6. 6. Mai (S. 52-53)
Das Inferno fand jäh ein Ende.
Die Roboter, die aus beiden Richtungen in den Saal stürmten, stellten unvermittelt das Feuer ein und zogen sich zurück.
Einige Meisterdiebe jagten ihnen Schüsse hinterher.
Rhodan hingegen fragte sich, weshalb sich die Situation so grundlegend geändert hatte. Es war in der Sekunde geschehen, nachdem Imosazi getroffen worden war. Hatte das etwas zu bedeuten? Oder war es ein makabrer Zufall?
Pothawk kniete längst neben der reglosen Laosoor, die in einer ständig größer werdenden Blutlache lag. Aus ihrem Mund drang ein leises Stöhnen.
Ihr Brustkorb war dicht unterhalb des Halsansatzes zentimeterbreit aufgerissen, das Fell weitfl ächig verschmort. Aus der Wunde ragten bleiche Knochen mit zersplitterten Enden. Für einen Laien, wie es der Terraner zweifellos war, bestand kein Zweifel, dass die Meisterdiebin im Sterben lag.
Pothawk beugte sich dicht an ihren Kopf und umfasste ihre Ohrenhände. Seine nächsten Worte versetzen Rhodan, der die Szene erschüttert beobachtete, in Erstaunen. »Imosazi ... ich kenne dich und liebe dich trotzdem.«
Dann lag die Laosoor still.
Pothawk erhob sich und war von einer Sekunde zur nächsten wieder jeden Zoll ein Anführer, der nur seinen Auftrag kannte. »Sie ist tot. Wir können ihr nicht mehr helfen. Wir müssen herausfi nden, warum die Roboter angegriffen und sich dann zurückgezogen haben.«
Im selben Augenblick fl immerte die Luft neben ihnen, und ein schwebender Behälter von zwei Metern Größe entstand. Oder wurde sichtbar, wie Rhodan begriff. Er war bisher hinter einem Tarnschild versteckt gewesen, das ihn vor Blicken verborgen hatte. Der Terraner erkannte sofort, worum es sich bei diesem Behälter handelte. Er hatte zu oft Ähnliches gesehen. Dies war ein Überlebenstank.
Darin schwamm in trüber Flüssigkeit eines der Mechanikergeschöpfe. Es war völlig nackt und genauso dürr wie die Leiche, die Rhodan untersucht hatte. Der runde Kopf pendelte auf dem winzigen Hals, und die kleinen Augen öffneten sich. Gleichzeitig vibrierte die grau schimmernde Mem-bran in der unteren Kopfhälfte, und nun bestand kein Zweifel mehr, dass es sich dabei um ein Sprechorgan handelte.
»Ich habe einen Fehler begangen«, drang aus einem Akustikfeld an der Oberseite des Überlebenstanks eine Stimme, die sich der Sprache der Mächtigen bediente. »Vergebt mir, Gesandter der Kosmokraten. Ich hielt Euch für denjenigen, der das Verderben über CHEOS-TAI gebracht hat, aber nun weiß ich, dass Ihr gekommen seid, um den GESETZGeber zu retten. Ich habe Eure Aura erkannt. Gerade noch rechtzeitig zog ich das Roboterheer zurück, nachdem Ihr in den Saal zurückgekehrt seid, in dem ich ruhe.«
Nicht mehr rechtzeitig für Imosazi, durchfuhr es Rhodan, aber er sprach es nicht aus. »Sprich weiter.«
»Ich bin Yomhazanevan aus dem Volk der Tefta-Raga. Bei Eintreten der mentalen Todesstrahlung habe ich mich in diesen Überlebenstank fl üchten können und liege seitdem in einem Wachkoma, das eine Beobachtung der Außenwelt zulässt. Als Ihr Euch nähertet, zwang ich mich in einen bewussten Zustand zurück. Ich glaubte, Ihr führtet ein Kommando der Chaotarchen an, deshalb ließ ich Euch angreifen. Vergebt mir, Herr.« Rhodan fühlte sich nicht in der Lage, diesen Wunsch zu erfüllen. Wer war er, dass er Vergebung aussprechen konnte?
Yomhazanevan redete weiter. »Ein tragischer Irrtum. Ihr seid der Retter. Nun, da Ihr hier seid, erlaube ich mir endlich zu sterben. Seit ich die Todesstrahlung fühlte, warte ich sehnsüchtig darauf, denn mein Körper ist eine Hölle aus Schmerzen. Darf ich sterben, Herr?«
Rhodan spürte angesichts dieser Frage einen Schauer über seinen Rücken laufen. »Bald, Yomhazanevan. Zuvor bitte ich dich um einen Statusbericht von CHEOS-TAI.« »Wie Ihr befehlt. Doch habt bald Gnade.«
»Du musst nicht mehr lange aushalten.« Die Worte schienen einen Kloß in seinem Hals zu bilden.
»Der GESETZ-Geber wurde erst vor wenigen Monaten an diesen Ort geliefert, Herr. An Bord befi nden sich nur wir, das Installationskommando der Tefta-Raga. Wir waren dabei, CHEOS-TAI für den Flug nach Tare-Scharm bereit zu machen. Nicht alle Aggregate konnten wir modifi zieren, während Strangeness-Effekte allgegenwärtig sind. Dennoch befi nden sich die Vorbereitungen kurz vor Vollendung. Nachdem die Aggregate abgekühlt sein werden, steht der GESETZ-Geber zur Verfügung. Der initiierende Vorgang ist nahezu abgeschlossen. Wir haben unsere Aufgabe erfüllt, Herr.«
»Auf die Tefta-Raga ist Verlass«, lobte Rhodan, der dem gequälten Wesen etwas Gutes tun wollte. »Aber in der großen Halle schien das energetische Herz noch nicht bereit zu sein.«
»Die Kernaggregate bedürfen eines gewissen Aufwandes, doch es ist bereits Manövrierfähigkeit hergestellt. Ihr könnt in hinreichendem Maß über CHEOS-TAI verfügen.
Die Thermodyn-Ingenieure werden erst in Tare-Scharm einschleusen, also seid unbesorgt. Kein einziges Mitglied der eigentlichen Mannschaft kam also zu Tode. Nur wir Tefta-Raga starben, aber wir haben unsere Aufgabe erfüllt. Darf ich endlich sterben, Herr?«
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