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John Maynard Keynes

John Maynard Keynes

von: Gerhard Willke

Campus Verlag, 2002

ISBN: 9783593370347, 184 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 10,50 EUR

Ersparnis: 2,40 EUR

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John Maynard Keynes


 

2.7 Geld, Liquiditätsneigung und Zins

Die Klassik sieht Geld nur als "Schleier" - ohne Einfluss auf den realwirtschaftlichen Sektor. Für Keynes dagegen liegt die Bedeutung des Geldes in seinen Auswirkungen auf die Investitionen I. Geldangebot und Geldnachfrage bestimmen den Zins, und dieser beeinflusst I. Dem Zins kommt somit eine Scharnierfunktion zwischen monetärem Sektor und Realwirtschaft zu. Durch Variation des Zinssatzes kann die Geldpolitik auf I einwirken - und damit auf Gesamtnachfrage, Produktion und Beschäftigung.

In der klassischen Theorie ist Geld neutral, nur ein "Schleier" vor dem güterwirtschaftlichen Geschehen. Geld erleichtert wirtschaftliches Handeln und erlaubt es, die Tauschrelationen zwischen den Gütern in Einheiten einerWährung, also in Preisen auszudrücken. Aber es hat keinen Einfluss auf den realen Wirtschaftsprozess: "Geld macht keinen spürbaren Unterschied." Eine Erhöhung der Geldmenge beispielsweise bewirkt nur eine proportionale Erhöhung der Preise, ohne weitere Auswirkungen auf das Verhalten der Wirtschaftssubjekte und ohne Einfluss auf die realen Größen Konsum, Investition, Produktion oder Beschäftigung.

Keynes vertritt auch in der Frage des Geldes eine zur Klassik konträre Position: "Geld macht doch einen Unterschied!" Bereits im Titel der General Theory signalisiert er, dass es ihm um eine "monetäre" Ökonomie geht, in der Geld eine herausragende Rolle spielt. Der von der Klassik vernachlässigte, für Keynes aber bedeutsame Zusammenhang zwischen dem Geld und den realen Wirtschaftsprozessen ergibt sich aus der Scharnierfunktion des Zinses: Dieser verbindet den Geldmarkt, also den monetären Sektor, mit dem Gütermarkt, also dem Bereich der Realwirtschaft.

Der Zins ist eine monetäre Größe, die sich auf dem Geldmarkt herausbildet in Abhängigkeit von Geldangebot (GeldmengeM) und Geldnachfrage (Liquiditätsneigung L). Zugleich ist der Zins bei gegebener GLF eine Bestimmungsgröße der Investition: I = I (q, i). Im Keynes'schen Modell ist Geld also nicht nur ein neutraler "Schleier", sondern hat über den Zins einen Einfluss auf die Investitionen. Dies lässt sich geldpolitisch nutzen: So führt etwa eine expansive Geldpolitik (M steigt ) - bei konstanter Liquiditätsneigung - zu Zinssenkungen (i ) und dadurch bedingt zu einer Anregung der Investitionen; I aber wirkt sich positiv auf Produktion und Beschäftigung aus.

Die Keynes'sche Geldnachfrage beruht auf drei Motiven: dem Transaktionsmotiv (L : Bedarf an Bargeld für laufende Transaktionen, zum Beispiel Einkäufe), dem Vorsichtsmotiv (Wunsch nach Kassenhaltung für unvorhersehbaren Bedarf) und schließlich dem Spekulationsmotiv (L : Kassenhaltung zum Zwecke der Geldanlage in Abhängigkeit vom erwarteten Zinssatz).Während Transaktions- und Vorsichtsmotiv auch in der Klassik bekannt sind, ist die Spekulationskasse Keynes' Erfindung und Neuerung.

Das Neuartige dieses Erklärungsansatzes besteht darin, dass Keynes den Zins als monetäres Phänomen aus einer Besonderheit der Geldnachfrage erklärt. Die Wirtschaftssubjekte haben eine Vorliebe für Bargeldhaltung und fragen deswegen Geld nach (Liquiditätsneigung/Horten). Nur wenn ihnen ein Anreiz geboten wird, etwa in Form einer Verzinsung, sind sie bereit, gehortetes Geld aus der Hand zu geben und es anzulegen: "Der Zinssatz ist ein Maß unserer Bereitschaft, Liquidität aufzugeben " (GT, S. 167).Die Klassik erklärt den Zins aus demZusammenspiel von I und S auf demKapitalmarkt, das heißt als güterwirtschaftliches Phänomen: Zins ist hier eine Belohnung für Konsumverzicht = Sparen. Für Keynes ist der Zins gerade nicht "die Belohnung für Nicht-Konsum", sondern "in der Tat die Belohnung für Nicht-Horten" (GT, S. 174).