4. (S. 20)
Perry Rhodans Kombi-Armband meldete sich mit einem hellen Summton. Es kam so gut wie nie vor, dass Rhodan einen Anruf nicht sofort annahm. Diesmal aktivierte er die Wiedergabe erst nach dem zweiten Signal.
Er schaute zu Gucky hinüber. Zum ersten Mal seit vielen Minuten grinste der Ilt, entblößte sogar seinen Zahn, und Rhodan entging keineswegs, dass der Kleine dabei auf Varantir schielte. Der Algorrian stinkt gegen den Wind. Genau so interpretierte der Resident Guckys schiefen Blick.
Abgesehen davon, dass im Bereich des Kontextwandlers die Luftumwälzung gedrosselt arbeitete, fand der Terraner, übertrieb der Ilt schamlos. Gucky hatte nur keine Lust, einen hochkomplexen technischen Vortrag über sich ergehen zu lassen. Eigentlich verströmte Curcaryen Varantir nur einen leichten Moschusgeruch.
Mondra war die Anruferin. Die kleine Wiedergabe ließ erkennen, dass sie sich in der Zentrale aufhielt. Hinter ihr war der Platz des Ersten Offi ziers, und der Hologlobus füllte das restliche Bild aus. Also stand sie unmittelbar vor der Station Funk und Ortung. »Probleme?«, fragte Rhodan alarmiert. Mondra hätte ihn nicht wegen einer banalen Ortung im Gespräch mit dem Algorrian gestört.
Varantir räusperte sich ungeduldig. Er schaute zu den Wissenschaftlern hinüber, die Messungen im Außenbereich des K-Wandlers vornahmen. Wortlos ging er zu ihnen. Gucky rümpfte die Nase, schaute dem Algorrian sekundenlang hinterher, dann wandte er sich wieder Rhodan zu und streckte seine Rechte aus. »Wir teleportieren, Chef?« Das war schon mehr Feststellung als Frage.
Für Rhodan war sofort klar, dass der Ilt jemanden aus der Zentrale telepathisch ausgespäht hatte. Wahrscheinlich die diensthabende Funkerin.
»Hier herrscht Aufruhr im Funkbereich«, sagte Mondra. »Ein kleiner Konvoi von Schiffen ist vor wenigen Minuten durch den Hyperkorridor Eledain-Cishon eingefl ogen.« Das war der Zugang aus dem Standarduniversum ins INTAZO, zugleich der Geburtskanal, über den die Superintelligenz ELEDAIN die Sekundim ausgeschickt hatte. Die JULES VERNE hatte ebenfalls durch diesen undefi nierbaren grauen Korridor das Truppenlager erreicht.
»Ich nehme an, die Ortung erfasst noch keines der angekommenen Schiffe.« Einigermaßen gut zu erfassen war mit den Ortungen des Hantelraumschiffs nicht mehr als ein Drittel des Hyperkokons. Der Einfl ugbereich lag in hyperenergetischem Chaos verborgen.
»Die Buschtrommeln arbeiten jedenfalls präziser«, stellte Mondra fest. »NEMO hat schon die besten Quellen herausgefi ltert. Momentan verbreitet sich die Neuigkeit unter den Modulardocks. Wir haben es mit Tenderschiffen der Bakosh‘wish zu tun ...«
»Welche Fracht?«, unterbrach Rhodan.
Mondra schürzte die Lippen. »Wann kann man dich einmal überraschen?«, fragte sie.
»Hoffentlich nie! Also, heraus mit der Sprache.«
»Traitanks«, stellte Gucky fest. So schrill, dass sich sogar Varantir nach ihm umdrehte. »Havarierte Traitanks!«, berichtigte Mondra. »Wahrscheinlich Wracks. – Gucky, du solltest nicht nur oberfl ächlich espern.«
»Du meinst, wenn schon, dann richtig? Klar hab ich das gewusst. Ich wollte dir nur nicht vorgreifen, Mondra ...«
Immer noch streckte der Ilt Rhodan die Hand entgegen. Jetzt griff der Resident zu. Gucky schnappte nach Luft und teleportierte.
»Du hast einen Griff wie ein Schmied, Perry«, protestierte er, als sie zwischen den Arbeitsstationen auf dem COMMAND-Podest materialisierten. »Oder rieche ich schon so streng wie ein Algorrian?« Manchmal war Gucky unausstehlich. »Der Konvoi fl iegt tiefer in den Kokon ein!«, stellte die Funkerin fest.
»Was ist mit den Traitanks? Handelt es sich um Schiffe, die von den Sekundim zerquetscht wurden?«
Rhodan hatte den Satz kaum zu Ende gesprochen, da meldete die Ortung, dass der Konvoi eine Überlichtetappe hinter sich gebracht hatte.
»... acht große Tenderschiffe. Rücksturz knapp fünfzehn Lichtminuten entfernt. Ihr Kursvektor zielt auf Modulardock ANC 90.«
Rhodan wandte sich dem Holo-Projektionsbereich vor dem Pilotenplatz zu. Ortungsdetails wurden über mehrere Bildfl ächen wiedergegeben. Sie zeigten die stilisierte taktische Aufbereitung mit eingeblendeten Kursberechnungen, dazu alle relevanten Messungen wie Masse, Energiewerten, relativer Geschwindigkeit und Beschleunigung. Daneben baute sich die grafi sche Darstellung auf. Die Tenderschiffe der Bakosh‘wish erschienen wabenförmig, vierhundert Meter dick und 1330 Meter durchmessend.
Die Abbildung wurde permanent verbessert. Höchstens dreißig Sekunden vergingen, bis erkenntlich wurde, dass jeweils zwei dieser Sechseckplatten gemeinsam einen Schiffskörper bildeten. Berührungsfrei lagen sie einander gegenüber wie die Platten von Kondensatoren. Ein energetisches Gefl echt, vorerst nur mit groben Linien dargestellt, fi xierte die Platten, und möglicherweise war ihre Distanz zueinander variabel.
Rhodan nahm an, dass die Fracht zwischen den Plattensegmenten transportiert wurde. Um was es sich wirklich handelte, blieb vorerst offen. Allerdings waren es entgegen der ersten Aussage nur vier Tenderschiffe; die Anfangsortung hatte das Verbindungsgefl echt nicht erkannt.
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