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Aufbruch der Friedensfahrer (Band Nummer 2426)
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Aufbruch der Friedensfahrer (Band Nummer 2426)
von: Uwe Anton
Pabel-Moewig Verlag, 2008
 
Format: PDF, PDF
geeignet für: PC, MAC, Laptop Online-Lesen



Print-Preis:    €  1,85  
Preis:      1,35  
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Kapitelübersicht
Kurzinformation
Inhaltsverzeichnis
Leseprobe
Blick ins Buch
Fragen zum eBook?
48 Seiten
Download: 2616 KB
ISBN: PR2426BOOK
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Leseprobe

1. Luna
2. Juli 1346 NGZ
(S. 4-5)

Reginald Bull brachte Kantiran keine besondere Zuneigung entgegen. Respekt ja, aber kaum Sympathie. Der junge Mann hatte einiges erreicht für sein Alter. Doch das war zu erwarten gewesen, schließlich war er Perry Rhodans Sohn. Aber er war Kantiran, und Bull war es einfach nicht gelungen, eine engere Beziehung zu ihm aufzubauen. Umgekehrt galt das sicher genauso, da machte Bull sich nichts vor. Für ihn war Kantiran der Friedensfahrer, und für den jungen Mann war er der Verteidigungsminister der LFT.

Nicht Onkel Bully. Oder wenigstens On-kel Reginald. Wie es für Perrys Sohn Michael gegolten hätte, besser bekannt als Roi Danton, dessen Leiche ausgerechnet Kantiran vor wenigen Tagen zur Erde gebracht hatte. Bull spürte, dass er unwillkürlich mit den Zähnen knirschte. Nicht Mikes Leiche, rief er sich zum wiederholten Male in Erinnerung zurück. Mahnte er sich. Sondern den Leichnam des Dualen Kapitäns Dantyren, den die Terminale Kolonne TRAITOR auf für uns ungeklärte Weise aus Mikes Körper geklont oder sonstwie hergestellt hat. Mike lebt, sagte sich Bull. Was ich da gesehen habe, war nicht er oder ein Teil seines Körpers, sondern eine Schimäre aus einer Schreckenskammer der Kolonne, ein furchtbares Zerrbild, das bei normalen Menschen nur Ekel und Abscheu hervorrufen kann.

Am 28. Juni war Kantiran im Solsystem gewesen und hatte den Körper übergeben. Einen Tag später war er wieder aufgebrochen. Sie hatten sich knapp verpasst; Reginald war erst einen Tag darauf, am 30. Juni 1346 NGZ, wieder zu Hause eingetroffen.

Bull wurde unwillkürlich neidisch, wenn er überlegte, unter welchen Bedingungen Kantirans Flug stattgefunden hatte. Er und seine Freundin, die Cyno Cosmuel Kain, hatten am 21. Juni Cala Impex, den Stützpunktmond der Frie-densfahrer im Halo von Hangay, in Richtung Erde verlassen. Mit einem Überlicht-Faktor von 120 Millionen waren sie lediglich eine Woche später via BACKDOOR-Transmitter im Solsystem eingetroffen. Eine Woche von Hangay zur Milchstraße, dachte Bull. Was würde ich dafür geben, an die Technik der Friedensfahrer heranzukommen! Aber sie werden sie uns nicht zur Verfügung stellen ...

»Sie kommen«, riss eine Stimme Reginald Bull aus seinen Gedanken. Sie gehörte einem der Adjutanten,die ihn auf Schritt und Tritt umschwirrten. Es waren fünf pro- Schicht, und da sie – im Gegensatz zu ihm, diesen Eindruck hatte er zumindest – gelegentlich auch schlafen mussten, hatte er es an manchen Tagen mit 15 von ihnen zu tun. Dennoch kannte er jeden Einzelnen zumindest namentlich, obwohl er sonst kaum etwas von ihnen wusste. Dieser Mitarbeiter hieß Jeronimo Voss, war Abkömmling einer uralten Dynastie von Mathematikern, die sich bis ins 20. Jahrhundert alter Zeitrechnung zurückführen ließ, und eigentlich nur rein zufällig in den gehobenen Ministerialdienst geraten.

