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Perry Rhodan 3039: Die Kanzlei unter dem Eis - Perry Rhodan-Zyklus 'Mythos'

von: Wim Vandemaan

Perry Rhodan digital, 2019

ISBN: 9783845360393 , 64 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 1,99 EUR

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Perry Rhodan 3039: Die Kanzlei unter dem Eis - Perry Rhodan-Zyklus 'Mythos'


 

1.

Die Waberlohe

 

Perry Rhodan spürte die Veränderung und schlug die Augen auf. In seinem Gesichtsfeld und in einer Entfernung, die er nicht abzuschätzen vermochte, entstand etwas wie ein Wall aus wabernden Flammen. Nur dass diese Flammen nicht aus Feuer bestanden, sondern aus lodernder Vektormaterie. Wie immer war der Anblick schwer zu ertragen.

Graue Materie anzusehen strengte an und erschöpfte den Betrachter. Perry Rhodan hatte das Gefühl, als saugte diese Substanz an ihm. Für normale Ortungsgeräte blieb die Vektormaterie unfasslich. Sie korrespondierte auf unheilvolle Weise mit dem Bewusstsein. Rhodan fragte sich, ob jedes Bewusstsein, bis hinab zu dem eines Tieres, von der Grauen Materie auf diese Weise ausgemergelt wurde.

Eine Waberlohe, dachte Rhodan. Wie ein Flammenring aus uralten terranischen Mythen.

Eine Gestalt erschien in dem Ring aus Vektormaterie, orientierte sich kurz und trat durch die Waberlohe auf Rhodan zu. Auf welchem Grund diese Gestalt schritt und was ihr im weißen Raum Halt gab, blieb Rhodan unerfindlich.

Allem Anschein nach wurde der Ankömmling von den verzehrenden Kräften der Grauen Materie nicht beeinflusst. Wenn Rhodan es bei dieser Gestalt nicht mit einer Simulation zu tun hatte, einer geschickt inszenierten Sinnestäuschung, handelte es sich bei diesen wenigen Schritten um eine ungeheure Machtdemonstration.

Der Besucher blieb zwei oder drei Meter vor Rhodan stehen. Es handelte sich um einen Phersunen oder eine Phersunin. Die beiden Geschlechter waren für Terraner äußerlich kaum unterscheidbar, auch ihre Stimmlagen gaben keinerlei entsprechenden Hinweis.

Sein Gegenüber betrachtete Rhodan so wortlos wie ungeniert. Rhodan fiel auf, dass der Ankömmling zwar wie alle Phersunen ein an den Schläfen ansetzendes, nach hinten gebogenes Geweih aufwies – das sogenannte Lephend –, ebenso das flache, beinahe zweidimensional wirkende Gesicht. Die Haut jedoch, bei Angehörigen dieses Hilfsvolkes der Kandidatin Phaatom sonst von einem wasserfarbenen Blassblau, wirkte metallisch und schimmerte rötlich-silbern. Selbst die Iriden zeigten diese Färbung, während sie sonst bei Phersunen grün oder golden waren.

Rhodan kannte diesen Farbton von dem Werkstoff, den die Kandidatin für ihre Erzeugnisse benutzte. Die Phersunen nannten diese Substanz die Phaatom-Gabe.

Rhodan überlegte, ob es sich bei seinem Gegenüber um einen phersunischen Androiden handeln könnte. Aber die Phersunen verwendeten in der Regel als Werkmetall Shillad, nicht die Phaatom-Gabe mit ihrem rötlich-silbrigen Glanz, eine Farbe, die Rhodan vor langer Zeit unter der Bezeichnung Alenant kennengelernt hatte. Das Sporenschiff des achten Mächtigen Aachthor hatte in diesem Ton gestrahlt, wie von Blut durchflossenes Silber.

Tiefe Vergangenheit, mahnte sich Rhodan. Bleib bei der Gegenwart!

