3. (S. 17)
Wäre die JULES VERNE in einer Sonne materialisiert und wie ein Papierkügelchen im Abfallkonverter verglüht, niemand an Bord hätte das Geringste davon wahrgenommen. Ein fl üchtiges Aufblitzen vielleicht, aber jenseits der Schwelle des Begreifens. Möglicherweise hätten die beiden Gehirne des Haluters auf die Veränderung reagiert, aber nicht einmal die Umwandlung seiner Zellstruktur hätte Tolot vor dem gedankenschnellen Tod bewahren können.
Ein einziger Fehler in der Kette von Spekulationen, und die Besatzung des terranischen Hantelraumschiffs verlöre ihr Leben, jeder der dreieinhalbtausend Menschen und Galaktiker mehr als zwanzig Millionen Jahre vor dem Tag seiner Geburt.
Perry Rhodan hielt den Atem an wie wohl jeder an Bord. Sogar er hatte die Schnelligkeit unterschätzt, die Zehntelsekunde zwischen dem Rücksturz des Schiffes aus dem Hyperraum und dem Eindringen in das von den Raum-Zeit-Routern der Kolonne projizierte Transmitterfeld.
In einem einzigen zeitlosen Moment wurden sechshundert Lichtjahre überwunden – und schon packte der Entzerrungsschmerz den terranischen Residenten, als hätte Rhodan an Bord eines museumsreifen Transitionsraumers Tausende Lichtjahre zurückgelegt.
Ein glühender Blitz jagte von seinem Nacken ausgehend durch den Schädel, während sich entlang des Rückgrats Taubheit ausbreitete. Rhodans Versuch, sich zu artikulieren, scheiterte.
Es war totenstill ringsum. Die Außenmikrofone seines geschlossenen SERUNS fi ngen nicht das leiseste Geräusch auf.
In der Wiedergabe des Hologlobus tobten energetische Gewitter. Rhodan versuchte, sich darauf zu konzentrieren, herauszufi nden, ob die JULES VERNE ihr Ziel wirklich erreicht hatte, aber die nächste Schmerzwelle ließ alles vor seinen Augen verschwimmen. In seiner Schulter pochte der Aktivatorchip.
Mit mehr als zweihundertundzehntausend Kilometern in der Sekunde raste das Schiff durch den Raum. Wie lange schon? Seit Minuten schien der Schmerz anzuhalten, doch die Erfahrung sagte Rhodan, dass es bestenfalls Sekunden sein konnten.
Eine Million Kilometer hatten sie vielleicht zurückgelegt und rasten einer wartenden Flotte entgegen, tauchten mitten hinein zwischen Dutzende Chaos-Geschwader und die Schwerkraftkerne von Potenzialwerfern, die das Schiff vernichten würden ...? Irgendwo erklang eine Stimme. Rhodan verstand den Wortlaut nicht, aber zweifellos meldete sich NEMO mit einem Statusbericht.
Wieder Stille.
Der Terraner blinzelte, um seinen Blick zu klären. Nur ein Teilbereich des Hologlobus zeigte Schwärze. Zumindest raste das Schiff nicht dem Ereignishorizont von Margin- Chrilox entgegen. Das war seine schlimmste Befürchtung gewesen: von dem Transmitterfeld ausgespien zu werden und in die Schwerkraftfänge des Giganten zu geraten.
Schon deshalb die hohe Eintrittsgeschwindigkeit in das Transmitterfeld, um Angreifern oder dem Schwarzen Loch durch einen sofort eingeleiteten Überlichtfl ug entkommen zu können.
Ein Dröhnen schreckte ihn auf. Ungedämpft klang Tolots Stimme wie das Anlaufen schwerer Triebwerke.
»Wir sind zu langsam. Und rings um uns braut sich ein Unwetter zusammen.« Rhodan hatte es endlich geschafft, den trüben Schleier über seinen Augen loszuwerden. »Statusbericht!«, verlangte er. »Brauchen die Cypron Hilfe?« »Keine Schadensmeldungen«, antwortete NEMO. »Die JULES VERNE liegt im Bereich extremer Feldstärken des Vibra-Psi. Aufkommender schwerer Hyperorkan ... Empfehle Ausweichmanöver ...«
Von irgendwoher erklang ein anschwellendes Dröhnen. Stimmen redeten plötzlich durcheinander; die ersten Besatzungsmitglieder hatten den Entzerrungsschmerz überwunden.
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