4. 5. Juli 1346 NGZ Schiffstorkeln im Weltraum (S. 22-23)
Als sie sich wieder gegenüberstanden, waren die Traitanks aus der Umgebung des Sterns verschwunden. Nicht nur das versprach eine bessere Entwicklung: Auch Rea-Chi- D’un nicht wiederzuerkennen.
Die Kartanin hatte fast einen Tag benötigt, um all das Material zusammenzutragen, das die Galaktiker mitnehmen sollten, und eine halbwegs sichere Route ins Quam-System zu erstellen.
Atlan hatte sie gewähren lassen. Die Kommandantin und ihre Leute waren hier zu Hause, nicht er. Er vertraute darauf, dass sie wussten, was sie zu tun hatten, in ihrem beiderseitigen Interesse.
Das Vertrauen, das sie ihnen entgegenbrachte, gedachte er zu erwidern. Sokrat und Dr. Indica sahen das ebenso. Ungeduld oder gar Misstrauen wären in ihrer Situation das denkbar schlechteste Signal gewesen.
Die Kartanin kam mit einigen Astronauten aus ihrer Besatzung auf das terranische Schiff. Atlan sah die Veränderung sofort. Sie wirkte frischer und sehr viel zuversichtlicher und gelöster als am vorigen Tag. Da war überhaupt kein Vergleich mehr möglich. Sie muss sich sehr verlassen vorgekommen sein, wisperte der Extrasinn. Sie stand ganz allein gegen eine unüberschaubare Übermacht, hatte vielleicht viele Niederlagen einstekken müssen. Sie war schon fast dabei, ihre Hoffnung zu verlieren – und dann kamt ihr und habt ihr den Mut zurückgegeben.
Dr. Indica sah es ähnlich, sein »Orbiter« Sokrates ebenfalls. Damit herrschte Einstimmigkeit, und dennoch gefi el es ihm besonders, mit Indica einer Meinung zu sein. Er hatte immer gern mit Nexialisten zu tun gehabt. Es war stets eine besondere Herausforderung gewesen, mit ihnen zu diskutieren. Sie waren nicht auf eine Denkschule oder wissenschaftliche Fachrichtung festgelegt, sondern wuss-ten von allem ein wenig – und miteinander verknüpft, ergab sich oft eine Potenzierung mit erstaunlichen Ergebnissen. »Hiermit seid ihr für alle Eventualitäten gut gerüstet«, erklärte die Kommandantin, nachdem sie ihr Material vor Atlan auf einem kleinen Tisch im Hintergrund der Zentrale ausgebreitet hatte. Die Beleuchtung ließ ihr katzenhaftes Gesicht entschlossen wirken. Ihre Finger strichen wie noch einmal prüfend über Speicherkristalle und ausgedruckte Mappen. »Es sind alle Daten, die wir selbst über Hangay und die Verteilung der feindlichen und unserer eigenen Kräfte besitzen. Du wirst gut darauf achtgeben, Imago Zwei, ja?«
Atlan sah sie nachdenklich an.
»Sicher werde ich das. Und ich werde sie benutzen. Wie aktuell sind deine Karten, Kommandantin?«
Die Kartanin lächelte schief. »Aktueller als jede andere. Unsere Karten basieren auf Beobachtungen unserer Schiffe und sind immer auf dem neues-ten Stand, jedenfalls soweit technisch möglich. Lass deine Rechengehirne sie mit deinem Material abgleichen, und du wirst sehen, dass es erstaunliche Dinge zu entdecken gibt.«
Er kniff die Augen zusammen. Sie tat es ihm gleich, als wolle sie sagen: »Du wirst schon sehen ...«
»Du bist sehr großzügig, Kommandantin«, sagte Indica laut, aber in freundlichem Tonfall. »Wir danken dir, Rea-Chi.«
»Ja«, pichtete er ihr bei. »Gibt es noch etwas, das wir wissen sollten?« »Nein«, antwortete die Kommandantin. »Wir kehren jetzt auf unser Schiff zurück. Dann werden wir aufbrechen. Wir setzen mit der KITONI und der ASHUKE unsere Erkundungsmission fort, und ihr iegt nach Quam weiter. Bringt unsere Unterlagen der Kansahariyya. Ein Kurier ist sicherer als Funk – und vor allen Dingen schneller.« Der Arkonide verspürte Rührung. Noch deutlicher konnte ein Vertrauensbeweis nicht mehr sein.
Die neuen Verbündeten nahmen Abschied voneinander.
Kaum war Rea-Chi gegangen, wechselten Indica und Atlan nachdenkliche Blicke. Sie entschieden gemeinsam, die Kartanin zurückzuholen.
Und so wuchs die Mannschaft der RICHARD BURTON um eine Handvoll Kartanin, während an Bord der KITONI und ASHUKE die Kommandogewalt vorläufi g an Rea-Chis Stellvertreter überging.
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