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Das Fibromyalgie-Syndrom

Das Fibromyalgie-Syndrom

von: Tom Laser, Dieter Pongratz

W. Zuckschwerdt Verlag, 2008

ISBN: 9783886039371 , 181 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

Windows PC,Mac OSX Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Windows PC,Mac OSX,Linux

Preis: 24,99 EUR

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Das Fibromyalgie-Syndrom


 

2 Schmerzphänomene (S. 3)

2.1 Definition

Das Wort Fibromyalgie beherbergt Begriffe wie Fasern, Muskeln und Schmerz. Der besondere „Faser-Muskel-Schmerz" steht dabei synonym für eine Fülle von Symptomen, die das Fibromyalgie-Syndrom bilden. Der Ganzkörperschmerz ist das Leitsymptom, das die Betroffenen mit einer Fibromyalgie zu ihrem Arzt führt. Weil wir immer wieder vom Schmerz, seiner Entstehung, seiner Bedeutung, seiner Bewertung, seiner Diagnose und seiner Therapie sprechen, ist es nur logisch, zumindest den Versuch zu unternehmen, den Schmerz zu definieren.

Die Evolution lebender Organismen ist ohne Entwicklung der Sinnesorgane nicht denkbar. Tiere und Menschen besitzen neben den Sinneseindrücken und deren Bewertung auch einen „siebten Sinn", den Schmerz. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass auch Pflanzen eine Schmerzempfindung und damit so etwas wie ein Schmerzgedächtnis besitzen. Für lebende Organismen ist der Schmerz für das Überleben und die Gesundheit absolut essenziell, wichtiger als die Sinnesorgane selbst.

Viktor von Weizsäcker formulierte im Jahr 1927 die „Urszene menschlichen Schmerzempfindens" mit folgender Ausführung:

„Wenn die kleine Schwester den kleinen Bruder in Schmerzen sieht, so findet sie vor allem Wissen einen Weg: Schmeichelnd findet den Weg ihre Hand, streichelnd will sie ihn dort berühren, wo es ihm wehtut. So wird die kleine Samariterin zum ersten Arzt. Ein Vorwissen um eine Urwirkung waltet unbewusst in ihr, es leitet ihren Drang zur Hand und führt die Hand zur wirkenden Berührung. Denn dies ist es, was der kleine Bruder erfahren wird: die Hand tut ihm wohl. Zwischen ihn und seinen Schmerz tritt die Empfindung des Berührtwerdens von schwesterlicher Hand und der Schmerz zieht sich vor dieser neuen Empfindung zurück."
Der Schmerz begleitet alle Lebewesen bei Verletzungen und Krankheiten und sorgt für die nötige Schonung. Zum Beispiel läuft ein Hund so lange auf drei Pfoten umher, bis die schmerzhafte vierte Pforte beim Belasten nicht mehr weh tut. Auf diese Weise gewinnt der Körper Zeit für lebensnotwendige physiologische Heilungsprozesse. Je weiter die Genesung fortschreitet, desto mehr nehmen die Schmerzen ab. Der Schmerz limitiert die Aktivität und reguliert den Lebensrhythmus.

In früheren Kulturen wurde der Schmerz immer als eine dämonenhafte Krankheit verstanden. Bis in die Neuzeit haben sich Exorzismus und Austreibung des Bösen in verschiedenen Varianten gehalten. Auch in der heutigen Zeit gilt der Ausspruch: „Bös muss bös vertreiben". Aderlässe, Brechmittel und Abführmittel waren und sind z.T. heute noch der Versuch, den Krankheitsverlauf zu beeinflussen und die Schmerzen damit „auszuleiten".

Schmerzgeplagte wünschen sich verständlicherweise ein Leben ohne Schmerzen. Folgerichtig müsste man glauben, dass es kaum etwas Erstrebenswerteres geben kann als ein Leben ohne Schmerzen. Dies ist nicht nur eine Illusion, sondern wäre absolut fatal. Einige Menschen haben eine absolute Schmerzunempfindlichkeit und sind am sogenannten Analgesie-Syndrom erkrankt.

Man könnte sagen, sie erfreuen sich eines solchen Syndroms, aber tatsächlich leiden sie unter dieser Erscheinung. Betroffene mit dieser Anlagestörung bemerken nicht, wenn sie sich verletzen. Banale, im Alltag zugezogene Verletzungen bleiben unbemerkt, schmerzbedingte Reflexe und Schutzmechanismen fehlen, sodass der Schmerz, schon in Urzeiten als „bellender Wächter der Gesundheit" tituliert, diese Wächterfunktion nicht ausüben kann.Bald zeigen diese Patienten überall am Körper verstümmelnde Narben, Eiterungen und Verkrüppelungen.