3. (S. 11-12)
Aus brennenden Augen starrte Perry Rhodan hinunter auf den Kratersee. Er versuchte die Nebelschwaden mit Blicken zu durchdringen, die über das Wasser zogen und IROTHAK teilweise verhüllten. Etwas bewegte sich an der Außenhülle, aber auf einmal fegte eine Windböe die Schwaden davon und die optische Täuschung gleich mit. Die Basisstation lag ruhig und scheinbar verlassen da.
»Hobogey, wir dürfen nicht länger warten«, fl üsterte Rhodan dem viereinhalb Meter langen »Paladin-Wurm« zu, der neben ihm am Boden lag.
Seit einer guten Stunde steckten sie in der engen Schlucht hinter dem Kraterrand und beobachteten das Gebilde mitten im Maar, das auf zwölf Beinen aus dem fl achen Wasser ragte. Perry Rhodans Entführer und Spione im INTAZO hielten sich in IROTHAK auf, der Dual Ekatus Atimoss und der Terminale Herold Glinvaran. Die beiden besaßen brisantes Wissen aus dem Heerlager der Superintelligenz ARCHETIM. Wenn es ihnen gelang, dieses Wissen an maßgebliche Instanzen TRAITORS weiterzugeben, geriet die Retrover- sion der Negasphäre in höchste Gefahr.
Möglicherweise würde ARCHETIM sie überhaupt nicht mehr vollenden können. Der Gedanke fl ößte Rhodan Angst ein. In der Zukunft, aus der er hierhergekommen war, wussten sie von der gelungenen Retroversion und vom Tod ARCHETIMS. Scheiterte die Retroversion allerdings aufgrund ihrer Reise in die Vergangenheit, starb diese Zukunft, und eine andere potenzielle Realität nahm ihren Platz ein. Rhodan malte sie sich lieber nicht aus; zu vielfältig und bizarr konnte sie ausfallen.
»Bezähme deine Ungeduld, mein Freund«, sagte Hobogey. »Vorerst können wir nur beobachten.«
»Das reicht nicht. Die Zeit zu handeln ist jetzt!«
Bald würden weitere Terminale Beben und andere Phänomene sie daran hindern. Und wenn diese endeten, würde sich das Chaotische Gefl echt aus den beiden Zellen Bernabas und Bi-Xotoring gebildet haben – und die Zustände würden sich so weit normalisieren, dass Hyperfunkverkehr wieder möglich war. In der gleichen Sekunde würde TRAITOR über alles Bescheid wissen, was die beiden Diener des Chaos im INTAZO ausspioniert hatten.
»Für einen Touristen bist du ziemlich ungeduldig«, klang es aus dem Kopf des Wurms.
»Vergiss, was ich über meinen Beobachterstatus sagte. Er wäre der Idealfall. Von der Wirklichkeit liegt er weit entfernt.«
Wieder starrte Rhodan hinüber auf IROTHAK. Die Oberfl äche der Kuppel wies eine regelmäßige Struktur mit Tausenden von Buchten auf. Etwa die Hälfte war leer, in den anderen steckten buckelförmige Gebilde, die an metallene Käfer erinnerten: Genprox- Explorer, die Einsatzfahrzeuge der Genprox-Analysten. Mit diesen Fahrzeugen untersuchten die Spezialisten TRAITORS die Populationen des Planeten auf ihre Entwicklungsfähigkeit im Sinne des Chaos, und sie hielten Ausschau nach sogenannten Emanationen. Das waren, wenn er Hobogey richtig verstanden hatte, Mutationen oder Entwicklungen unter dem Einfl uss des Vibra-Psi.
Rhodan lauschte in sich hinein. Es war noch immer da, dieses leichte Vibrieren im paranormalen Bereich, nicht stark genug, um seiner Mentalstabilisierung gefährlich zu werden, aber deutlich vorhanden. Es versetzte ihn in eine innere Unruhe und machte ihn kribbelig.
Das Vibra-Psi war überall gegenwärtig. Er hatte es schon beim Anfl ug auf den Planeten wahrgenommen. Immerhin trat nach kurzer Zeit eine Art Gewöhnungseffekt ein. Es störte ihn längst nicht mehr so wie nach seiner Ankunft in der Proto-Negasphäre. Dafür zermarterte er sich das Gehirn, wie sie am besten und ohne gesehen zu werden nach IROTHAK gelangten. Notfalls musste er es allein wagen. Der Wurm war zu groß, zu auffällig.
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