Bull räusperte sich und rief sich zur Ordnung. »Danke, Jeronimo. Kriegen wir ein Holo hin?« Wieso war er nur dermaßen angespannt, wenn er es mit Kantiran zu tun hatte?

Weil die Arkonidin Ascari da Vivo die Existenz von Perrys Sohn verheimlicht hatte und den Jungen in ihrem Sinn erziehen ließ – gedacht als Waffe gegen Perry und die Menschheit? Nein ... denn diese Waffe war ihr förmlich in den Händen explodiert ... als Kantiran seine Herkunft erfuhr. Seitdem war er ruhelos gewesen, unstet, ein Getriebener, erst Sternenbastard, dann Sternenvagabund und jetzt ... immer noch ein Fremder, dem man nicht trauen konnte. Nicht völlig. Nicht so wie ....

»Schon da, Reginald.« Bull schüttelte sich unwillkürlich. Die Stimme des Adjutanten kam ihm vor wie ein Störenfried, der sein sorgsam errichtetes Gedankengebäude einzureißen drohte. Eine lächerliche Auffassung, das war ihm selbst klar. Als Verteidigungsminister der LFT hatte er genug zu tun, ohne sich über Kantiran Rhodan den Kopf zerbrechen zu müssen. Doch wenn er an den jungen Halbterraner dachte, sah er Dantyrens Leichnam vor sich – und war in Gedanken wieder bei Mike. Er lebt. Und das ist nicht nur eine Hoffnung, sondern eine Tatsache.

Er schaute zu dem Holo, das Jeronimo generiert hatte. Es zeigte einen rot leuchtenden Ring mit einem Durchmesser von einigen hundert Kilometern, in dessen Innerem violettes Fluten und Wallen herrschte. MOTRANS-1. Die im Luna-Or-bit stationierte Mobile Transmitter-Plattform, die – genau wie MOTRANS-OC1 bis MOTRANS-OC3 des KombiTrans-Geschwaders – mit einer 1000 Meter durchmessenden Projektorkugel für die Erstellungen eines Situationstransmitters ausgestattet war. Kombiniert mit einer im TERRANOVA-Schirm geschalteten kleinen Strukturlücke war so bei genauer Abstimmung von Koordinaten und Zeitpunkt ein nahezu beliebiger Aus- und Einfl ug hinter den Rücken der rings um das Solsystem versammelten Chaos-Geschwader möglich. Das Tele-Transportfeld auf Halbraumbasis entstand in einer Distanz von bis zu 1000 Kilometern, und die Reichweite des Halbraumtunnels betrug bis zu 2500 Lichtjahre.

Sechs Objekte fl ogen aus dem violetten Wabern, das Bull an das des Linearraums erinnerte. Eines davon erkannte er in der Vergrößerung sofort als OREON-Kapsel, Kantirans THEREME. Die anderen fünf waren jeweils ebenfalls tropfenförmig und hatten eine größte Länge von 240 und einen maximalen Durchmesser von 110 Metern.

Die OREON-Transporter, von denen Kantiran gesprochen hat, wurde Reginald klar. Er hält Wort. Aber was hatte er anderes erwartet? Kantiran war zwar nicht Mike, doch immer noch Perrys Sohn. »Ein freundlicher Spruch zur Begrüßung«, wies er Jeronimo Voss an. »Die übliche Routine. Holt sie per Richtfunkstrahl herein, und zwar so schnell wie möglich. Ich kann es kaum erwarten, mit ... dem Friedensfahrer zu sprechen.«

Im nächsten Moment bereute er seine Wortwahl. Wieso brachte er Kantiran Rhodan eine dermaßen große unterschwellige Feindseligkeit entgegen? Er beschloss, sich später den Kopf darüber zu zerbrechen. Wichtig war jetzt erst einmal, was der Friedensfahrer zu sagen hatte.



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