Prolog (S. 4-5)
Natürlich war der Raum nicht leer, wenngleich er oft fälschlicherweise als »Leerraum« bezeichnet wurde. Die sternenlosen, endlos klaffenden Wüsten zwischen den Galaxien waren kahle Landschaften voller fl üsternder Geheimnisse und Geschichten. Dort, weitab von den Welten des Lebens, gab es trotzdem Straßen, hatten die Wesen aus den Sternenoasen ihre Brücken geschlagen, hallten die Echos von kühnen Raumfahrten und von Dramen und Tragödien nach, die sich bereits abspielten oder noch abspielen würden. Zeit kannte keine Richtung.
Manchmal gab es stumme Zeugen solcher Geschichten, in der Kälte gefrorene Orte ewiger Verschwiegenheit, die ihre Schätze bis in alle Ewigkeit konservierten. Manchmal waren sie das Ziel tollkühner Abenteurer. Ab und zu aber gab es andere Gründe, gute Gründe für diejenigen, die nicht vergessen hatten ...
Als die beiden Traitanks der Terminalen Kolonne TRAITOR im Raum vor der Galaxis Tare-Scharm aus dem Hyperraum fi elen, weit außerhalb des Grenzwalls, schienen ihre Besatzungen genau zu wissen, wonach sie zu suchen hatten. Sie steuerten unverzüglich auf die beiden Wracks zu, die an diesem Ort in den Gezeiten der scheinbaren Leere drifteten wie seit dem Anbeginn des Universums. Auf den ersten Blick waren sie nicht als ehemalige Traitanks zu erkennen, denn kaum etwas erinnerte an die fl achen, stolzen Diskusraumer. Die beiden Körper erinnerten vielmehr an die Schalen von Nüssen, die eine stählerne Faust zertrümmert und »geknackt« hatte.
Falls die Wesen in den beiden neu eingetroffenen Schiffen der Kolonne einen solchen Vergleich überhaupt je hätten anstellen können ... Die Traitanks näherten sich mit erkennbarer Vorsicht und nahmen die Wracks in Augenschein. Sie lauschten in die Stille hinein, schickten ihre Orterstrahlen, vermaßen und registrierten, wo es nichts mehr zu registrieren gab. Die Wracks waren tot, dort lebte niemand mehr. Sie waren Treibgut der Leere, bestenfalls Schrott, dessen Material vielleicht irgendwann auf-gesammelt und recycelt werden konnte. Dennoch dauerte es auffallend lange, bis sich die Traitanks von ihnen zurückzogen. Eine Nachricht wur-de auf ihren langen Weg zu einem unbekannten Empfänger geschickt.
Der kommandierende Kalbaron aus dem Volk der Morgoth’Daer wusste weder, wie dieser andere aussah, noch was er mit seiner Botschaft anfangen würde. Es war auch nicht seine Aufgabe, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Der Kalbaron schickte alle im Leerraum vor Tare-Scharm gesammelten Informationen mit Bildern und Daten der beiden Wracks. Er erwartete keine Antwort. Aber er verzichtete nicht darauf, seine Beobachtungen knapp zu kommentieren. Es waren zwei weitere Einheiten der Terminalen Kolonne vernichtet aufgefunden worden. Wer immer dafür verantwortlich war, er hatte wieder zugeschlagen ...
Die Nachricht verließ die Antennen des Traitanks. Beide Kolonnen-Späher drehten ab und nahmen mit abenteuerlichen Werten Fahrt auf, um ebenso schnell von der Bildfl äche zu verschwinden, wie sie erschienen waren. Zurück blieben zwei leblose Trümmerhaufen, die früher einmal Tod und Verderben über den Welten und unter den Schiffen des Feindes gespien hatten. Irgendwann würde vielleicht ein Recyclingkommando auf der Bildfl äche erscheinen und sie zur Verwertung ab-transportieren oder gleich an Ort und Stelle zerlegen. Bis dahin trieben sie weiter mit den Gezeiten des Alls und zwischen den Lichtinseln der Galaxien. Zwei stumme Zeugen eines Kampfes, der in den Regeln der Terminalen Kolonne TRAITOR nicht vorgesehen war ...
1. 1. November 1346 NGZ/20.059.813 v. Chr.
Es war wie fast immer, wenn man einen neuen Kurs setzte, ein neues Ziel anvisierte. Und es war jedes Mal umso schlimmer, je höher man seine Erwartungen gesteckt hatte. Perry Rhodan war frei von solchen fraglichen Einstellungen. Ihr Ziel, das ideelle, war unverändert hoch: zwanzig Millionen Jahre in der Vergangenheit zu beobachten, wie die Superintelligenz ARCHETIM vor ihrem »Tod« die Negasphäre Tare-Scharm zurück in ihren Urzustand versetzte. Die Menschen und anderen galaktischen Völker brauchten dieses Wissen, um gegen die aktuelle Bedrohung durch die Terminale Kolonne TRAITOR und die sich in der Nachbargalaxis Hangay entwickelnde Negasphäre bestehen zu können.
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