2.2 Bruderschaften und Zünfte (Seite 25)
In den bereits bei der Herausbildung der Stadtgemeinden hervorgetretenen Bruderschaften (Gilden, Zünfte, Innungen, Ämter, fraternitates, confréries, ambachten) vereinten sich seit dem hohen Mittelalter insbesondere die städtischen Führungsgruppen. Dabei sollte nicht zwischen laikalen und klerikalen, religiös oder berufständisch motivierten Vereinigungen unterschieden werden, vielmehr war allen Bruderschaften eine religiöse Fundierung ebenso zu eigen wie die Wahrnehmung gemeinsamer Interessen. Hinzu kamen gemeinsame Rituale, Statuten und Für- und Vorsorgemaßnahmen. In ihrer Legitimation, ihrer Sorge um das Gemeinwohl und ihrer Organisationsform lassen sich zwischen Bruderschaften und Gemeinden deutliche Parallelen aufzeigen. Seit dem 13. Jahrhundert nahmen diese Interessensverbände überall im Reich erheblich zu. So besaß etwa das kleine hennegauische Maubeuge um 1300 dreißig Zünfte, Mainz 1332/33 deren 58, Breslau 1470 vierzig. Sie waren durchweg religiös geprägt, häufig schlossen sich in ihnen die Angehörigen bestimmter Berufsgruppen (so bereits 1149 die Kölner Bettziechenweber) zusammen, stets nehmen sie karitative Aufgaben nach innen und zum Teil nach außen wahr. Ihre Zunfthäuser dienten mitunter als ursprüngliche Rathäuser, so etwa in Magdeburg das Haus der Kürschnerinnung oder in Dinant das Versammlungshaus der vor Ort tonangebenden Kupferschmiede. Im späten Mittelalter schlossen sich mitunter die Berufsverbände einer ganzen Region zusammen wie beispielsweise 1341 (auf Initiative des Herzogs von Lothringen) die Krämer von Nancy, Rosières-aux-Salines und St. Nicolasde- Port oder 1383 die Schmiede aus Mainz, Worms, Speyer, Frankfurt, Gelnhausen, Aschaffenburg, Bingen, Oppenheim und Kreuznach.
Allenthalben lässt sich für das späte Mittelalter beobachten, dass die meisten Bruderschaften zur Abschottung nach außen neigten und ihre Für- und Vorsorgepolitik überwiegend auf die eigenen Mitglieder beschränkten. Als Bruderschaft sind auch die Münzerhausgenossen anzusehen, die seit dem späten 12. Jahrhundert vor allem in den rheinischen Kathedralstädten, aber auch beispielsweise in Goslar, Erfurt, Krems oder Graz begegnen. Ihnen oblag die Verwaltung der örtlichen Münzstätte, mit den städtischen Führungsgruppen waren sie eng verbunden.
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