Langsam fuhr die Gestalt ihre Stielaugen aus, nicht ganz eine Handspanne weit. Bisher hatte sie kein Wort gesagt, und auch Rhodan schwieg.

»Bin dir Synn Phertosh«, sagte die Gestalt endlich in Sheshedo, der Sprache der Phersunen. »Ist dies mein Eigenname.«

Die Phersunen hielten, wie Rhodan von Kenesholl Eshall wusste, den Satzbau ihrer Sprache für beispielhaft elegant, logisch, eindeutig und sparsam. Die Reihenfolge der Satzbausteine setzte das Prädikat voran, ließ dem ein Objekt folgen und nannte erst am Ende das Subjekt, das man sich in vielen Fällen überhaupt sparen konnte. Es dauerte jedes Mal einen Moment, bis Rhodan sich an die eigentümliche Sprechweise gewöhnt hatte und sie für sich »übersetzte«.

Eshall hatte die PAQUA vor ihrem Einflug in das Huphurnsystem inspiziert und keine Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen, die ungehobelten Paquanten in die Schönheiten der phersunischen Kultur einzuweihen.

Tatsächlich hatten sich Rhodan und seine Begleiter das Sheshedo via Hypnoschulung angeeignet. Sie wussten, dass die Vornamen weiblicher Phersunen auf der Silbe sheg endeten; männliche auf shol.

Die Nachnamen gaben an, welchem der Phertosh – also welcher Familie oder Sippe – man angehörte: Die Acht Großen Phertosh waren Eshall, Huttshar, Keshpal, Kontash, Skishar, Tettoresh, Whekoshi und Zhaushun.

Synn Phertosh war deswegen ein eigenartiger Name für einen Phersunen.

»Lass mich frei«, forderte Perry Rhodan. »Du hältst einen Paquanten gefangen. Dazu hast du kein Recht, Phersune.«

»Ist das so?« Phertosh klang überrascht. Seine Stielaugen pendelten ein wenig, als müsste er die Sache aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. »Keine Befugnis hätte ich? Was machen wir denn da?«

»Mich freilassen«, stieß Rhodan wie unter Schmerzen hervor. »Das sagte ich doch bereits.«

Die Stielaugen pendelten. »Ob du mir deinen Namen nennen würdest?«

»Wozu?«, fuhr Rhodan ihn an. »Namen dienen der Unterscheidung. Hier ist niemand, den du außer mir ansprechen könntest.«

Der Phersune blickte sich demonstrativ um. »Tatsächlich«, sagte er mit mildem Erstaunen. »Jetzt, wo du es sagst. Tatsächlich verfügen wir ausschließlich übereinander. Doch nehmen wir an, ich wollte jemandem von dir berichten – wäre da ein Name nicht hilfreich?«

Rhodan tat, als müsste er überlegen. »Nenn mich Tibo Wanderer.«

»Tibo«, wiederholte der Phersune nachdenklich. »Hat dein paquantischer Name eine übersetzbare Bedeutung?«

Rhodan lachte rau. »Er bedeutet so viel wie der Ungeduldige. Näheres weiß ich nicht. Verzeih. Man hat uns nicht darauf vorbereitet, dass im Anschluss an unseren Besuch im Abyssalen Triumphbogen eine sprachwissenschaftliche Konferenz geplant war.«

Der Phersune gab ein leises Geräusch von sich. Rhodan vermutete, dass er lachte. »Wäre das Leben frei von unverhofften Ereignissen, wäre es nicht so magnetisch.«

Rhodan grummelte etwas und versuchte, die Arme zu bewegen. Es war ihm immer noch nicht möglich.

Synn Phertosh ignorierte diese Bemühungen. »Du bist einer der Passagiere des havarierten Schlittens.«

Der Schlitten, mit dem die Galaktiker in den Abyssalen Katheter des Triumphbogens hatten einfliegen und zu dessen Schauraum vordringen können, war eigentlich nicht havariert. Die Thesan Pezenna Flaith hatte ihn mit Psionischen Mikroparzellen angegriffen und zerstört. Rhodan sah das Fahrzeug vor seinem inneren Auge herumwirbeln. Ob Donn Yaradua, Jalland Betazou und Whekoshi, die Ilikten, Hyderten und der Vluth diese Attacke überlebt hatten, wusste Rhodan nicht.

