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Was bewirkt Gender Mainstreaming? - Evaluierung durch Policy-Analysen
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Was bewirkt Gender Mainstreaming? - Evaluierung durch Policy-Analysen
von: Ute Behning, Birgit Sauer (Hrsg.)
Campus Verlag, 2005
Verfügbarkeit: sofort per Download, im Format:   Adobe Reader 6/7


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240 Seiten
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ISBN: 3593376083
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Leseprobe

Beratung zur Emanzipation? (S. 45-46)
Gender Mainstreaming unter den Vorzeichen von New Public Management

Heike Kahlert

Gesellschaftsreform ist heute insbesondere als Organisationsreform zu denken und zu realisieren. Emanzipation ist ein Ziel von Gesellschaftsreform, zumindest in fortschrittlicher Perspektive. Wie sieht es mit dieser Zielsetzung unter Bedingungen der sich vollziehenden »Ökonomisisierung des Politischen« (Pelizzari 2001) aus? Die derzeit um sich greifende betriebswirtschaftliche Modernisierung des Staates scheint erst einmal nicht mit der Verwirklichung von Emanzipation kompatibel zu sein. Das Vokabular der Modernisierer ist eher technokratisch gefärbt und mit anglizistischen Begriffen angereichert: Controlling, Consulting, Monitoring, Change Management sind nur einige Beispiele. Auch die neue gleichstellungspolitische Strategie des Gender Mainstreamings trägt die gleiche Handschrift: kompakt und schlank, da integrativ – in der Sprache der Modernisierer wäre dafür ›lean‹ wohl das adäquateste Adjektiv. Ohne Zweifel ist das so charakterisierte Gender Mainstreaming passfähig zur betriebswirtschaftlich ausgerichteten Modernisierung des Staates. Im Zuge der um sich greifenden Verwaltungsstrukturreformen nutzt dieser vielerorts den Umbau des öffentlichen Sektors auch zur Implementation von Gender Mainstreaming, was von den einen freudig-pragmatisch als ›Gunst der Stunde‹ und als lang überfälliger Erfolg der Gleichstellungspolitik begrüßt, von den anderen nicht zuletzt ob dieser vermeintlichen Leichtigkeit skeptisch beobachtet und schließlich kritisiert wird. Neu an Gender Mainstreaming gegenüber herkömmlicher Gleichstellungspolitik ist auch, dass dessen Implementation im Zuge der Verwaltungsstrukturreformen zumeist unter Hinzuziehung professioneller Organisationsberatung erfolgt. Durch die Einführung von Gender Mainstreaming entsteht also ein Markt für gleichstellungsbezogene Expertise.

In diesem Beitrag möchte ich der Frage nachgehen, wie diese Kommerzialisierung der Frauenfrage mit politischen Visionen einer gerechte(re)n und gleiche(re)n Gesellschaft vereinbar ist. Hierzu betrachte ich zunächst den Aufstieg der Megaphilosophie des Ökonomischen und den damit einhergehenden Wandel des Politischen: Unter sich verschärfenden marktgesellschaftlichen Bedingungen ist die Vorstellung vom Primat der Politik gegenüber anderen Subsystemen obsolet geworden. Ich verdeutliche dann, dass die damit verbundene ›Verbetriebswirtschaft lichung‹ von Politik sich auch in der Gleichstellungspolitik zeigt: Gleichheit und Gerechtigkeit in den Geschlechterverhältnissen müssen im ›schlanken Staat‹ nicht mehr nur normativ fundiert, sondern auch ökonomisch begründet und legitimiert werden. In einem weiteren Schritt analysiere ich einige Chancen und Grenzen von Gender Mainstreaming als Reformstrategie im Public-Profit-Sektor. Vor diesem Hintergrund diskutiere ich schließlich die Bedeutung von ›Gender-Expertise‹ für die gleichstellungsbezogene Organisationsberatung. Im Fazit führe ich meine Argumentation dann in der These zusammen, dass die neue Allianz von Kommerz und Emanzipation nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Organisation selbst zur Verwirklichung von Geschlechtergleichstellung bereit und fähig ist.

1. Aufstieg der Megaphilosophie des Ökonomischen Wandel des Politischen

Aktuellen Gesellschaftsdiagnosen zufolge leben wir »in einer Zeit, die dabei ist, ihre eigenen Fundamente erneut und grundlegend zu transformieren, und die ein Interesse hat zu wissen, welche Konturen sie sich dabei geben kann.« (Gerschlager 2000: 116) Die Suche nach den »Konturen des Neuen« (ebd.) endet oft in Beschreibungen vom Aufstieg des Neoliberalismus als hegemonialem Narrativ der Gegenwart in spätmodernen Gesellschaften – einer weit von der postmodernen irreführende und doch inzwischen etablierte Begriff Neo›liberalismus‹. Verabschiedung der »großen Erzählungen« (Lyotard 1994) entfernten Denkfigur. Der Neoliberalismus, so ist zu lesen, sei in den 1980er Jahren in der westlichen Welt in den so genannten Reaganomics, dem Thatcherismus und in abgeschwächter Form auch in der Politik der Kohl-Regierung erstarkt und wurde zu damaliger Zeit noch als ›neokonservative Revolution‹ bezeichnet. Diese Bezeichnung ließ den traditionsbewussten Charakter der entsprechenden ökonomischen Theorie und politischen Reformbewegung deutlicher hervortreten als der eigentlich irreführende und doch inzwischen etablierte Begriff Neo›liberalismus‹.



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