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Die Formel für Glück - Und wie Sie diese nutzen

von: Mo Gawdat

Redline Verlag, 2017

ISBN: 9783864149887 , 380 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Mac OSX,Windows PC geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 15,99 EUR

Exemplaranzahl:  Preisstaffel

Für Firmen: Nutzung über Internet und Intranet (ab 2 Exemplaren) freigegeben

Derzeit können über den Shop maximal 500 Exemplare bestellt werden. Benötigen Sie mehr Exemplare, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.


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Die Formel für Glück - Und wie Sie diese nutzen


 

Einleitung


17

Tage nach dem Tod meines wunderbaren Sohnes Ali begann ich zu schreiben und konnte einfach nicht mehr aufhören. Mein Thema war das Glücklichsein – unter den gegebenen Umständen ein recht überraschendes Gebiet.

Ali war ein wahrer Engel. Er machte alles besser, das er berührte, und jeden glücklicher, dem er begegnete. Er war immer friedlich, immer glücklich. Seine Lebenslust und die zugewandte Fürsorge, die er jedem Lebewesen schenkte, das seinen Weg kreuzte, blieben niemandem verborgen. Als er von uns ging, gab es jeden Grund, traurig zu sein – sogar zutiefst verzweifelt. Wie konnte sein Tod mich also dazu veranlassen, das zu schreiben, was Sie hier lesen werden? Nun, das ist eine Geschichte, die ungefähr mit dem Tag seiner Geburt begann – vielleicht sogar noch ein bisschen früher.

Seit dem Beginn meiner Berufstätigkeit habe ich eine Menge Erfolg, Reichtum und Anerkennung genossen. Doch während der ganzen Zeit war ich fortwährend unglücklich. Am Anfang meiner Karriere bei Technologieriesen wie IBM und Microsoft bekam ich intellektuelle Befriedigung und Selbstbestätigung im Übermaß, und ja, ich verdiente auch gutes Geld. Doch ich stellte fest: Je mehr ich hatte, desto unglücklicher wurde ich.

Das lag nicht nur daran, dass das Leben komplizierter geworden war – Sie wissen schon, wie in dem Rap-Song aus den Neunzigern, »Mo’ money, mo’ problems«. Das Problem war, dass ich trotz finanzieller und intellektueller Gewinne nicht in der Lage war, mein Leben mit Freude zu füllen. Selbst mein größtes Glück, meine Familie, gab mir nicht so viel Freude, wie möglich gewesen wäre, weil ich sie nicht anzunehmen wusste.

Paradoxerweise war ich als junger Mann, trotz meiner Suche nach dem richtigen Lebensweg und häufig pleite, immer sehr glücklich gewesen. Doch bis zum Jahr 1995, als meine Frau und ich und unsere beiden Kinder unsere Sachen zusammenpackten, um nach Dubai zu ziehen, hatte sich einiges verändert. Nichts gegen Dubai. Das ist eine bemerkenswerte Stadt, deren großzügige Einwohner, die Emirater, uns wirklich das Gefühl gaben, zu Hause zu sein. Unser Eintreffen fiel zufällig mit dem Beginn des explosiven Wachstums Dubais zusammen, das überwältigende Karrierechancen und Millionen Glücksgelegenheiten eröffnete – oder wenigstens den Versuch ermöglichte.

Aber Dubai kann auch den Eindruck des Surrealen erwecken. Hinter einer gleißenden Landschaft aus heißem Sand und türkisblauem Wasser erhebt sich eine Skyline aus futuristischen Bürogebäuden und Wohntürmen, in denen Multimillionen-Dollar-Apartments für einen stetigen Strom globaler Käufer bereitstehen. Auf den Straßen streiten sich Porsches und Ferraris mit Lamborghinis und Bentleys um die Parklücken. Die Extravaganz dieser Anhäufung von Reichtum ist verblüffend – doch zugleich wirft sie die Frage auf, ob man verglichen mit alldem eigentlich schon irgendetwas erreicht hat.

Als wir im Emirat ankamen, hatte ich bereits die Gewohnheit angenommen, mich mit meinen superreichen Freunden zu vergleichen, und dabei zog ich immer den Kürzeren. Doch dieses Gefühl der Unzulänglichkeit führte mich nicht zum Psychiater oder in einen Ashram. Vielmehr beflügelte es meinen Ehrgeiz. Ich machte einfach das, was ich als Nerd, der seit seiner Kindheit wie besessen las, schon immer gemacht hatte: Ich kaufte einen Berg Bücher. Ich untersuchte Analysen von Aktienentwicklungen bis hin zu den grundlegenden Gleichungen, die den Ausgangspunkt jedes Diagramms bilden. Und indem ich sie erlernte, konnte ich kurzfristige Marktfluktuationen vorhersagen wie ein Profi. Ich kam ungefähr zu dem Zeitpunkt von meiner Arbeit nach Hause, da die NASDAQ in den USA öffnete, und setzte meine mathematischen Fähigkeiten ein, um als Tageshändler (in meinem Falle genauer gesagt als Nachthändler) ordentlich Geld zu machen.

