2 Die Business-Blogosphäre (S. 27)
2006 fand das Thema Blogs den Weg in die renommierten Wirtschaftszeitschriften. So fragte das Fortune Magazine im Januar 2006 «Why There’s No Escaping the Blog?». Im Mai folgte die Businessweek sogar mit einem gewissen Revolutionspathos: «Blogs Will Change Your Business». In Deutschland widmeten sich die populären Medien erst gegen Mitte des Jahres dem Blog-Thema in aller Ausführlichkeit.
Am Kiosk fanden sich unter anderem die Titel «Web 2.0 – Wir führen Sie durch die Wunderwelt des Internet» (Focus, 9. Oktober 2006), «Ich im Internet –Wie sich die Menschheit online entblößt» (Spiegel, 29/2006), «Konsumentendemokratie » (Direktmarketing, 9/2006), «Karrierekiller Google – Wie das Internet Ihre Jobchancen ruinieren kann» (Wirtschaftswoche, 47/2006) und «Fischen im Web – Die Internet- Community 2.0 eröffnet neue Chancen für den Vertrieb» (Acquisa, 11/2006).
Es vergeht scheinbar kein Tag mehr, an dem die etablierten Medien nicht über Blogs berichten. Daher ist es auch kein Wunder, dass sich der Begriff «Blog» in der deutschsprachigen Managementliteratur längst etabliert hat und immer wieder in den Top Ten der am meisten genutzten Begriffe der Wirtschaftspresse auftaucht – zuletzt im September 2006.
Laut einer Prognose des Marktforschungsinstituts Jupiter Research soll sich die Zahl der Corporate Blogs der Unter- nehmen, die mehr als 50 Millionen US-Dollar Umsatz im Jahr machen, bis Ende 2006 verdoppeln. Immerhin 35 Prozent der Konzerne planen nach der Jupiter-Studie den Betrieb eines Business-Blogs. Damit würden 70 Prozent der Firmen den neuen Kommunikationskanal für sich nutzen.
Doch unabhängig davon, ob diese optimistischen Zahlen Wirklichkeit werden, zeigt die Analyse zumindest, dass sich immer mehr Unternehmen für Blogs in der Unternehmenskommunikation interessieren. Allerdings fand die Jupiter-Studie auch heraus, dass nur wenige Firmen tatsächlich das Potenzial des Bloggens voll ausschöpfen, um für ihre Produkte und Dienstleistungen zu werben.
In der Studie der Marktforscher heißt es dazu: «Hier liegen ungenutzte Potenziale und Marketing- Möglichkeiten brach, denn der aktive Dialog mit den Kunden bietet Firmen die Möglichkeit, Expertise und Fachwissen zu demonstrieren.»
In Deutschland, Österreich und der Schweiz gab es Ende 2006 gerade mal rund 1.500 aktive Corporate Blogs, die bis auf wenige Ausnahmen allesamt von kleinen und mittleren Unternehmen betrieben werden. Doch auch hier ist das Wachstum beachtlich. Innerhalb nur eines Jahres hat sich die Zahl der businessrelevanten Blogs im deutschsprachigen Raum mehr als verdreifacht.
(Wer sich einen Überblick über die Entwicklung der Business-Blogger-Szene im deutschsprachigen Raum verschaffen will, kann das unter anderem auf www.top100-business-blogs.de tun.) Die Business-Blogosphäre ist in den vergangenen Jahren nicht zuletzt deshalb so rasant gewachsen, weil einige internationale Konzerne die vormals privaten Blogs ihrer Mitarbeiter inzwischen als Corporate Blogs deklarieren.
Hierbei gehören IT-Unternehmen wie Sun Microsystems, IBM, SAP und Microsoft zu den Vorreitern. Die Mitarbeiter-Blogs sind in der Anfangszeit meist von Software-Entwicklern und Produktmanagern privat aufgebaut worden, damit sie sich untereinander privat und beruflich besser vernetzen und austauschen können.
|