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Intermezzo auf dem Mutschellen (S. 25-26)
Mein Vater wollte bald einmal wissen, wie es uns geht. Bei seinem ersten Besuch konnte ich ihm mit Stolz bestätigen, dass das Geschäft gut läuft. Ich liess ihn einen Blick in meine Ordner werfen. So fasste er Vertrauen in unsere unternehmerischen Fähigkeiten.
Als er etwa zwei Jahre später sein Geschäft in jüngere Hände legen wollte, schlug er uns vor, seinen Betrieb auf dem Mutschellen zu übernehmen. Allerdings nur für eine Übergangszeit, bis mein Bruder so weit wäre, das Restaurant zu führen. Erhard steckte noch in der Ausbildung. Ich war zwar die Erstgeborene, nur zählte das nicht. Vater wollte unbedingt, dass ein Lüscher die Nachfolge in seinem Betrieb antritt. Männliche Nachkommen galten eben mehr als Mädchen. Dennoch gingen wir auf Vaters Angebot ein, unterbreitete er uns doch ausgesprochen günstige Bedingungen für die Übernahme: Wir zahlten die bescheidene Miete von tausendachthundert Franken für das Geschirr, sämtliches Inventar und die Wirtewohnung. Wir konnten das Geschäft komplett übernehmen und sofort beginnen. In Anbetracht der heutigen Verhältnisse waren dies traumhafte Startbedingungen! Gewiss liess sich damit gutes Geld verdienen. Also kündigten wir unseren Vertrag im Tessin und kehrten in die Deutschschweiz heim.
Meine Eltern bauten ganz in der Nähe ein Haus und zogen sich dorthin zurück. Sie sorgten sich nun sehr um die Enkel. Unsere Tochter Eveline war schon im Tessin geboren worden, unsere zweite Tochter Caroline kam auf dem Mutschellen zur Welt. Unsere Kinder spielten gerne bei Opa und Oma. Dort wurden sie umsorgt und oft zu einem Zoobesuch eingeladen oder zu anderen Ausflügen mitgenommen. An unseren freien Tagen fuhren wir meist zu den Eltern meines Mannes zu ihrem Heimetli, dem «Baumgärtli». Die Schwiegermutter verwöhnte uns mit ihrer Kochkunst. Mein Leibgericht war «Himmel und Erde», auch «Schnitz und Härdöpfel» genannt, bestehend aus gedörrten Birnen, Kartoffeln und magerem, geräuchertem Speck. Es wird lange auf kleinem Feuer gekocht. Dieses rustikale Gericht – eine einfache, aber sehr feine Luzerner Bauernmahlzeit – ist heute praktisch vom täglichen Speiseplan verschwunden.
Wenn sich unsere Kinder auf den Fahrten zu den Schwiegereltern im Auto stritten – was oft vorkam –, regte sich mein Mann fürchterlich auf.
Eines Tages, als er von den Streitereien genug hatte, entschied er, einen Zwischenhalt einzulegen.
Wir fuhren durch das Städtchen Sursee, und Balz entdeckte vor dem Hotel Hirschen eine Parklücke. Er wollte gerade einparken, als ihm ein anderes Auto zuvorkam. Das brachte ihn dermassen auf, dass er diesen Wagen einige Male rammte. Obwohl die Kinder im Auto laut schrieen, fuhr er immer wieder auf das Auto los, bis es total eingedrückt war.
Beide Autofahrer stiegen aus und liessen ihren Aggressionen freien Lauf. Sie beschimpften sich so lange, bis mein Mann dem Geschädigten seine Visitenkarte übergab und sich verpflichtete, für alle Kosten aufzukommen. Nun erst beruhigte er sich wieder. Unsere Kinder liebten das Baumgärtli von Grossmuetti und Grossäti und hielten sich mit Begeisterung im Stall auf. Mit grossen Augen schauten sie dem Knecht bei seiner Arbeit zu. Ihre lebhaften Erzählungen von ihren Beobachtungen waren regelmässig mit einem unverkennbaren Stallgeruch begleitet. Ich freute mich mit meinen zwei kleinen Tierfreundinnen und störte mich nicht an deren «Parfum».
Wenn ich während der Heimfahrt meine Lippen rot nachzog, machte sich Balz einen Spass daraus, abrupt zu bremsen. Dadurch strich ich die Farbe bis zum Ohr und sah aus wie ein Clown. Damit bereitete er den Kindern eine helle Freude, und wir konnten alle miteinander lachen.
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