Trotzdem – und ich nehme an, ich bin nicht der Erste, der Ihnen so eine Geschichte erzählt –, je mehr Geld ich verdiente, desto unglücklicher wurde ich. Das brachte mich bloß dazu, noch härter zu arbeiten und mir noch mehr Spielzeuge zu kaufen in der irrigen Annahme, all diese Bemühungen würden früher oder später Früchte tragen und ich würde den Topf voller Gold – nämlich das Glück – finden, der am Ende des Regenbogens großer Errungenschaften vergraben war. Ich wurde zu einem Nagetier in dem, was Psychologen als »hedonistisches Hamsterrad« bezeichnen. Je mehr man kriegt, desto mehr will man haben. Je mehr man sich abmüht, umso mehr Gründe findet man, sich abzumühen.

Eines Abends ging ich online und kaufte mit zwei Mausklicks einen alten Rolls-Royce. Warum? Weil ich es konnte. Und weil ich verzweifelt versuchte, den Hohlraum in meiner Seele zu füllen. Es wird Sie kaum überraschen zu hören, dass dieser wunderschöne Klassiker des britischen Automobildesigns meine Stimmung kein bisschen anhob, als er endlich vor mir auf der Straße stand.

Rückblickend betrachtet war ich in dieser Zeit meines Lebens keine besonders gute Gesellschaft. Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit lag darin, die Geschäfte von Microsoft auf Afrika und den Nahen Osten auszuweiten, wodurch ich, wie Sie sich vorstellen können, den größten Teil meiner Zeit in Flugzeugen saß. In meiner ständigen Jagd nach mehr war ich selbst zu Hause aggressiv und unangenehm geworden, und ich wusste es. Ich verbrachte viel zu wenig Zeit damit, die tolle Frau wertzuschätzen, die ich geheiratet hatte, viel zu wenig Zeit mit meinem wunderbaren Sohn und meiner Tochter, und hielt niemals inne, um den einzelnen Tag zu genießen.

Stattdessen war ich den Großteil meiner wachen Stunden gehetzt, nervös und überkritisch und verlangte selbst von meinen Kindern Leistung und Erfolg. Wie ein Besessener versuchte ich, die Welt an meine Vorstellung davon anzupassen, wie sie sein sollte. Bis 2001 hatten das unablässige Streben und die Leere mich an einen sehr dunklen Ort geführt.

Da wusste ich, dass ich das Problem nicht länger ignorieren konnte. Dieser streitlustige, unglückliche Mensch, der mich aus dem Spiegel heraus ansah, war nicht ich selbst. Ich vermisste den zufriedenen, optimistischen, jungen Mann, der ich immer gewesen war, und ich hatte es satt, weiterhin in der Haut dieses müden, schlecht gelaunten, aggressiv aussehenden Typen zu stecken. Ich beschloss, mein Unglücklichsein als Herausforderung anzunehmen: Ich würde meine streberhafte Vorgehensweise des Selbststudiums in Kombination mit meinem analytischen Ingenieurverstand nutzen, um mir einen Ausweg zu schaffen.

Ich bin in Kairo aufgewachsen, wo meine Mutter als Professorin für englische Literatur unterrichtete. Schon lange vor meinem ersten Schultag hatte ich angefangen, Bücher regelrecht zu verschlingen. Mit acht Jahren begann ich, mir alljährlich ein Schwerpunktthema auszusuchen und so viele Bücher darüber zu kaufen, wie ich mir leisten konnte. Den Rest des Jahres brachte ich damit zu, jedes Wort in jedem Buch zu lernen. Diese Angewohnheit machte mich zur Zielscheibe des Spottes meiner Freunde, aber ich habe sie als Herangehensweise an alle Herausforderungen und Zielsetzungen beibehalten. Wann immer das Leben schwierig war, las ich.

Ich brachte mir selbst Schreinern, Mosaiklegen, Gitarrespielen und Deutsch bei. Ich informierte mich über die Relativität, studierte Spieltheorie und Mathematik und lernte die Entwicklung hochkomplizierter Computerprogramme. Als Grundschüler und später als Teenager machte ich mich mit sturer Entschlossenheit über meine Bücherstapel her. In späteren Jahren verwendete ich dieselbe Leidenschaft darauf, die Restaurierung klassischer Autos, das Kochen und hyperrealistische Kohleporträtzeichnungen zu erlernen. Ich verschaffte mir eine ordentliche Professionalität im Business-, Management-, Finanz-, Wirtschafts- und Investmentbereich, hauptsächlich durch die Lektüre von Büchern.

In schwierigen Situationen neigen wir dazu, verstärkt das zu tun, was wir am besten können. Als unglücklicher Mittdreißiger versenkte ich mich daher in die Lektüre von Büchern über mein Dilemma. Ich kaufte jeden nur auffindbaren Titel über das Thema Glücklichsein. Ich ging zu jeder Vorlesung, sah mir jede Dokumentation an und analysierte dann sorgfältig alles, was ich erfahren hatte. Doch ich betrachtete das Thema nicht aus derselben Perspektive wie die Psychologen, die diese Bücher geschrieben, Experimente durchgeführt und die »Glücksforschung« zu einer so hoch gehandelten akademischen Disziplin gemacht hatten. Ganz sicher schwamm ich nicht auf der Welle all der Philosophen und Theologen mit, die sich mit dem Problem menschlichen Glücks seit Anbeginn der Zivilisation herumschlugen.

Meinem üblichen Trainingsplan folgend brach ich das Problem des Glücks auf seine kleinsten Bestandteile herunter und unterzog es einer technischen Analyse. Ich wählte eine skalierbare und replizierbare, faktenorientierte Vorgehensweise. Dabei stellte ich jeden Prozess...