6. Kein Wort zu viel (S. 28)
Überflüssige Wörter und komplizierte Formulierungen blähen einen Text auf. Sie erschweren das Verständnis und schmälern die Freude am Lesen. Dafür, dass ein Text unnötig lang ist, gibt es drei Gründe: 1. Der Autor hat sich nicht genug angestrengt. "Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen einen langen Brief schreibe, für einen kurzen habe ich keine Zeit." Dieses Zitat wird so oder ähnlich verschiedenen Autoren zugeschrieben, unter anderem Johann Wolfgang von Goethe. Wer auch immer es verfasst hat – es macht jedenfalls klar, dass es Arbeit bedeutet, sich kurz und prägnant auszudrücken. 2. Der Autor möchte sich nicht festlegen. Entweder, weil er nicht genau Bescheid weiß. Diesen Fall beschreibt Wilhelm Busch: „Gedanken sind nicht stets parat. Man schreibt auch, wenn man keine hat.“ Oder, weil er nicht zur Satzaussage steht.
Das erkennt der Leser an relativierenden Formulierungen wie „an sich“ und „im Prinzip“. Absichern will sich auch jemand, der einen Satz beginnt mit „es darf als gesichert gelten“. „Den Stil verbessern – das heißt den Gedanken verbessern…“ wusste Friedrich Nietzsche. Und umgekehrt, möchte ich hinzufügen. 3. Der Autor glaubt, dass lange Formulierungen und Texte wichtig wirken, und schreibt „zur Anzeige bringen“ statt „anzeigen“, „operativ eingreifen“ statt „operieren“. Wer aber Wichtiges zu sagen hat und will, dass die anderen es sich merken, der fasst sich kurz. Alle guten Reden und Sprüche sind kurz und prägnant. Denken Sie an Caesar: „Ich kam, ich sah, ich siegte.“ Oder Goethe: „In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister.“ „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ „Das also ist des Pudels Kern.“ Shakespeare: „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage.“ Das fünfte Gebot:
„Du sollst nicht töten.“ Das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ „Eine Zensur findet nicht statt.“ Und schließlich John F. Kennedy „Ich bin ein Berliner.“ Einfache Wörter, kurze Sätze.
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