3.1 Produktion: alleine, im Team, im Kollektiv (S. 90-91)
Sie sehen es schon am merkwürdigen Gliederungspunkt, dass hier ein Einschub abgebracht ist. Wir gehen jetzt nach dem Planungsteil in die Produktion. Aber solche Produktionen laufen in diesem Jahrhundert in sehr flexiblen Modellen ab. Diese wollen wir kurz beschreiben.
Alleine schreiben (Autor)
Das ist der einfachste Fall, von dem gehen wir erst einmal aus. Sie sind wie im Eingangskapitel beschrieben alles in Personalunion. Das bedeutet, dass alle Planungen und alle anschließenden Produktionen rein in Ihren Händen liegen. Der Vorteil besteht natürlich in den kurzen Wegen. Von der linken zur rechten Hirnhälfte ist es nicht weit. Allerdings arbeiten Sie auch mit einem klaren Nachteil. Sie können sich irren und merken es nicht.
Deswegen sollten Sie von einer alleinigen Autorschaft und Planung ein wenig abrücken und in folgenden Schritten Hilfe holen:
Sprechen Sie, bevor Sie Ihre Planung starten, entweder mit Usern Ihrer bisherigen Inhalte oder mit einem Vertrauenspartner, um aus dem Bisherigen ein wenig zu lernen und sich anregen zu lassen: Haben Sie die bisherigen Fehler und Stärken verstanden? Haben Sie genügend Fragestellungen, um die Planung anzugehen? Sind diese Fragestellungen auch relevant für das Projekt. Zeigen Sie diesen Menschen Ihre Planungen und die ersten Produktionsergebnisse und fragen Sie deren Reaktionen ab. Auch wenn die Planung sauber rüberkommt, sollten ein paar Beispiele des Contents zeigen, ob Sie der Theorie auch die richtige Praxis folgen lassen.
Machen Sie auf jeden Fall noch einen Schlusscheck mit einer dritten Person, die Ihre Texte, Videos, Töne gegencheckt und Tippfehler, schlechte Schnitte, holprige Passagen anmahnt. Tippfehler sind eine Sache, unlogische Passagen zu finden oder die Frage, wie die Aussagen zueinander passen, ist Gold wert. Seien Sie nicht böse, wenn jemand dann diese Fehler findet, seien Sie glücklich, dass er/sie entdeckt hat Was diese drei Schritte aussagen: Achten Sie auf eine zweite Stimme und auf zwei weitere Augen, um Fehler zu vermeiden. Niemand ist alleine wirklich gut, wenn er ohne Feedback ein Produkt komplett von der Idee über die Produktion bis zur Publikation fertigstellen muss.
Andere für sich schreiben lassen (Redaktion)
Wie im Eingangskapitel bei den beiden Beispielen durchgeklungen ist, besteht im professionellen Umfeld oft eine Trennung zwischen Konzept und Umsetzung. Beides zusammen in einem Hirn stattfinden zu lassen (siehe oben), hat eben den Nachteil, nicht genügend Distanz zum gesamten Projekt zu entwickeln. Deshalb wäre es auch für Sie ideal, wenn Sie mindestens noch ein Alter Ego in einem der beiden Bereiche hätten. Logischerweise gehen wir hier davon aus, dass Sie dabei die Fäden der Konzeption in der Hand behalten. Aber das muss nicht sein.
Egal, in welcher Rolle Sie dann am Projekt teilhaben, es kommen auf jeden Fall neue Arbeitsschritte auf Sie zu. So ist es sinnvoll, mindestens drei Meetings anzusetzen, um die Produktion und die Publikation von Content auf dem Konzept sauber aufzusetzen.
Ein „Kick-off"-Meeting spricht noch einmal die wesentlichen Punkte des Projekts durch und teilt dem oder den Autoren die Zielgruppe, die Botschaft, die Kanäle und die Formatierungen des Vorhabens mit. Das ist notwendig, um sich im Inhalt darauf auszurichten. Dabei ist es auch wichtig, sich über die Redaktionshoheit und die absoluten MUSS-Regeln zu einigen. Es muss also klar sein, wer im Projekt inhaltlich das letzte Sagen hat. Dieses Recht kann bei den Autoren liegen, muss es aber nicht. Und das bedeutet auch, dass gewisse Regeln des Zusammenspiels, die Art und das Format der Lieferungen und schließlich auch der Redaktionsschluss definiert werden. Ohne diese Angaben landet ein Projekt im Chaos. Fassen wir das deshalb noch einmal zusammen:
Ist allen klar, welches Konzept das Projekt hat? Wer verfasst was und welchen Anteil daran? In welcher Form und wann wird was abgegeben? Wer korrigiert und „gibt frei"? Welche Qualität der Beiträge soll erreicht werden? Was passiert im Fall, dass die erwartete Qualität nicht erreicht wird? Welche finanziellen oder nicht finanziellen Belohnungen sind für die Teilnahme am Projekt vorgesehen? Was passiert im Fall, dass generell der Beitrag als nicht geleistet gesehen werden muss?
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