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6 (S. 48-49)
Ich wagte es nicht, mein Zimmer zu verlassen. Plötzlich fühlte ich mich einer schwindelerregenden Schwäche ausgeliefert, Mächten außerhalb meiner Kontrolle, Mächten, die mir nicht wohlgesonnen waren, äußeren oder letztendlich – das zu beurteilen war ich nicht im Stande – inneren. Dabei lag ich doch auf dem Bett, sah, wie die Schatten an der Decke tanzten, beobachtete die Spiegelungen der auf dem unebenen Fensterglas herunterlaufenden Regentropfen, die von irgendwelchen Straßenlaternen beleuchtet wurden, die dort draußen im Wind schaukelten – und diese lächerliche siebenarmige Deckenleuchte drehte sich langsam um die eigene Achse. Jemand hatte gerufen. Es war Viertel vor neun. Ich war meiner eigenen Angst vor dem Unbekannten ausgeliefert.
Einige Minuten vergingen. Kein Geräusch war zu hören, weder draußen aus der Stadt noch vom Hotelflur vor meinem Zimmer. Das Gefühl, sich nicht bewegen zu können, verließ mich langsam, das Bedrohliche klang ab. Schließlich schaltete ich das Licht ein, ging ins Badezimmer und duschte lange ganz heiß. Schließlich kann jeder in der Stadt des Todes und der Seufzer einen Nervenzusammenbruch kriegen, dachte ich.
Jeder.
Eine Stunde später stand ich wieder an der Rezeption. Ich wartete, während zwei deutschen Damen bei irgendeinem Problem geholfen wurde, dann wandte ich mich an den Mann an der Rezeption. Es war ein spindeldürrer Jüngling mit Pomade im Haar, den ich noch nie vorher gesehen hatte.
»Entschuldigung, aber ich muss unbedingt die Herrschaften Hemmelwaite sprechen.«
Er zögerte eine Sekunde, schien mit sich selbst zu Rate zu gehen, dann schlug er das große, ledereingefasste Journal auf. »Das ist leider nicht möglich«, sagte er mit tonloser Stimme. »Die Herrschaften haben vor zwei Stunden ausgecheckt.«
»Ausgecheckt?«
»Ja.«
»Beide?«
»Warum fragen Sie?«
»Weil ich mit Mrs. Hemmelwaite sprechen muss, habe ich das nicht gesagt?«
Er klappte das Journal zu und zögerte einen Augenblick. »Sie haben nicht gesagt, dass sie es ist, die Sie suchen. Nur Mr. Hemmelwaite hat ausgecheckt. Die gnädige Frau war schon vorher abgereist, da hätten Sie sowieso nicht …«
»Wohin?«
»Verzeihung?«
»Wohin? Wohin ist die gnädige Frau schon vorher abgereist? «
»Ich glaube nicht, dass es mir zusteht, Ihnen diese Informationen zu geben.«
Ich schaute mich in der Lobby um. Sie war vollkommen leer, also zog ich einen Fünfzig-Euro-Schein aus meiner Brieftasche. »Wollen Sie damit sagen, dass Sie wissen, wohin sie gefahren sind, darf ich das so deuten?«
Er ließ seinen Blick nach links und nach rechts huschen, dann schnappte er sich den Schein.
»Mr. Hemmelwaite hat gesagt, dass …«
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