – die maximale Produktion von Gütern und Dienstleistungen wird also – in gewissen Zeiten voll ausgeschöpft, während in anderen Zeiten eine Unterauslastung besteht. Bei normalem (weder besonders hohem noch besonders tiefem) Produktionsniveau beträgt der Auslastungsgrad der Produktionsanlagen etwa 85%. Konjunkturforscher haben seit jeher versucht, gewisse Gesetzmässigkeiten in der zeitlichen Abfolge zu erkennen und diese in einem Muster eines typischen Konjunkturzyklus einzufangen.
Schwankungen im Auslastungsgrad des Produktionspotenzials nennt man Konjunkturschwankungen.
Danach zerfällt ein solcher Zyklus eine Phase des Abschwungs, der durch ein Nachlassen der wirtschaftlichen Aktivität gekennzeichnet ist. Es braucht weniger Produktionsfaktoren, die Nachfrage geht zurück, die Gewinnerwartungen der Unternehmungen schwinden, die Produktion wird gedrosselt und als Folge davon werden Arbeitskräfte freigesetzt. Nimmt dieser Abschwung eine gewisse Intensität an, spricht man von einer Rezession. Gelingt es nicht, diesen Abschwung zu bremsen, und fällt die Konjunktur in ein tiefes Tal, welches durch hohe Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne, tiefe Zinsen, ganz allgemein von einer depressiven Stimmung gekennzeichnet ist, so spricht man – demzufolge – von einer Depression.
Ist dieses Tal überwunden, folgt eine Phase der Hoffnung, in der die Zukunftserwartungen wieder positiver sind, die Gewinnerwartungen der Unternehmer steigen, die Konsumfreudigkeit der Haushalte zunimmt, die Investitionen steigen, vermehrt Arbeitskräfte eingestellt werden und die Nachfrage und die Produktion wieder zunehmen. Volkswirtschaftlich ausgedrückt heisst diese Phase Aufschwung. Auf Grund der hohen Nachfrage können im Laufe des Aufschwungs in verschiedenen Branchen Engpässe auftreten, die zu weiteren Investitionen, zu Preiserhöhungen, zu steigenden Zinsen und zu einem Mangel an qualitativ und quantitativ erforderlichen Arbeitskräften führen. Diese Phase des Konjunkturzyklus bezeichnet man als Boom oder Hochkonjunktur.
Stagniert auf Grund der hohen Preise die Nachfrage und wird die Investitionsneigung infolge der steigenden Faktorpreise (Löhne und Zinsen) rückläufig, geht der Boom in den Abschwung über, womit wir wieder beim Ausgangspunkt unserer Analyse des Konjunkturzyklus angelangt wären. Den Höhepunkt des Zyklus bezeichnet man als oberen Wendepunkt, den Tiefstand als unteren Wendepunkt. Abbildung 5.1 zeigt den Musterablauf eines Konjunkturzyklus. Die einzelnen Phasen sind allerdings nicht so klar definiert, als dass man sie exakt voneinander unterscheiden könnte; die Grenzen zwischen den einzelnen Konjunkturphasen sind vielmehr fliessend.
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