5. Vergangenheit: Ekatus Atimoss (S. 17-18)
Der Terminale Herold trug einen Namen: Glinvaran. Er strahlte frostige Kälte aus, der nichts innewohnte, die mit irgendetwas vergleichbar war. Es war nicht nur Angst, die der Dual empfand; es war das deutlich spürbare Gefühl, dass das gefl ügelte Wesen sie beide durchschaute und jede einzelne Regung, die sie jemals durchgemacht hatten, mit seinen seltsamen Sinnen begriff.
Ekatus Atimoss kam sich nackt vor. Dies hier war ein Gott. Ein Geschöpf, das in der Kraft seiner unendlichen Hingabe niemanden über sich duldete. Ein Progress-Bewahrer mochte mehr Macht besitzen und die Geschicke in TRAITOR leiten; der Terminale Herold jedoch war als moralische Instanz einzigartig.
Die letzten Augenblicke in der Existenz von Ekatus Atimoss brachen an. Er überreichte seinen Bericht, gab in spröden Worten eine Zusatzerklärung ab und bekannte sich schuldig, die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt zu haben.
Ein weiterer Kälteschwall packte ihn ein. Sie ließ ihrer beider Geister einfrieren und machte Platz für den suggestiv verursachten Befehl, sich das Leben zu nehmen.
»Wir wollen nicht!«, jammerte Ekatus. Er schob den Kopf an seinem langen Hals in Richtung Terminaler Herold und rollte bittend mit den Augen. »Gib uns frei, großer Herr!«, fl ehte er. »Wir möchten nicht sterben; wir sind glücklich, wenn wir die niedrigste aller Aufgaben in Tare-Scharm erfüllen dürfen. Lass uns vordringen in die Proto-Negasphäre, damit wir noch einmal den Hauch der Heimat spüren können.«
Die Flügel des Terminalen Herold schlugen einmal, zweimal. Seine Stimme klang sanft und desinteressiert. »Du widerst mich an, Duale Hälfte. Nichts in dir birgt ein Potenzial, das es wert wäre zu retten. Dein Partner besitzt wenigstens den Anstand, zu schweigen und mein Urteil hinzunehmen. Du hingegen bittest und bettelst.«
Der Luftschwall eines weiteren Flügelschlags fächelte über Ekatus hinweg. Das Kältegefühl in seinem geteilten Körper gewann eine neue Dimension.
»Kein Dual«, so fuhr Glinvaran fort, »besitzt das Anrecht auf Privates. Er ist Eigentum der Kolonne. Er ist ein Geschöpf, das für bestimmte Zwecke gezeugt wird. Du hast schmählich versagt, und deshalb musst du entsorgt werden.«
Ekatus wandte sich Atimoss zu. Er bemühte sich vergebens, in den Singulären Intellekt zu schlüpfen, um seinen dualen Partner um Unterstützung zu bitten. Der reagierte nicht auf sein Bitten und Drängen.
»Der Moment ist gekommen«, sagte der Terminale Herold mit sanfter Stimme. »Vollende deinen Lebenszyklus. Nimm dir die Ruhe, die du benötigst.«
Die Kälte nahm Ekatus und Atimoss vollends in Beschlag. Sie bereitete den Boden für einen suggestiven Wirbel auf, der vom Gefl ügelten ausging. Sanft und dennoch drängend legte sich diese unheimliche Kraft über die beiden Dualhälften.
Der Trageroboter stand still. Alle Funktionen brachen ab.
Ekatus und Atimoss bemühten sich zu widerstehen. Irgendwie klang dieses Urteil ... ungerecht. Es ging am Kern der Sache vorbei. Sie büßten für einen Fehler im System. Niemand hatte damit gerechnet, dass ein Wesen wie Perry Rhodan auftauchen würde. Niemand hatte auch nur geahnt, dass es ihn gab.
»Ich will ... nicht!«, ächzte Atimoss, der sich vom wachsenden Widerstandsgeist seines Partners nur allzu gerne anstecken ließ. »Wir müssen zu einer anderen ... Lösung finden ...«
Die Wirkung der vom Terminalen Herold ausgehenden Suggestivkraft verstärkte sich immer mehr. Wie Hitze legte sie sich nun über Ekatus Atimoss. In ihr schwang eine seltsame Hingabe mit. Ein Gefühl, das gänzlich anders als die bislang gespürte Kälte wirkte. Die Wärme schwächte den Dual und ließ beide Seiten an Dinge denken, die ihnen niemals zuvor in den Sinn gekommen waren.
Wie schön wäre es, einfach aufzuhören? Sich fallen zu lassen und jegliches Denken einzustellen. Den Herzschlag zu senken und in einen tiefen Schlaf zu rutschen? »Nein! Aufhören!«, rief Ekatus. Er bäumte den gemeinsamen Körper auf. Der sonst schwächere Teil des Duals wehrte sich mit aller Kraft seines zerrütteten Geistes. In gewisser Weise half ihm das Manko, nicht ganz Herr über seine Sinne zu sein. Seine geistige Zerrüttung schuf eine Schutzschicht. Die Suggestivbefehle des Terminalen Herold erreichten ihn nicht mit jener Intensität, die Atimoss in seinem Kopf verspürte. »Lass es bleiben«, senkte sich die sanfte Stimme Glinvarans einmal mehr in den Kopf des Odonen. »Die Ruhe wird dir gut tun.«
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