»Das bin ich«, sagte Rhodan. »Was ist geschehen?«

»Woran erinnerst du dich, Tibo?«

Rhodan überlegte. Er würde nicht von allen Erinnerungen berichten. »Wir haben den Schauraum erreicht. Wir haben eine Audienz der Vyran-Kultur gesehen.«

»Die wievielte Audienz?«, fragte Synn Phertosh.

»Ich weiß es nicht«, log Rhodan und presste die Lippen aufeinander. »Die 200.? Nein, die 227. Es war die 227. Audienz.«

»Bist du sicher?«

»Ja.«

»Was ist mit dieser 227. Audienz geschehen?«

»Sie wurde sabotiert«, sagte Rhodan.

»Sie wurde abgewendet«, berichtigte der Phersune. »Weil sonst die Galaxis Dsusuno ein beispielloses Desaster erlitten hätte.«

»Ja«, sagte Rhodan. »Ja, du hast recht. So habe ich es gesehen.«

»Weiter!«, forderte ihn Synn Phertosh auf.

»Ich erinnere mich an eine grauenvolle Kreatur. Moutta. Sie war aufgebrochen. Ich weiß nicht mehr, wohin. Zu einem Transponder?«

»Aufgebrochen zu einem paraportiven Transponder«, bestätigte der Phersune. »Wir haben sie aufgehalten.«

»Natürlich«, murmelte Perry Rhodan. »Dann haben wir die Ghahour-Mentaloiden geschaut.«

»Und dann?«

Rhodan kniff die Augenbrauen zusammen, tat alles, um angestrengt auszusehen, auch für ein fremdartiges Wesen wie den Phersunen. »Und dann, und dann!«, schrie er endlich wütend auf. »Es gibt kein und dann. Kein und dann außerhalb dieses weißen Raumes.«

Die Stielaugen betrachteten ihn unverwandt.

Wie ein Kind die Heuschrecke im Glas, durchfuhr es Rhodan.

»Dein Schiff ist im Laufe der Ereignisse zerstört worden«, sagte der Phersune ruhig. »Es hat keine Überlebenden gegeben.«

Rhodan versuchte, keine Reaktion zu zeigen. Er hatte keinen Zweifel, dass geeignete Geräte jede Mimik, jede Geste aufzeichneten, dass sein Blutdruck gemessen, die Weite seiner Pupille beurteilt wurden, die Schweißsekretion und die damit zusammenhängende elektrische Leitfähigkeit seiner Haut. Gut möglich, dass phersunische Nanogenten in seinem Blut patrouillierten, in den Nervenzellen seines Gehirns.

Gut möglich, dass sein Gegenüber nichts anderes war als eine hochkomplexe Analysemaschine in der Gestalt eines Phersunen.

»Ich bedaure das«, sagte Rhodan leise. Er glaubte nicht, dass Synn Phertosh ihn anlog, hoffte aber, dass der Phersune sich täuschte. Die PAQUA hatte Mittel und Wege, ihrer Besatzung die Flucht zu ermöglichen. Und jenseits aller Bordmittel gab es zudem den Paau.

»Bedauern – tust du das?«, fragte Synn Phertosh. »Das glaube ich. Aber was? Bedauerst du den Angriff auf den Abyssalen Triumphbogen? Vielleicht. Bedauerst du das Scheitern des Angriffs? Vielleicht. Bedauerst du, in meiner Hand zu sein und in der Kanzlei?«

Rhodan lächelte schief und spreizte die Finger. »Wie sollte ich meine Lage nicht bedauern?«

»Du bist aus dem Abyssalen Triumphbogen geborgen worden.«

»Geborgen von wem?«, fragte Rhodan.

»Von...