3. Ein unmoralisches Angebot (S. 15-16)
»Savoire.« Die Stimme klang nicht kühl, sondern war von der typischen Emotionslosigkeit geprägt, die ESCHERS Avatare ständig an den Tag legten. Das Wort drang bis in den letzten Winkel des Kommunikationsraumes, viel lauter, als es nötig gewesen wäre. Der Diakater hatte schon tagelang darauf gewartet, dass Astuin und Myhr wieder mit ihm in Kontakt traten. Tage, in denen ihn dieses entsetzliche Nichts umgab. »Hat die Parapositronik endlich eine Entscheidung gefällt?«
Dr. Laurence Savoire hörte ein trockenes Lachen. »Wie kommst du auf die Idee, ESCHER hätte sich entscheiden müssen? Es stand von Anfang an fest, dass du dieses Angebot erhältst. Es muss nur zum richtigen Zeitpunkt geschehen. Hast du über deine Situation nachgedacht, wie ESCHER dir aufgetragen hat?«
»Werdet ihr wieder nur Andeutungen von euch geben oder endlich konkret werden? Worin besteht das Angebot?«
Wieder erklang dieses Lachen. Zweifellos stammte es von Merlin Myhr. »ESCHER hat seine überragende Kapazität unter Beweis gestellt. Oder etwa nicht?«
»Das ist keine Antwort!« Savoire hasste es, die beiden Avatare nicht sehen zu können. Auch wenn die Mimik ohnehin nicht echt war: Ihnen nicht in die Augen sehen zu können, wenn sie ihre halb garen Andeutungen von sich gaben, brachte den Ersten Kybernetiker an den Rand der Verzweifl ung. Oder darüber hinaus.
Das Nicht-Schwarz um ihn wurde keineswegs erträglich, nur weil es Sekunden gab, in denen er erschrocken auffuhr und feststellte, dass er sich daran gewöhnt hatte. Er wollte es nicht akzeptieren, denn das hieße, dass er aufgab, dagegen anzukämpfen. Andererseits sagte er sich, dass Widerstand gegen sein Schicksal völlig sinnlos war. Er konnte seine private Negasphäre nicht besiegen. Genauso wenig wie das Hangay-Geschwader die Entstehung der echten Negasphäre verhindern konnte.
Es war Lüge. Alles. Schon der Aufbruch nach Hangay basierte auf Illusionen, als gäbe es eine Chance, ein kosmisches Ereignis dieser Größenordnung zu beeinfl ussen, für dessen Eintreten eine Macht wie die Terminale Kolonne TRAITOR sorgte.
»Ich sehe dir deinen Pessimismus an«, sagte Pal Astuin. »ESCHER hat es schon lange prognostiziert, vom ersten Moment an, als er von deiner Beeinträchtigung erfuhr. Deine körperliche Beschränkung stürzt dich in Verzweifl ung. Du hast alle Hoffnung verloren, allen Mut fahren lassen. Doch dies ist eine falsche Entscheidung, Savoire. Du ziehst inkorrekte Schlussfolgerungen, weil du nicht alle Fakten kennst. ESCHERS Plan wird aufgehen. Es lohnt sich, weiterzuleben und gegen die Negasphäre vorzugehen.«
»Wie sieht dieser Plan aus?«
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