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Individualisierung

Individualisierung

von: Matthias Junge

Campus Verlag, 2002

ISBN: 9783593400310, 143 Seiten

Format: ePUB, PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Bookeen Cybook Orizon,Ectaco Lite,Odys Media Book Scala,Aluratek Libre,eLyricon EBX-500.TFT,PocketBook 302,IREX Digital Reader,FlatReader,BeBook 'One',iRiver Story,Sony Reader PRS-3xx,Bookeen CyBook Opus,Hanvon/Hexaglot N518,PocketBook 301+,COOL-ER eReader,Inves-Book 600,eLyricon EBX-600.E-Ink, Bookeen CyBook Gen3 ab Rev: 1.9,Italica Reader,Sony Reader PRS-505, -6xx, -7xx,Pocketbook 360,Hanvon N516 Weltbild Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 10,99 EUR

Ersparnis: 1,91 EUR

  • Interkulturelles Lernen / Interkulturelles Training
    Wirksame Selbsthilfe bei Übersäuerung, Viren, Bakterien und Parasiten
    Gesundheitspsychologie - Ein Lehrbuch
    Beständigkeit von Kunststoffen (Zweibändige Ausgabe)
    Marketing: Eine praxisorientierte Einführung
    Internet für Existenzgründer: So nutzen Sie das Netz auf dem Weg in die Selbstständigkeit
    Finanzkrisen im Übergang zum 21. Jahrhundert - Probleme der Peripherie oder globale Gefahr?
    Optimal präsentieren - So überzeugen Sie mit Körpersprache
  • Professionell präsentieren beim Kunden - Erfahrungen aus über 1000 Präsentationen
    Branding für Unternehmensberatungen: So bilden Sie eine Wissensmarke
    Körpersprache im Assessment-Center: Sicher Auftreten - souverän überzeugen
    Marketing - Grundlagen für Studium und Praxis
    Hurentaten

     

     

     

     

 

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Individualisierung


 

4 Diskussion (S. 113-114)

Ein grundsätzliches Problem kennzeichnet die Diskussion um die Individualisierung: die wissenssoziologische Falle. Darunter wird hier unter Rückgriff auf die Tradition der Wissenssoziologie seit Karl Mannheim (1925) verstanden, dass auch soziologische Begriffe historisch situierte Begriffe sind. Wenn Begriffe nicht geschichtsunabhängig formuliert werden können, so stellt sich für die soziologische Erforschung zeitgeschichtlicher Zusammenhänge das Problem, dassman nicht unterscheiden kann, ob sich dieRealität oder die Begrifflichkeit verändert hat. Das heißt, die wissenssoziologische Falle besteht darin, dass wir nicht entscheiden können, ob wir eine Konstanz sozialstruktureller Entwicklungsprozesse und Merkmale haben oder ob die Individualisierungskonzeption nichts anderes als eine terminologische Umorientierung auf der semantischen Ebene ist, die uns die Phänomene anders sehen lässt. Diese missliche Lage fordert dazu heraus, Lösungsvorschläge für dieses Problem zu entwickeln. Diese Herausforderung hat die Soziologie bislang nicht angenommen. Über erste Ansätze etwa in Arbeiten von Peter A. Berger (1987) zu Klassifikationssystemen ist die Soziologie bislang nicht hinausgekommen. Hier liegt ein dringlicher, durch den Individualisierungsprozess aufgeworfener Forschungsbedarf.

In der Rezeption derDiskussion sind vor allem zwei Sachverhalte Gegenstand der kritischen Auseinandersetzung. Einerseits wird auf eine unzureichende analytische Klarheit in der Formulierung der Individualisierungsthese insbesondere in den Schriften von Ulrich Beck hingewiesen. Auf der anderen Seite ist in empirischer Hinsicht bislang keine eindeutige Aussage darüber möglich, ob Individualisierung einen dominierenden Entwicklungsprozess in den hochindustrialisierten Gegenwartsgesellschaften darstellt.
Die Unklarheiten der theoretischen Formulierung der Individualisierungsdiagnose haben eine Vielzahl von Untersuchungen auf den Plan gerufen mit dem Ziel, sie analytisch präziser zu erfassen. Von diesen sind insbesondere die Versuche von Nicola Ebers (1995) und Markus Schroer (2001) zu erwähnen. Beide arbeitenmit denMitteln derGegenüberstellung klassischer und gegenwärtiger soziologischer Individualisierungsbegriffe, um die letzteren klar explizieren zu können. Trotz solcher und ähnlicher Versuche ist es bislang nicht gelungen, eine auch nur näherungsweise einheitliche Bestimmung des Gemeinten zu erreichen. Dies liegt vor allem daran, dass der Begriff vorwiegend als Allgemeinbegriff einer umfassenden Zeitdiagnose aufgefasst wird.

Die Aufklärung des Phänomens Individualisierung wird weiterhin erschwert, weil Individualisierung ein Begriff ist, der in drei verschiedenen Abstraktionsebenen Verwendung findet. Erstens ist Individualisierung ein Oberbegriff für die Gesamtheit der Diskussion, zweitens ist er ein Begriff zur zusammenfassenden Kennzeichnung der gegenläufigen Tendenzen von Individualisierung und Kollektivierung. Drit- tens schließlich ist Individualisierung ein Begriff, der bereichsspezifisch in einzelnen Bindestrichsoziologien in einem jeweils spezifischen Sinn angewandt wird.

Diese Vielschichtigkeit des Begriffs hat die Diagnose zum Anschlusspunkt für vielerlei Diskurse in gesellschaftstheoretischer Hinsicht gemacht. Insofern ist die Unschärfe der analytischen Formulierung der Individualisierungsdiagnose zugleich ein Gewinn für die Diskussion gewesen. Dies darf allerdings nicht als ein generelles Plädoyer für die Fruchtbarkeit vager Begrifflichkeiten missverstanden werden.